Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslauterer Einzelhändler zum Terminshopping: Die Leichtigkeit fehlt

Thomas Haas im „Extra“ mit den Farben der neuen Kollektion für dieses Frühjahr.
Thomas Haas im »Extra« mit den Farben der neuen Kollektion für dieses Frühjahr.

Als eine Übergangslösung ist seit Montag in Teilen des Einzelhandels ein Einkauf mit Termin möglich. Etliche Läden in Kaiserslautern machen davon Gebrauch. Die Reaktionen der Inhaber reichen von „sehr gut“ bis „besser als nichts“. Eine Momentaufnahme.

„Wir dürfen endlich wieder starten und laden ab sofort zum Private Personal Shopping ein“, inserierte Thomas Haas, Geschäftsführer von „Extra“, einem Laden für Herrenmode in der Schneiderstraße, am Montag in dieser Zeitung. Die Anzeige habe ihm eine große Resonanz beschert, freute er sich am Donnerstag im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Kunden, unter ihnen auch einige neue Kunden, seien nicht nur ins Geschäft gekommen, „es wurde auch gekauft“. Was Thomas Haas beim Termin-Shopping entgegenkommt, ist die Zeit, die er sich persönlich für Beratung und Bedienung nehmen kann. „Wir können uns eins zu eins voll dem Kunden hingeben.“

Je nach Kunde, „wir kennen unsere Stammkunden“, hat er für einen Besuch in seinem Laden eine halbe bis eineinhalb Stunden kalkuliert. Für die meisten Kunden sei es ein besonderes Erlebnis gewesen, sich ganz alleine und ohne Zeitdruck in den Auslagen umzuschauen und Kleider zu probieren. Thomas Haas ist mit der Auslastung des Termin-Shoppings so zufrieden, dass er es über den Lockdown hinaus in den Abendstunden beibehalten möchte.

Einkaufserlebnis nur durch lebendige Innenstadt

Ihn bedrückt, dass die Winterware noch nicht verkauft ist. Die Wintersaison sei für ihn belastend zu Ende gegangen. Einen Teil der Winterware werde er für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellen. „Wir haben komplett auf Sommer umgestellt“, erinnert er an die vergangenen sonnigen Tage. Auf die Kunden warteten frische Farben in den Tönen Gelb, Hellblau und Pistazie.

Die Wochen zuvor hat Thomas Haas auf Wunsch seiner Kunden Auswahlpakete zur Abholung zusammengestellt. „Der Grundumsatz war gering, die Zustimmung der Kunden groß.“ Abgesehen von einer Soforthilfe von 9000 Euro im März habe Thomas Haas bislang keine staatliche Unterstützung erhalten. Er räumt ein, dass der Einzelhandel in Kaiserslautern ein schwieriges Geschäft sei. Einige Läden werden vom Markt verschwinden, der Handel ausgedünnt werden, verweist er auf bereits vorhandene Leerstände in der City. Er hoffe, dass die Kunden sich besinnen und nicht nur online kaufen. Ein Einkaufserlebnis biete nur eine lebendige Innenstadt, hofft Thomas Haas auf eine bessere Zukunft.

Jetzt bereits die Ware für den Winter einkaufen

Wer ins Schaufenster der Boutique Françoise in der Eisenbahnstraße blickt, der wird mit dem Frühling konfrontiert. Extravagante Frühjahrsmode wird durch farbige Blumenarrangements in Holzkisten in Szene gesetzt. „Ich freue mich, dass ein Termin-Shopping möglich ist. Es ist besser als nichts“, so Inhaberin Joelle Kaminke. Der Termineinkauf werde gut angenommen. Was ihrer Meinung nach verloren geht, sei die Leichtigkeit, einfach mal die Regale und Kleiderständer durchzuschauen. Kunden hätten oftmals die Einstellung, beim Betreten des Ladens etwas kaufen zu müssen. „Das schreckt den ein oder anderen Kunden ab“, bedauert sie.

Wer den Weg zur Boutique Françoise sucht, sei gewöhnlich Stammkunde und scheue die hohen Preise der modischen Textilien nicht. Ein Terminkauf in dem Modeladen ist zwischen 10 und 15 Uhr möglich. Nach jedem Terminkauf müsse noch einmal desinfiziert und gelüftet werden. Mit der Frühjahrsware wurde Joelle Kaminke bereits im Januar bombardiert. „Jetzt muss ich bereits für den Winter Ware einkaufen.“ Froh ist die Inhaberin, über eine treue Stammkundschaft und deren Unterstützung auch in schwieriger Zeit. Die Überbrückungshilfe 3 habe sie beantragt, seit Beginn der Pandemie jedoch keine Hilfen vom Staat erhalten. Wie es weitergeht, kann sie schlecht einschätzen. „Das weiß selbst die Regierung nicht.“ Kaminkes Lebensphilosophie: „Positiv denken und vom Guten ausgehen.“

Miese Stimmung im Einzelhandel

Für Johanna Ludwig, die vor sieben Jahren das Geschäft „Juwelier und Goldschmiede Lamers“ in der Marktstraße übernommen hat, ist der Terminkauf „besser als nichts“. „Beratung und Verkauf nach telefonischer Vereinbarung“, heißt es auf einem Hinweisschild an der Eingangstür. Die Stimmung sei gedrückt, sagt Ludwig. Die Nachfrage, seit Montag mit einem Termin einkaufen zu können, sei nicht gerade überwältigend. Für Beratung und Verkauf räumt Johanna Ludwig bis zu einer Stunde ein. Danach müsse desinfiziert werden – das Lüften des Ladens nicht zu vergessen.

Die Batterie in einer Uhr zu wechseln, gehe in kürzerer Zeit. Für ein Paar, das sich nach Trauringen erkundigt hat, habe sie sich mehr Zeit nehmen müssen. „Bei Trauringen ist Beratung gefragt.“ Am Hygienekonzept mangelt es dem Juwelierladen mit angeschlossener Goldschmiede nicht. „Wir halten uns an die Regeln“, verweist Johanna Ludwig auf Plexiglaswände zwischen den Bedientheken und auf die Möglichkeit für Kunden, im Laden Abstand halten zu können.

Für sie ist nicht verständlich, dass kleinere Geschäfte, die gewöhnlich nur von wenigen Kunden aufgesucht werden, nicht öffnen dürfen. „Die Stimmung im Einzelhandel ist nicht toll“, sagt die Geschäftsfrau, die noch keine staatliche Unterstützung angefordert habe und stattdessen auf Ersparnisse zurückgreifen könne.

Joelle Kaminke beim Sortieren von neuen Kleidungsstücken in der Boutique Franςoise.
Joelle Kaminke beim Sortieren von neuen Kleidungsstücken in der Boutique Franςoise.
 Joanna Ludwig von Juwelier Lamers mit einer Auswahl an Eheringen.
Joanna Ludwig von Juwelier Lamers mit einer Auswahl an Eheringen.
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