Stadtspaziergang RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserberg: Ein Kleinod, in dem man Ruhe finden kann

Die Vereinshütte wurde in den 1960er Jahren errichtet. Inszwischen hat sie auch eine moderne Toilettenanlage.
Die Vereinshütte wurde in den 1960er Jahren errichtet. Inszwischen hat sie auch eine moderne Toilettenanlage.

Kaiserberg – das ist nicht nur ein begehrtes Wohngebiet in Kaiserslautern. Den meisten werden zu diesem Stichwort vielleicht noch Schulzentrum Nord und Gartenschau einfallen. Doch befindet sich auf dem Kaiserberg auch ein Kleinod, das wohl nur wenige Lauterer kennen: ein Vogelschutzgebiet, das flächenmäßig größte Naturdenkmal in Rheinland-Pfalz.

Wer auf dem Parkplatz am nördlichen Eingang der Gartenschau steht, der kann ein kleines, unscheinbares Schild entdecken: Vogelschutzgebiet. Dass nicht jeder dieses Vogelschutzgebiet kennt, ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass hier die Vögel in Ruhe brüten und leben können sollen. Doch will der Verein für Vogelschutz und Vogelpflege auch dafür sorgen, dass das Schutzgebiet mehr ins Bewusstsein der Bürger rückt – und dadurch besser gepflegt werden kann.

Es weht stets ein angenehmes Lüftchen

Vorsitzende sind seit November vergangenen Jahres Ingrid Choim und Christina Pircher. Sie öffnen dem Besuch von der RHEINPFALZ nicht nur bereitwillig das Tor, sondern führen an einem heißen Sommernachmittag auch direkt das größte Plus des Vogelschutzgebiets vor: Hier weht nicht nur ein angenehmes Lüftchen, es ist auch extrem ruhig. „Es ist immer ein paar Grad kühler als draußen“, weiß Christina Pircher, die aus Südtirol stammt und nach eigenem Bekunden „schon immer gerne draußen in der Natur war“.

Der Weg führt am Zaun entlang, daneben ist Wildnis. Das muss auch so sein, denn in dem Flächen-Naturdenkmal mit seinen uralten Bäumen darf nichts entnommen, aber auch nichts gepflanzt werden. Von den 14 Hektar Gesamtfläche sind nur 2,5 öffentlich zu nutzen – und die momentan auch nicht ganz, weil viele Bäume umzustürzen drohen und gefällt werden müssen. Die Wegesicherung ist ein großes Problem – nicht nur was die Arbeit anbelangt, sondern auch wegen der Kosten. Der Verein, der seit 2004 das Gelände von der Stadt gepachtet hat, hofft, sich mit dieser zu einigen, wie man das Problem lösen kann.

Das Vereinsheim wurde in den 60ern gebaut

Nur eine kleine Strecke ist es zu Fuß bis zum Vereinsheim, das in den 60er Jahren gebaut und nach dem damaligen Vorsitzenden Georg Schäfer benannt wurde. Daneben stehen große Volieren, in denen früher eine Pflegestation für Wildvögel war. Diese Arbeit hat der Verein aufgegeben, heute sind in den Volieren nur noch etliche Hühner, weiße Tauben und Fasane untergebracht.

Von 100 Vogelarten sind 18 übrig geblieben

Wie die Vorsitzende Auskunft gibt, sind von einst über 100 Vogelarten im Schutzgebiet 18 übrig geblieben, welche die Vereinsmitglieder sicher bestimmen konnten. Die häufigsten sind Amsel, Kleiber, Kohl-, Sumpf-, Schwanz- und Blaumeise, Ringeltaube, Star, Zaunkönig, Gartenbaumläufer und verschiedene Spechte. Doch auch Rabenvögel sind auf dem Kaiserberg anzutreffen, der Waldkauz ist hier heimisch und Greifvögel wie Rotmilan, Turmfalke und Mäusebussard überfliegen das Gelände. Wasserflächen und Teiche bilden den natürlichen Lebensraum für Wasservögel, Amphibien, Insekten und Sumpfpflanzen. „Wir haben aber auch Wild hier, Rehe, Füchse, Marder und Dachs“, ergänzt Christina Pircher. 100 Nistkästen sind auf dem Gelände verteilt, selbstverständlich werden die Vögel im Winter gefüttert und die Insekten wurden ebenso wenig vergessen. Ein Imker hält auf dem Kaiserberg mehrere Völker. Es wurden über 50 heimische Baum- und Straucharten gezählt.

Besuchen kann man das Vogelschutzgebiet regelmäßig am letzten Sonntag im Monat zwischen Mai und Oktober. Dann ist von 11 bis 16 Uhr Tag der offenen Tür. Am Samstag zuvor findet stets ein Arbeitseinsatz statt, zu dem jeder willkommen ist. Denn Arbeit gibt es genug, wie die erste und zweite Vorsitzende berichten. Sie haben die Ämter im vergangenen Jahr übernommen, weil sie den Verein „nicht sterben lassen wollten“. Zuvor hatte ihn jahrzehntelang Professor Gerhard Konrad geführt, nach dessen Tod wurde händeringend ein Nachfolger gesucht. „Wir hatten keine Ahnung, was auf uns zukommt“, geben Choim und Pircher unumwunden zu. Denn das Gelände ist riesig – und die Arbeit entsprechend. Von den rund 50 Mitgliedern seien die meisten über 50 Jahre alt, nur etwa zehn würden aktiv mitarbeiten.

Einst Naherholungsgebiet für Kammgarn

Und so machten sich Ingrid Choim und Christina Pircher nach ihrer Wahl im vergangenen Jahr erst einmal daran, zu putzen und aufzuräumen, wie sie erzählen. Das Vereinsheim kann nicht nur für Versammlungen genutzt, sondern von Mitgliedern auch für Feste gemietet werden, ist es doch professionell ausgestattet und hat vor einigen Jahren auch statt des ehemaligen Plumpsklos eine moderne Toilette bekommen. „Es gibt sogar einen Tanzboden“, betont Ingrid Choim. Doch hat ein Sturm einen Baum aufs Dach stürzen lassen, das jetzt erst einmal mit einer Plane abgedeckt ist, bis es repariert werden kann. „Früher war hier das Naherholungsgebiet für Kammgarn und Lampertsmühle, die Hütte wurde sogar von einem Gastwirt betrieben“, weiß die Vorsitzende.

Die beiden engagierten Frauen berichten, dass sie bereits Mitstreiter gefunden haben, auch bei den Arbeitseinsätzen fänden sich immer wieder neue Mitglieder. Gerade heute, wo angesichts von Klimawandel und Artensterben Vögel und Insekten wieder mehr ins Bewusstsein rückten, gehe es ihnen darum, das Vogelschutzgebiet attraktiver zu machen. Sie freuen sich, einen Biologen von der Technischen Universität in ihren Reihen zu haben, haben ein großes Bienenhotel aufgestellt und bauen bei Aktionstagen zusammen mit Kindern Nistkästen.

„Man kann hier wunderbar zur Ruhe kommen, sich auf eine der vielen Bänke setzen und den Vögeln lauschen“, schwärmt Christina Pircher. Sie erzählt von vielen malerischen Plätzen und einem wunderbaren Blick über die Stadt. Ein Spaziergang biete sich beispielsweise auch im Anschluss an den Besuch der Gartenschau an, am Tag der offenen Tür kann jeder von dort hereinkommen. Für den Weltkindertag am 25. September ist ein spezielles Programm für die Kleinen geplant. Wenn Gruppen oder Klassen Interesse daran haben, bietet der Verein für Vogelschutz und Vogelpflege nach Absprache auch private Führungen an.

Info

Absprachen für Führungen bei Ingrid Choim, Telefon 0173 393 2516, oder Christina Pircher, Telefon 0157 376 434 79. E-Mail: vogelschutzverein.kaiserslautern@gmail.com, Internet: https://vogelschutzkl.webador.de/

In einer Voliere sind Hühner, Tauben und Fasane untergebracht.
In einer Voliere sind Hühner, Tauben und Fasane untergebracht.
Das Gebiet auf dem kaiserberg lädt zu ruhigen Spaziergängen ein.
Das Gebiet auf dem kaiserberg lädt zu ruhigen Spaziergängen ein.
Früher wurde das Vereinsheim sogar von einem Wirt betrieben.
Früher wurde das Vereinsheim sogar von einem Wirt betrieben.
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