Kaiserslautern
Kaiserslauterer sammelt elf Tonnen Plastikdeckel für den guten Zweck
Rund elf Tonnen Plastikdeckel hat Robert Schröder in knapp zwei Jahren gesammelt und sie dem Verein „Deckel drauf“ gespendet, der damit Polio-Schutzimpfungen für Kinder organisiert. Nun wurde die Aktion eingestellt – und Schröder legte noch einmal einen Sammelmarathon hin, der seinesgleichen sucht.
Als sich Schröder 2017 an der Aktion beteiligte und mit dem Aufstellen der ersten Eimer begann, ließ er sich nicht träumen, dass das Ganze so schnell ein Ende hat. Sammeleimer wurden in Kindertagesstätten verteilt, auch in den Stadtteilbüros Königstraße und Friedenstraße, in der Stadtbücherei und in der Volkshochschule standen Behälter. Die Hauptsammelstelle war eine gelbe Mülltonne in der Jung-Stilling-Straße an Schröders Haus. Die meisten Verschlüsse holte der Mann selbst ab und verpackte sie bei sich zu Hause in sogenannte Bigpacks – eine Arbeit, die er gut in seiner Freizeit leisten konnte, denn er arbeite als Chemikant bei der BASF im Schichtbetrieb, sagt der 59-Jährige.
An Ostern ereilte ihn dann die Nachricht, dass Schluss mit der Deckel-Aktion ist. Schröder findet dies schade, zumal das Deckelaufkommen in Kaiserslautern in den letzten beiden Jahren angestiegen sei. Aber die Gründe des Vereins müsse man akzeptieren, sagt der Mann, der dann einen fulminanten Schlussspurt hinlegte.
44 Bigpacks mit Deckeln gefüllt
In knapp zwei Jahren habe er ungefähr elf Tonnen Deckel gesammelt, sie in 44 Bigpacks getan, die von einem Logistikverband im Auftrag des Vereins geholt und zu verschiedenen Standorten zur Verwertung gebracht wurden. „Am Ende war noch mal richtig was los“, sagt Schröder, da sammelten sich Plastiktüten mit Deckeln in seiner Hofeinfahrt. Am 30. Juni sei der letzte Tag gewesen, an dem die Sammler noch einen Abholantrag für die Deckel stellen konnten. Wie Schröder erfuhr, war bei ihm zuletzt die einzige noch offene Annahmestelle im weiten Umfeld, so häuften sich die Deckel, manche seien aus dem Saarland angeliefert worden.
Also wurde in die Hände gespuckt, zusammen mit seiner Frau ging Schröder ans Werk. Wobei die Deckel nicht einfach in die Bigpacks geworfen werden konnten. „Wir haben pausenlos sortiert“, spricht er das Thema Fehlwürfe an. Denn neben den gewünschten Deckeln landeten Schraubverschlüsse, Kronkorken, Metallverschlüsse und Dosierkappen für Waschmittel in den Säcken. Die Verwerter nähmen aber nur Deckel von Getränkeverpackungen bis 40 Millimeter Durchmesser an. „Eine Heidenarbeit, alles zu sortieren“, so Schröder.
500 Deckel sind eine Impfung
Mit der Hilfe von Schröder konnten eine Menge Kinder gegen Kinderlähmung geimpft werden. 500 Deckel reichen für eine Impfung. Ein Deckel wiegt rund zwei Gramm, 500 Deckel ergeben etwa ein Kilogramm Material, das deckt die Kosten einer Impfung gegen Polio. Die koste etwa einen halben US-Dollar, so Schröder. Dank ihm und anderen Sammler konnten an die vier Millionen Impfungen organisiert werden, wie der Verein mitteilt.