Kaiserslautern
Kaiserslauterer Filmemacher dreht Musikvideo am Kronenraumforschungsturm
Dem Betrachter öffnet sich ein schier unendlich weiter Blick über den goldgelb gefärbten Blätterwald. Vögel zwitschern. Vermutlich von einer Flugdrohne aus gedreht, sieht man Michael Lakatos, wie er auf der oberen Turmstufe sein Vibrafon mit vier Schlegeln bearbeitet. Der Perkussionist der Jazzbühne und der Formation French Touch sagt: „Die Kulturszene in Kaiserslautern gibt nicht auf. „Wir leben noch! Trotz der Corona-Misere für uns Musiker.“
Dass daran kein Zweifel besteht, ist ganz deutlich in diesem Video zu sehen. Auf jeder Etage des Turmes ist ein Musiker postiert. Auf der Gitarre stimmt Harald Pfeil eine geradezu mystisch klingende, herrliche Melodie an. Wie ein Poet phrasiert er sensitive, luftige Linien voll kammermusikalischem Melos. An- und abschwellende Sechzehntelnoten, wie gehaucht wirkende Sounds; Töne, die mit einem runden, singenden Sound ineinander perlen und gleiten wie das Wachs einer Tropfkerze.
Maas am Akkordeon als flirtende Verführerin
Nach zwölf Takten fällt Alexandra Maas auf dem Akkordeon ein. Sie ist eine Verführerin. Ganz leichtfüßig und ohne Kanten fügt sie sich in Pfeils Melodie ein, auch wenn Tango und Musette mit Lakatos’ Percussionsspiel auf dem Schlagzeug flirten dürfen. Vereint mit der Gitarre und dem Kontrabassisten Wolfgang Janischowski verliert sich Alexandra Maas in kunstvoll gewebten Andeutungen, einem fantasievollen Wechselspiel von Entstehung und Vollendung. Am Schlagzeug agiert Lakatos plötzlich ganz unten, auf dem Erdboden. Kann der Multiinstrumentalist sogar fliegen? Oder hat ihn die Drohne von ganz oben heruntergetragen?
Verantwortlich für den professionell gedrehten Film und Schnitt ist der aus Eritrea stammende und in Kaiserslautern wohnhafte, preisgekrönte Filmemacher Solomon Tsehaye. Der junge Filmemacher ist einer der vielen Tausend Geflüchteten, die Militär, Gefängnis, Verfolgung und das Leid der Flucht durchlebten.
Filmemacher Solomon Tsehaye preisgekrönt
In Asmara geboren, besuchte Tsehaye das Gymnasium und wollte Kunst studieren. Doch sein Wunsch scheiterte, weil die Regierung sich die Verteilung der Studienplätze vorbehielt. Tsehaye wurde Krankenpfleger und arbeitete zehn Jahre im Krankenhaus. Sein Wunsch Medizin zu studieren, wurde ebenfalls negiert.
Schon immer war es seine Leidenschaft, Filme zu machen. Durch Kreativität, Talent und Kontakte zu lokalen Künstlern entwickelte sich das Hobby zur Profession. Er produzierte zahlreiche Musik-Videos, Dokumentar- und Spielfilme. Verantwortlich war er auch für den Schnitt. Sein Film „Tigisti“, was so viel wie Geduld, Ausdauer, Toleranz bedeutet, wurde sowohl in Eritrea als auch anlässlich des 45. Internationalen Filmfestivals in Houston, USA, preisgekrönt. Die künstlerische Anerkennung einer westlichen Nation sei in Eritrea allerdings nicht gewünscht, erzählt Tsehaye. Er geriet in den Fokus der Regierung, Gefängnis drohte ihm, weshalb er sich zur Flucht entschied.
In der Barbarossastadt heimisch geworden
Sei 2014 ist Kaiserslautern Solomon Tsehayes Lebensmittelpunkt. Auch ein Teil seiner Familie lebt mittlerweile in der Barbarossastadt. Nach erfolgreich absolviertem Deutschkurs (C1) und Studium am Internationalen Studien-Kolleg an der Hochschule Kaiserslautern hat er die Zugangsberechtigung für das Studium an der Universität erworben. Auch hat er schon einen Dokumentarfilm über die erfolgreiche Integration von Flüchtlingen und Migranten in Kaiserslautern gedreht. Der Integrationsbeirat der Stadt Kaiserslautern hat sein Schaffen mit dem Förderpreis gewürdigt.
Info