Kaiserslautern
Künstlerwerkgemeinschaft eröffnet „wadi“-Ausstellung
Wer so viel Vorfreude erlebte, glaubt es kaum. Denn nach Wochen und Monaten unermüdlichen Planens, Kreierens und Anfertigens künstlerischer Werke, Installationen oder Performances kam keiner. Der Dialog mit den Betrachtern blieb aus. Was blieb, ist nichtsdestotrotz Begeisterung und Vorfreude auf den Tag, an dem die Tore öffnen. Zutiefst beeindruckend.
Eine starke Truppe, diese bildenden, darstellenden, musizierenden oder schreibenden Künstler. Und dahinter ein Museumsteam rund um Kuratorin Sara Brück, das Rückgratstärke für alle garantierte. Wie zur Belohnung schien entgegen der Wetterprognosen die Sonne links und rechts der Steinstraße und unterm „Blauen Baum“ (eine Hommage an Martin Blume), leuchteten die Blüten, sodass im Freien genüsslich gelobt, gedankt und gefachsimpelt wurde. Hier kann nicht jedem Werk ein ausführlicher Text folgen. Es wird ein Querschnitt an Stichpunkten erwähnt.
Pandemie und Klimawandel
Dem Baum gegenüber erhebt sich eine geodätische Kuppel aus Holz. Die Leihgabe des Fachbereichs Architektur der Technischen Universität Kaiserslautern (Fatuk) steht verkürzt gesagt für ein avantgardistisches Werkzeug zum Überleben in klimatisch extremeren Welten. Und so prallen hier auf engem Raum Pandemie und Klimawandel als zwei global-aktuelle Gefahren der Menschheit aufeinander.
Irgendwie passend prangt im Innenhof gegenüber der schmucke, uralte Leichenwagen, während im Innern moderne Technik Eva Picks Installation ermöglicht, mit der die Autorin lautpoetisch über das „Über-Und-Über-Hinüber“ sinniert. Das Stichwort „Poesie“ versinnbildlicht die Fotografin Marta Maria Mroz. Sie entdeckte in der arbeitsarmen Zeit das Thema Landschaft rund um die Stadt. Der Natur gab sie mit ihrer Kamera eine meditativ-intuitive Sprache der Unschärfe und verwandelte „die Welt in ein Museum“ des Beachtens und Bewahrens.
Exponate mit Kaiserslauterer Stadtgeschichte
Was bisher mit Vorgefundenem im Freien auffiel, vervielfältigt sich drinnen mit Ideen, die ergänzen, auskleiden oder verrücken. Nur, dass dort Kunst standardmäßig an Wänden hängt oder nur von Kennern dieses Museums entdeckt wird. Nichtsdestotrotz trägt jede Arbeit der insgesamt 26 Aussteller Kaiserslauterer Stadtgeschichte in sich. Denn „wadisieren“ meint das Museum als historisch-architektonischen Bau- und vormaligen Möbelstil sowie die ständige Sammlung, die banalste Alltagsdinge früherer Zeiten bewahrt. Andererseits die heimisch-kreativen Köpfe, die sich davon zu eigener Kunst, Musik und Literatur inspirieren ließen, epochale, stilistische, konträre und emotionale Antworten zu geben.
Und diese gehen quer durch die klassische Kommunikation aller Künste: Werk/Werk, Künstler/Besucher, Mensch/Material, Leben/Tod, Vorzeit/Neuzeit. Im Grunde begegnet sich die spielerische Neigung der Menschheit von Museen bewahrt. Die philosophische Quintessenz meint eine Gemeinschaft durch simples Erdendasein. Wann auch immer. Derzeit im Stadtmuseum gespiegelt durch poetische, praktische oder kontroverse Macharten.
Moderne Technik und Eselsohren
Beispiel „Poesie“: Michael Fetzer zeigt sie mit Gesammeltem in einer Vitrine voller furchteinflößender Plastikfiguren. Einstige Kinderaugen staunen. Stichpunkt „Literatur“: Eher prosaisch baumelt ein weltbekanntes Gelb im Gestänge des Treppengeländers. Richtig: Reclam-Hefte. Mit Eselsohren. Und digital modernisiert per QR-Code. Er überträgt Hannelore Bährs Bühnenstimme und zeigt sie per Minivideo in Kostümrollen. Genial. Stichwort „Akustik“: das Seifenblasengeblubber von Gertrud Riethmüller zwischen Putzmittel- und Kernseifensortiment, ein Endlosvideo, das enträtselt werden will. Schweigen dagegen als Dauerzustand inszeniert Roland Albert mit seinen „Drei Birnen“ in der gotischen Kapelle.
Im Barockzimmer darüber zog so harter Kontrast wie das von Stahl und Stein von Reiner Mährlein ein. Geli Steinmacher postuliert mit Keramikplastiken die beiden Zustandsbeschreibungen Alt und Neu. Ebenso Fotograf Jörg Heieck, der seine topaktuellen Corona-Szenen als blaugetönte Cyanotypien zeigt. Das Stichwort „Museum“ greift Erika Klos mit „Transparenz und Dichte“ in beeindruckenden Papierarbeiten auf. Das Stichwort „Fundstücke“ verinnerlicht Marie Gouil, die Second-Hand-Ware skulptural versteift und im Innern leuchten lässt. Zum Stichwort „Malerei“ bietet Bühnenbildner Thomas Dörfler die „C-Zeit“ mit gestischer Weite im Riesenformat zur Selbstreflexion an. Das und mehr wartet geduldig bis Museen öffnen dürfen. Dann werden weitere Arbeiten besprochen, die alle das Besuchen lohnen.
Die Teilnehmer
Roland Albert, Hannelore Bähr, Helmut Engelhardt, Michael Fetzer, Michael Geib, Marie Gouil, Jörg Heieck, Erika Klos, Marta Maria Mróz, Reiner Mährlein, Veronika Olma, Shakti Paqué, Matthias Paqué, Eva Pick, Silvia Rudolf, Gela Steinmacher, Edelgard Lösch, Volker Tinti Gäste: Anna Bludau-Hary, Thomas Brenner, Thomas Dörfler, Klaus Harth, Petra Jung, Hamdy Reda, Gertrud Riethmüller, Bea Roth.