Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslauterer Notärzte wollen weiter Teil der Besatzung des Rettungshubschraubers sein

Bei den Johanniter-Einsätzen waren stets Notärzte aus dem Westpfalz-Klinikum an Bord. Ob das beim ADAC ebenfalls so ist, ist off
Bei den Johanniter-Einsätzen waren stets Notärzte aus dem Westpfalz-Klinikum an Bord. Ob das beim ADAC ebenfalls so ist, ist offen.

Die Nachricht, dass die Johanniter Luftrettung zum 2. September ihren Betrieb einstellt, ist eingeschlagen: In den sozialen Netzwerken wird emotional über das Thema diskutiert. Wann es mit dem einjährigen Probebetrieb und der ADAC-Luftrettung in der Westpfalz weitergeht, das ist derzeit noch offen. Die Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Westpfalz-Klinikums ist jedenfalls für eine Fortführung der Notarztdienste bereit, wie Chefarzt Professor Stefan Hofer erklärt.

„In eigener Sache“, beginnt ein Facebook-Beitrag Hofers, der seit Dienstagmittag mehr als 75-mal geteilt worden ist. Darin geht er auf das Ende des Interimsbetriebs der Air Rescue Pfalz und die professionelle Zusammenarbeit seines Teams, die Klinik stellt die im Johanniter-Hubschrauber mitfliegen Notärzte, mit den Johannitern ein. Derzeit sei es allerdings noch unklar, wer künftig die neue Maschine der ADAC-Luftrettung besetzt – sprich: Ob das Westpfalz-Klinikum oder ein anderes Klinikum die Notärzte für die Hubschrauberbesatzung stellt .

Keine negative Auswirkung aufs bodengebundene Notarzt-System

Im Gespräch mit der RHEINPFALZ ergänzt er: „Wir haben zwölf Oberärzte, die seit fast einem Jahr in der Luftrettung unterwegs waren. Die Fachexpertise ist also da, die Flugerfahrung ebenfalls.“ Er sieht das Westpfalz-Klinikum in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Bislang wisse er noch nicht, wie und ob es mit der ADAC-Luftrettung als Partner weitergeht: „Wir sind jedenfalls bereit. Die Dienstpläne stehen bis Januar.“

Laut Hofer habe die Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Westpfalz-Klinikums in den vergangenen elf Monaten ein System gefunden, den Hubschrauber mit Notärzten zu besetzen, ohne gleichzeitig das bodengebundene Notarzt-System zu beeinträchtigen. Hofer: „Das Lüftgestützte haben wir on top geleistet.“

Hofer: „Wichtig ist, das Thema auf der Sachebene zu halten“

Ein Rettungshubschrauber sei für die Region „extrem wichtig“, sagt Hofer. Um den „Red Nose“-Helikopter der Johanniter sei in kurzer Zeit eine lebendige Online-Community entstanden. Dass die Johanniter nach der Ausschreibung durch das Innenministerium nun nicht zum Zug gekommen sind, will Hofer nicht weiter kommentieren: „Das war eine Ausschreibung und wir wollen uns unterordnen. Wichtig ist jetzt, das Thema auf der Sachebene zu halten.“ Die Johanniter hätten mit der Stationierung ihres Hubschraubers in Sembach „das Türchen aufgestoßen“, dass ein Rettungshubschrauber für die Westpfalz überhaupt ein Thema ist – das sei der große Verdienst der Johanniter. In den kommenden Monaten gelte es nun zu beweisen, „dass das, was wir da tun, sinnvoll ist. Das sind wir dem Ministerium und uns schuldig.“ Sein Team jedenfalls habe Lust dazu, den Beweis anzutreten. Hofers Facebook-Eintrag endet mit: „Herzlichen Dank Johanniter!!! Willkommen ADAC!!!“

Die ADAC-Luftrettung will sich – mit Verweis auf die noch bis Montag laufende Einspruchsfrist zur Ausschreibung – nicht im Detail äußern. Die Frage, ob das Westpfalz-Klinikum die Notärzte für den künftigen ADAC-Hubschrauber stellt, lässt der Pressesprecher offen: „Wir arbeiten in den Regionen, in denen wir stationiert sind, mit den großen Kliniken zusammen.“ Auch zum Start-Zeitpunkt macht er keine Angaben. Nach RHEINPFALZ-Informationen wird die ADAC-Luftrettung sehr zügig den Flugbetrieb aufnehmen.

Zur Sache: „Zahl zeigt großen Bedarf“ – Weichel und Förster reagieren auf Kritik

„Wir möchten klarstellen, dass wir uns seit mehr als zehn Jahren ausdrücklich für die Stationierung eines Rettungshubschraubers in der Westpfalz beziehungsweise im Rettungsdienstbezirk Kaiserslautern ausgesprochen haben“, reagieren Oberbürgermeister Klaus Weichel und Peter Förster, Geschäftsführer des Westpfalz-Klinikums, in einer gemeinsamen Stellungnahme auf den gestrigen Artikel „Er müsste auch nachts fliegen“.

Das hätten beide mehrfach öffentlich zum Ausdruck gebracht, in dem Text wurde ihnen vom ehemaligen Chefarzt Christian Madler vorgeworfen, sich nicht eindeutig pro Rettungshubschrauber zu positionieren. Wo genau im Rettungsdienstbezirk Kaiserslautern der Hubschrauber künftig stationiert sein werde, erachteten beide als unerheblich.

Förster: „In unserer ländlichen Region ist es wichtig, dass in Notfallsituationen schnell ein Rettungsmittel vor Ort ist. Hier trägt der Hubschrauber sicherlich zur besseren Versorgung der Bevölkerung bei.“ Als Maximalversorger und überregionales Traumazentrum halte das Klinikum die Infrastruktur vor, um beispielsweise Schwerstverletzte behandeln zu können. Weichel betont unter anderem: „Im März haben wir im Stadtrat einstimmig eine Resolution verabschiedet, wonach ein Intensivtransporthubschrauber dauerhaft im Rettungsdienstbereich Kaiserslautern stationiert werden soll.“ Die Zahl der Einsätze, die von Sembach aus geflogen wurden, verdeutlicht aus Weichels Sicht den großen Bedarf.

Stefan Hofer Foto: VIEW
Stefan Hofer
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