Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kabarettist Alfons wirbt im Kaiserslauterer Cotton Club für europäischen Zusammenhalt

Melancholischer Humorist mit Herzenswärme und Intelligenz: Emmanuel Peterfalvi alias Alfons.
Melancholischer Humorist mit Herzenswärme und Intelligenz: Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Foto: VIEW

Gerade erst hat der Kabarettist Emmanuel Peterfalvi alias Alfons in München den Bayerischen Kabarettpreis bekommen. Am Donnerstagabend gastierte der scharfzüngige Reporter mit der orangefarbenen Trainingsjacke im nahezu ausverkauften Cotton Club. In seinem „Le Best of“-Programm sezierte er messerscharf den deutsch-französischen Alltag und widmete sich den kleinen Fundstücken aus dem bundesdeutschen Alltagswahnsinn.

„Voila!“, grüßt Alfons sein Publikum. „Ich habe wieder Munition mitgebracht.“ Diese Munition sind aber keine hart explodierenden Schrapnelle oder Kanonenschläge, sondern vielmehr frech zündende Knallbonbons und Wunderkerzen. In Frankreich sei es cool zu verlieren. Sieger seien schließlich in zwei Wochen wieder vergessen. Obwohl, ein Siegertyp sei bis heute noch beliebt, obwohl er die Tour gewonnen hatte: Maurice Garin im Jahr 1904. Hundert Jahre später sei herausgekommen, er sei mehrere Strecken der Tour mit der Bahn gefahren. „So sind die Franzosen“, bekennt Alfons und grinst dabei süffisant. Nach 30 Jahren in Deutschland habe er nun die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen: „Ich bin nun Franzose und Deutscher in einem Körper.“

Was Alfons so liebenswert macht: Er ist ein melancholischer Humorist mit Herzenswärme und Intelligenz. Sein Humor und vor allem seine Selbstironie machen es leicht, mit der Unzulänglichkeit des eigenen Lebens zurecht zu kommen, machen es leichter, versöhnlicher auf die Schwächen der Mitmenschen zu sehen. Und man gewinnt Abstand vom Perfektionismus und Verwertungsdenken der Ellenbogengesellschaft.

Streiks und der Mauerfall

Streiks gehören in Frankreich fast schon zum Alltag. In Deutschland hingegen fänden die meisten Menschen das nicht gut. „Das stört“, heiße es, „keine Zeit, wir müssen arbeiten!“ In Deutschland müsse man eine Demo zuerst anmelden. „Wie macht ihr das?“, fragt Alfons, „ich möchte am Mittwoch, 10 Uhr, sehr wütend sein. Und der Beamte: ,Kein Problem. Hier haben Sie ein Formular.’“

Zu den Feierlichkeiten wegen 30 Jahre Mauerfall spöttelte der Franzose: „In der DDR waren die Ossis eingesperrt, durften nicht raus. Jetzt fliegen sie in der ganzen Welt herum in Urlaub. Vielleicht sind deswegen so viele Ossis braun geworden.“ Deutschland sei jedoch immer noch zweigeteilt: in Aldi Nord und Aldi Süd. Lustig machte er sich auch über die Schnäppchenjäger: „Eigentlich brauchen wir ja diese Angebote nicht, aber wir kaufen’s trotzdem. Ist ja ein Schnäppchen. Ob Helmut Kohl damals bei der Wiedervereinigung genauso gedacht hat?“

Friede ist nicht selbstverständlich

Dann aber wird Alfons grundsätzlich. Viele spürten, dass wir in merkwürdigen Zeiten lebten, dass Zeichen sich häuften, dass wir sehr aufpassen müssten. „Wir müssen uns erinnern, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir in Europa in Frieden leben. Das ist sogar in unserer Geschichte ziemlich neu und untypisch.“ Angela Merkel zum Beispiel fänden alle merkwürdig: „Sie macht ja nichts. Ihr aber fandet sie toll und habt sie ,Mutti’ genannt. Ihr wusstet aber nicht, warum.“

Dann auf einmal habe Angela Merkel eine Meinung gehabt und Flüchtlinge ins Land gelassen. „Wir sind Europa – wir haben Werte“, habe sie diese Handlung begründet, „wir sind ein reiches Europa. Wir müssen helfen!“ Und seitdem sei „Mutti“ höchstens noch „Schwiegermutter“ bei den Deutschen. „Niemand flüchtet aus Spaß“, fährt Alfons fort. „Was würdest du denn tun, wenn jeden Tag eine Bombe auf dein Haus fällt? 1,5 Millionen Flüchtlinge sind in Deutschland und darunter höchstens 500 Kriminelle. Warum reden wir nur über diese Kriminellen und nicht über die anderen, die sich längst integriert haben?“

Lustig, aber auch nachdenkenswert

Scheinbar unbeholfen und mit deutlich erkennbarem französischem Akzent trägt Alfons in seinen ausgewählten Filmen über manche deutsche „Spezialitäten“ seine absurden Fragen vor. „Würden Sie sich mit französischen Männern kreuzen lassen?“ oder „Mit was läuft jeder Franzose unterm Arm rum?“ – „Achselschweiß“, lautete eine Antwort. Er erweckt dabei den Eindruck eines trotteligen Franzosen, der der deutschen Sprache nicht besonders mächtig ist, und die Komik besteht zumeist darin, dass die Gefragten auf die Fragen außergewöhnlich offen antworten und sich dabei mit ihren Stereotypen und Vorurteilen selbst entlarven.

Lustig, aber auch nachdenkenswert sind die Filme über die deutsche Leitkultur: wie das Dackelrennen im Allgäu, das nichtmilitärische Schützenfest im Norden, bei dem der Gleichschritt geübt wird, der Kurs für Bauchredner in Baden-Württemberg, bei dem ein Diakon als Bauchredner eine Beerdigungsansprache hält, oder über eine Flüchtlingsunterkunft in Ostfriesland, wo die Syrer auf einem Schützenfest die „deutschen Werte“ kennenlernen: Schnaps und Tee, Gemütlichkeit und Saufen.

Plädoyer für Europa

Vor allem aber ist der Abend ein flammendes Plädoyer für „das Experiment Europa, das uns 70 Jahre Frieden beschert hat“. Und nicht zuletzt für Toleranz unter den Religionen. „Wenn Religionen zusammenhalten“, das verdeutlicht er exemplarisch an einer berührenden Geschichte aus seiner Grundschulzeit, „dann gibt es für alles eine Lösung!“

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