Kaiserslautern
Kaffeeklatsch: Die vierte Krummel-Generation bietet Torten und Pralinen, Eis und gar Brot
Martin Krummel führt gemeinsam mit Ehefrau Elisabeth Regie im Café, das den Familiennamen trägt. Gelernt hat der 46-Jährige das Handwerk des Bäckers und Konditors quasi von Kindesbeinen an, denn von klein auf half er in Backstube und Café mit. Auf die Ausbildung im elterlichen Betrieb folgten sieben Jahre in der Luxushotellerie – beispielsweise in der Schweiz und am Bodensee, wo er seine Frau Elisabeth kennenlernte.
Gemeinsam gingen sie in die französische Schweiz. Martin Krummel musste erst mal Französisch lernen, während seine Frau Elisabeth drei Sprachen spricht. „Ich habe am Genfer See in den besten Konditoreien gearbeitet, aber auch im VIP-Bereich des Flughafens“, erzählt Krummel. Dann habe er sich auf Schokolade spezialisiert, beispielsweise in Paris bei dem berühmten Patissier Christian Constant gearbeitet. Dass er einen Konditorenwettbewerb gewonnen und die Schweiz bei den World Chocolate Masters vertreten hat, erfüllt ihn mit Stolz.
Dieses Jahr gibt es wieder eigenes Eis
Im Jahr 2008 ging es zurück nach Kaiserslautern: „Meine Eltern sagten, es sei an der Zeit“, berichtet der 46-Jährige. Und so zog es die vierköpfige Familie in die Pfalz. Das Ehepaar arbeitete zuerst mit und übernahm dann 2012 das Familienunternehmen. Modernisiert wurde der Verkaufsraum des Traditionsgeschäfts in der Gasstraße. Doch das Hinterzimmer blieb so erhalten, wie es schon vor fast 100 Jahren war. In dem von Georg Krummel 1925 gekauften Haus waren zu Anfang Weinstube und Bäckerei, im Hinterzimmer wurde zu Grammophon-Musik getanzt. Der Opa sei auch Spezialist für Eis gewesen, schildert Martin Krummel. Er verrät: Nach einem Jahr Pause soll es diesen Sommer auch wieder selbst gemachtes Eis geben.
Selbst gemacht und frische Zutaten – das ist das Stichwort für den Konditor und Chocolatier. Er betont, dass die Zeiten nach der Corona-Pandemie so schwierig seien wie nie zuvor. Die Kosten für Zutaten und Energie seien sprunghaft angestiegen. Er führe einen täglichen Kampf um die Qualität, beziehe beispielsweise frische Eier von einem Geflügelhof in der Gegend, kaufe Früchte saisonal aus der Pfalz. 80 Prozent der Produktion finden heute in der Mühlstraße statt, wo Martin Krummel die Verantwortung übernommen hat, während Elisabeth das Geschäft in der Gasstraße führt. Er lobt seine „sehr lieben Mitarbeiter“, bräuchte aber dringend noch Unterstützung in der Produktion, wie er erzählt.
Viele Stammkunden kommen
Bekannt ist das Café Krummel seit jeher nicht nur für seine Kuchen und Torten. Vor 40 Jahren habe sein Vater Peter angefangen, auch Brötchen zu backen. Deren guter Geschmack rühre von der langen Teigführung her. „Wir sind ein Kleinstbetrieb, wir brauchen keine Chemie“, betont Krummel. Als die Bäckerei Uebel auf dem Kotten aufgehört habe, habe er deren Brotrezepte übernommen. Eventuell kämen jetzt noch welche der kürzlich geschlossenen Bäckerei Müller hinzu, erläutert der Firmenchef und lobt die gute Zusammenarbeit unter Kollegen. „Eigentlich sind wir aber eine Konditorei, die Bäckerei ist eher Hobby“, sagt er.
An einem ganz normalen Wochentag kommen nicht nur gute Bekannte zum Kaffeetrinken ins Geschäft in der Gasstraße, auch eine Gruppe von Frauen versammelt sich zum Kaffeeklatsch: Jede wählt erst ein Stück Kuchen an der Theke aus, ordert dazu einen Kaffee oder Tee. Viele Gruppen treffen sich regelmäßig in einem der beiden Cafés, beispielsweise der Seniorenbeirat. „Wenn der FCK Heimspiel hat, kommen immer mehr Fans vorher zum Frühstück zu uns“, berichtet das Ehepaar. Zu 80 Prozent hätten sie Stammkunden, vor allem am Wochenende komme eine andere Klientel: „Samstags und sonntags ist alles voll mit jungen Leuten und Familien“, freut sich das Ehepaar.
Seit 40 Jahren freitags Dampfnudeln
Krummel sagt, er habe 2018 das ehemalige Café Fegert in der Mühlstraße übernommen, „damit nicht noch ein Café in Kaiserslautern verschwindet“. Das Geschäft wurde zwar vorsichtig renoviert, der Stil eines französischen Bistros aber beibehalten. Weil die Backstube größer ist, wird meist dort gearbeitet, die Backstube in der Gasstraße sei „aus allen Nähten geplatzt“. Mehr als zehn Leute beschäftigt der Familienbetrieb, am Wochenende kommen etliche Aushilfen dazu. Martin Krummel schwärmt von seiner Auszubildenden zur Konditorin, die ganz ausgezeichnet sei.
Neben hausgemachten Kuchen, Torten, Pralinen und mehr bietet Krummel auch einen Mittagstisch an. Beispielsweise gibt es seit über 40 Jahren jeden Freitag Dampfnudeln mit Vanille- oder Weinsoße und dazu Kartoffelsuppe – wie es sich in der Pfalz gehört.
20 Sorten Schokoladen-Ostereier
Auch die Kultur spielt in den beiden Cafés eine große Rolle. Bilder von regionalen Künstlern werden ausgestellt. Und seit vergangenem Jahr organisiert Harald Michel Lesungen und Gespräche in der Mühlstraße. „Das wurde vom ersten Termin an gut angenommen“, freut sich Martin Krummel.
Bis Ostern hat der Chocolatier besonders viel zu tun. Er produziert nämlich nicht nur Pralinen, sondern auch Schokoladen-Ostereier. Nicht weniger als 20 Sorten listet Elisabeth Krummel auf. Hinzu kommen die gegossenen Hasen, die Krummels Mutter Angelika von Hand bemalt.
Info
Das Traditionsgeschäft in der Gasstraße ist Montag und Dienstag geschlossen. Mittwoch bis Freitag ist von 8 bis 17 Uhr geöffnet, Samstag von 7 bis 17 Uhr und Sonntag wieder von 8 bis 17 Uhr. Das Café in der Mühlstraße ist montags geschlossen, von Dienstag bis Samstag ist von 7 bis 17 Uhr geöffnet, Sonntag von 8 bis 17 Uhr.
Die Serie
Cafés sind viel mehr als nur ein gastronomischer Betrieb, um eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen zu sich zu nehmen. In Cafés trafen sich die Boheme, die Literaten und Flaneure. Heute sind sie beliebter Treffpunkt nicht nur älterer Damen, sondern auch junger Leute und Familien. Auch in Kaiserslautern gibt es erstaunlich viele Cafés. Wir stellen sie in unserer Serie „Kaffeeklatsch“ vor.