Kaiserslautern
Kaiserslauterer Dachdecker mit Leiterkopfsicherung im Fernsehen
Udo Heyl ist Dachdeckermeister und hatte vor einiger Zeit bei der Arbeit ein Aha-Erlebnis. Nach einem Sturz von der Leiter entwickelte er ein System, dass sein Handwerk sicherer machen soll. Am Dienstag wirbt er im Fernsehen um Investoren.
„Ich bin auf den Kopf gefallen“, sagt Udo Heyl. Es steckt nur ein halber Scherz dahinter: Tatsächlich ist der Dachdeckermeister von der Leiter gefallen und danach mit einer schweren Gehirnerschütterung im Krankenhaus gelandet. Für ihn war es ein Erlebnis, das sein Leben geändert hat. Denn nach dem Sturz begann Heyl 2013 damit, eine spezielle Vorrichtung zu entwickeln, die Stürze von der Leiter künftig vermeiden soll. Leikosi hat er sie getauft – kurz für Leiterkopfsicherung.
Damit Heyl seine Geschäftsidee verwirklichen konnte, haben Freunde, Bekannte und Geschäftspartner, allen voran das Metallbau-Unternehmen Mischitz, kräftig mitinvestiert. Seit 2017 ist das Produkt auf dem Markt, rund 4500 Sicherungen seien bisher verkauft worden. Seine Geschichte erzählt der Kaiserslauterer nun im Fernsehen – bei der Sendung „Die Höhle der Löwen“. Dort präsentieren sich Start-ups mit ihren Geschäftsideen fünf Investoren. Diese können die Firma finanziell unterstützen. Heyl hofft auf eine Finanzspritze von 250.000 Euro und bietet dafür zehn Prozent seines Unternehmens an. Ob es geklappt hat oder nicht, darf Heyl noch nicht verraten. Die Stimmung beim Dreh sei jedoch sehr gut gewesen, die Jury und er hätten viel gelacht, erzählt er.
Banken geben keine Kredite
Eigentlich habe er gar nicht ins Fernsehen gewollt. Doch dann habe er keine Kredite von den Banken erhalten, um das Geschäft aufzubauen. Also habe er sich doch beim Fernsehen beworben – und sei abgelehnt worden. Das war 2016. Eineinhalb Jahre später sei die „Höhle der Löwen“ dann auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob er nicht mitmachen wolle. Wollte er. Also ging es im April 2019 zu den Dreharbeiten nach Köln.
Das Präsentieren sei ihm nicht schwergefallen, er sei nicht aufgeregt gewesen, erzählt Heyl. Er freut sich, dass er die Gelegenheit hatte, sein Produkt vorzuführen – denn schriftlich lasse es sich nicht so gut beschreiben. „Dann denken alle, dass es kompliziert in der Anwendung ist. Das ist es aber nicht“, betont Heyl. Im Gegenteil: Die Leikosi werde noch am Boden an der Leiter angebracht und könne direkt am Gebäude befestigt werden, ohne dass der Handwerker die Hände von der Leiter nehmen müsse, um sie anzuschrauben. Das sei ein enormer Vorteil gegenüber anderen Systemen, die auf dem Markt seien, betont Heyl. Zudem entfalle die zweite Person, die die Leiter sichern müsse. Im Handwerksbetrieb spare dies Geld, da diese Person in dieser Zeit eine andere Arbeit erledigen könnte. Im privaten Bereich erspare es Stress – weil nicht länger die Ehefrauen die wackeligen Leitern halten müssten, erklärt Heyl mit einem Lachen.
Beim Sender kam Heyl offenbar gut an: Im Dezember wurde zusätzlich in Kaiserslautern eine Homestory über ihn gedreht. In den Medien wird mit seinem Bild und seiner Erfindung für die Sendung am Dienstag geworben.
Jährlich viele Leiterunfälle
Leiterunfälle seien ein großes Thema im privaten und beruflichen Bereich, schildert Heyl. Pro Jahr verursachten die Folgen solcher Unfälle Kosten in Höhe von 356 Millionen Euro. Die Berufsgenossenschaft Bau ist vom System überzeugt und fördert für ihre Mitgliedsbetriebe 50 Prozent des Einkaufspreises einer Leikosi. Auch Schornsteinfeger sind mittlerweile auf die Sicherung aufmerksam geworden, Heyl ist europaweit unterwegs, um das Produkt vorzustellen. Dabei erfährt er viel Unterstützung von seiner Familie und Geschäftspartnern. So habe sein Bruder Walter Heyl die Geschäftsführung der Dachdeckerei Voegeli mit übernommen.
Eigentlich wollte sich Udo Heyl, der acht Geschwister hat, mit einem großen Treffen bei seiner Familie, seinen Mitarbeitern und seinen Geschäftspartner bedanken. „Wir wollten zusammen die Sendung ansehen, aber das haben wir wegen des Coronavirus abgesagt“, erzählt er. Für den Fall, dass nach der Sendung die Telefone nicht mehr stillstehen, hat Heyl schon im vergangenen Jahr vorgesorgt und ein Lager mit Leikosis gefüllt.
Info
Am heutigen Dienstag, 24. März, stellt Dachdeckermeister Udo Heyl bei der Fernsehsendung die „Höhle der Löwen“ seine Erfindung vor: die Leikosi, kurz für Leiterkopfsicherung. Zu sehen ist Heyl am Dienstagabend um 20.15 Uhr auf dem Sender VOX.