Kaiserslautern Jux, Spaß und Schabernack

Die Narren sind los.
Die Narren sind los.

Heute steuert die Fastnacht auf den Höhepunkt der Kampagne zu. Grund genug, mit dem Präsidenten der Vereinigung der Badisch-Pfälzischen Karnevalvereine, Jürgen Lesmeister, ein Fastnachts-Alphabet zu erstellen, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Applaus

ist der Lohn für den Aktiven, der in den meisten Fällen unentgeltlich auf der Bühne steht. Ahoi ist der offizielle Schlachtruf des Badisch-Pfälzischen Karnevalverbandes und ein typischer Fastnachtsruf in der Kurpfalz. Die Bütt ist ein wichtiges Element der Fastnacht und das fassähnliche Rednerpult für Geist, Witz und Satire. Wer in der Bütt steht, genießt Narrenfreiheit und darf mit scharfer Zunge frei reden, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Dabei hält er den Zuhörern oft den Spiegel vor. Typische Büttenredner sind Hofnarr oder Till. Dass diese Tradition zunehmend verschwindet, bedauert Lesmeister. Das Congressforum Frankenthal ist die Örtlichkeit, wo die Fernsehsitzung der Badisch-Pfälzischen Karnevalvereine am Sonntag, 3. März, ab 19 Uhr über die Bühne geht. Im Congress Center Ramstein finden die Prunksitzungen von Lesmeisters Heimatverein, den Bruchkatzen, statt. Das italienische Wort „Carnevale“ bezieht sich auf das Wegnehmen von Fleisch und damit auf die bevorstehende Fastenzeit. Dreifach donnernde Schlachtrufe honorieren die Leistungen der Aktiven und beflügeln die närrische Stimmung bei Prunksitzungen oder bei der Straßenfastnacht. Elf ist die närrische Zahl, die mit den beiden Einsern auf die Gleichheit aller Narren verweist. Ebenso steht sie für die Maßlosigkeit der tollen Tage. Und sie soll sich auf die Schlagwörter der Französischen Revolution beziehen, denn die Anfangsbuchstaben von Egalité (Gleichheit), Liberté (Freiheit) und Fraternité (Brüderlichkeit) bilden das Wort. Der Elferrat ist das närrische Komitee, die Streitmacht des Vereins oder das närrische Parlament, wie Lesmeister die Aktiven bezeichnet. Seine Mitglieder kümmern sich um die Organisation der Prunksitzungen und repräsentieren den Verein. Fastnacht, Fasnet, Fasching oder Fastelovend sind regional unterschiedliche Bezeichnungen für die fünfte Jahreszeit, die mit dem 11. November beginnt und am Aschermittwoch endet. Die Gemeinschaft steht für den Präsidenten des Landesverbandes und seines Heimatvereins im Vordergrund. Das gemeinsame Feiern der Fastnacht macht den Brauch für ihn aus. Als Beispiel nennt er die Westricher Fastnacht, bei der eine ganze Region im Karnevalfieber ist. Aber auch in Städten und in Dörfern wird die Narrenzeit oft hochgehalten. Auch die Guggemusik mit ihren schräg-schrillen und dennoch mitreißenden Stücken ist Bestandteil der Fastnacht. Zwischen 40 und 50 Gruppen sind der Vereinigung angeschlossen. Der Goldene Löwe ist eine Auszeichnung des Landesverbandes für langjährige Narrenaktivität, die nach einem Punktesystem berechnet wird. Wird er mit Brillant verliehen, haben sich die Träger zusätzlich 22 Jahre lang um die Fastnacht verdient gemacht. Die Garden mit ihren Uniformen verballhornen das Militär. Mit ihnen engagieren sich die Vereine in der Jugendarbeit. Das Wort „Häs“ kommt aus der schwäbisch-allemannischen Fastnacht und beschreibt die oft gruselig-schaurigen Gesichtsmasken mit komplettem Kostüm. Die Inthronisation ist die Krönung der Narrenhoheit, die Einführung ins Amt. Denn was wäre eine Kampagne ohne Prinzessin, Prinz oder Dreigestirn? Jokus beschreibt das, worum es in der Fastnacht geht: Jux, Spaß, Streich und Schabernack werden während der tollen Tage getrieben. Das Wort geht auf den römischen Gott Jocus, den Gott des Scherzes, zurück. Die Kappe ist der Stolz des Narren. Sie zeigt die Zugehörigkeit zum Verein und seine Stellung an. Oft ist die des Präsidenten mit Pelz besetzt. Jede Menge Konfetti fliegt in der fünften Jahreszeit durch die Luft oder wird aus der Kanone geschossen. Mit ihr wird genauso wie mit den Uniformen und Garden das Militär persifliert. Lachen, Frohsinn und Heiterkeit sollen die tollen Tage bestimmen. Dafür legen sich die Aktiven mächtig ins Zeug. Sie wollen die Menschen aus ihrem Alltag herausreißen und ihnen frohe Stunden bereiten. Masken und Verkleidungen erlauben es, in andere Rollen zu schlüpfen. Da wird der Würdenträger zum Gefängnisinsassen und die Angestellte zur Piratenbraut. Mit einem Motto starten viele Vereine in die Kampagne. Der Narr hält sich und anderen den Spiegel vor und nicht selten so, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Mit Narrhalla wird das Narrenschiff, der Veranstaltungsort, bezeichnet. Orden sind Bestandteil der Fastnacht. Sie werden beim Ordensfest vom Verein als Anerkennung an die Aktiven verliehen und für jede Saison neu entworfen. Bei den Ramsteiner Bruchkatze ist es eine Gemeinschaftsarbeit, in anderen Vereinen lassen Einzelne ihrer Kreativität freien Lauf. Der Prolog oder das Protokoll sind ein wichtiger Bestandteil der Fastnacht. Bissig, kritisch und mit einigen Watschen für die Entscheider setzen sie sich mit dem Alltag und den Problemen der Bürger auseinander. Bei den Ramsteiner Bruchkatzen ist es Hofnarr Andreas Franz, der diese Rolle innehat. Auf ihn ist Lesmeister stolz, denn diese Figuren treten nach seiner Beobachtung zunehmend in den Hintergrund. In ihrer Proklamation stellt die närrische Hoheit ihre Forderungen an die Untertanen. In der Regel setzt sie sich aus elf Punkten zusammen. Für den Präsidenten gehört zur Fastnacht auch die Qualität der Beiträge. „Bei allem, was man auf die Bühne bringt, sollte man nicht zu sehr ins Seichte abdriften“, lautet sein Ratschlag an die Vereine. Raketen sind ein Stimmungsanzeiger. Ist ein Beitrag besonders gelungen, wird er mit dieser Form des Beifalls bedacht. Rucki Zucki heißt ein Stimmungshit, den fast jeder kennt und der zum Mitmachen animiert. Einige Vereine haben Symbolfiguren entwickelt, die die Narrengemeinschaft repräsentieren. Dazu gehören Pfalzgraf Johann Casimir des Karnevalvereines 1838 Kaiserslautern oder Graf Kuno vom Kraichgauland aus der Region Karlsruhe. Für Lesmeister ist es die schwarze Katze seines Heimatvereines. Wer die Schlüssel hat, hat das Sagen. Deswegen müssen die Verwaltungschefs um den 11. November oder nach Neujahr die Stadtschlüssel an die Karnevalisten übergeben. Mit Tradition hat die Fastnacht viel zu tun. Seit Jahrhunderten wird sie begangen und weil sie auf einen bestimmten Zeitraum festgelegt ist, lehnen es der Bund Deutscher Karneval und Lesmeister als Vertreter des Regionalverbandes ab, dass beispielsweise Fastnachtsprinzessinnen in ihren Kostümen außerhalb der fünften Jahreszeit an Umzügen teilnehmen. Umzüge sind Bestandteil der Straßenfastnacht. Dann gehen die Aktiven in ihren Uniformen hinaus zu den Menschen, um mit ihnen gemeinsam die tollen Tage zu feiern. Die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine hat rund 380 Mitgliedsvereine und ist der zweitgrößte Landesverband im Bund Deutscher Karneval. Ihre Aufgabe ist laut Satzung die Pflege des Brauchtums. Auch richtet sie Turniere und überregionale Meisterschaften im karnevalistischen Tanzsport aus und ist zuständig für Ehrungen. Das Zepter ist eine Insignie der Macht, entsprechend gehört sie in die Hand der Tollität. Bei den Ramsteiner Bruchkatzen passt es optisch zur Krone und zur Präsidentenkette, die seit Jahren weitergereicht werden. Der Zeremonienmeister trägt bei den Sitzungen Verantwortung für das, was hinter und auf der Bühne geschieht. Er eröffnet den Abend, indem er seinen Stab elfmal auf den Boden stößt.

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