Judo
Judomeister Motosuke besucht das Heinrich-Heine-Gymnasium
Judo hat in Kaiserslautern durchaus Tradition, ja doch, Ende der 1980er-Jahre kam der deutsche Judo-Mannschaftsmeister tatsächlich aus Kaiserslautern. Es war der 1. Judoclub Kaiserslautern, der damals gut 450 Mitglieder stark war und in der 1. Judo-Bundesliga mitmischte. Vergangenheit. Den Verein gibt es noch, aber ohne Judo. Der Sport wird dafür umso intensiver im Judosportverein Kaiserslautern praktiziert und eben am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG), der Eliteschule des Sports. Spätere Weltmeister und Olympioniken gingen hier zur Schule.
Trotzdem alles kein Vergleich mit der Judoschule Kodokan in Tokio, an der Hagino Motosuke, Träger des 8. Dan, lehrt. Allein im dortigen Hauptdojo liegen weit über 400 Matten, und es gibt nicht nur das eine, sondern gleich noch fünf weitere Dojos.
70 Judokas wollen mit Hagino Motosuke trainieren
Am HHG gibt es ein recht kleines Dojo, das beim Besuch des weltweit geachteten Judomeisters Sensei Hagino Motosuke nicht eine einzige Matte aufweisen konnte. Die hatten die Judokas voller Vorfreude auf eine Trainingseinheit mit dem Sensei in die große Sporthalle geschleppt und viele weitere Matten angefügt. Gut 70 Judokas vieler Alters- und Gürtelstufen standen bereit, wollten unter Motosuke trainieren, der zum wiederholten Male in der Westpfalz war und dabei zum zweiten Mal als Judolehrer im Dojo am HHG stand. Er kam auf seiner Tour aus Neapel, wollte nach Kaiserslautern und auch in Kusel, genauer bei der Judoabteilung des FC Pfeffelbach, vorbeischauen und dann wieder heim nach Tokio fliegen.
„Nein, Judo werde in Japan nicht anders trainiert als in Kaiserslautern“, ist von Hagino Motosuke zu erfahren. Nur, die Judogrundlagen, die Genauigkeit des Stehens, Greifens, der Ausführungen und vor allem die Judowerte, die seien nicht überall so, wie sie dem Ursprung des Judos entsprechen. Genau deshalb bereist der Sensei im Auftrag des Kodokan die Welt.
Randnotiz, der Judomeister lehrt seit 38 Jahren am Kodokan, wird im Oktober 70 und hat sich im vorigen Jahr der hohen, auch körperlichen Anstrengung unterzogen, die Prüfung zum 8. Dan abzulegen. Das hat er einer Verleihung vorgezogen und sich damit weiteren Respekt in der weltweiten Judogemeinde erworben.
Kodokan: ein Ort, um den Weg zu lehren
Die Schule, deren Name Ko-do-kan übersetzt so viel heißt wie „ein Ort, um den Weg zu lehren“, gilt als die Geburtsstätte des Judo und geht auf Kano Jigoro Shihan zurück. Er steht für die Anfänge der Sportart Judo, die für ihn die „maximal effiziente Nutzung körperlicher und geistiger Energie“ darstellte. 1882 gründete er die Judoschule Kodokan im Tokioter Stadtteil Bunkyo. Und genau hier gibt es eine weitere Verbindung zu Kaiserslautern. Bunkyo-ku unterhält mit Kaiserslautern eine Partnerschaft, die 2013 den Austausch auch im Bereich des Judos aufnahm. Von Anfang an mit dabei die Pianistin Sachiko Furuhata aus Tokio, die Konzerte in vielen großen Häusern der Welt gibt und seit Jahren Kaiserslautern ihr Zuhause nennt. Sie verbindet sprachlich und in freundschaftlicher Verbundenheit mit Motosuke die Judokas aus beiden Ländern, ohne selbst den Sport zu kennen, wie sie lachend gesteht. Kein Problem, Judokas verstehen sich ohnehin. Beim Training auf der HHG- Matte stehen schließlich neben Sensei Hagino Motosuke unter anderem auch die Judomeister und Trainer Uli Scherbaum, Stephan Hahn, Aydin Kempirbaev, Sergio Oliveira genauso wie Andreas Kolbig, der Präsident des Pfälzischen Judoverbandes.
Die Grundlagen des Judo
Die hörten sich wie all die Judoschüler aus der ganzen Pfalz und dem Saarland sehr genau an, was Sachiko Furuhata übersetzte, ließen dabei keines der noch so kleinsten Details bei den praktischen Ausführungen des Senseis aus den Augen. Grundlagen sind wichtig, hatte der große Mann des Judos schließlich gesagt. „Es geht beim gemeinsamen Judotraining auch darum, den Partner zu verbessern, dann werde auch ich besser und am Ende wird die Gemeinschaft als solche besser“, fasste Stephan Hahn zusammen, worum es bei Judo eben auch geht.
Sensei Hagino Motosukes letzte große Tour
Ob der große Sensei Hagino Motosuke noch ein weiteres Mal in die Westpfalz kommen wird, ist fraglich. Motosuke, der im Berufsalltag in Tokio unter anderem als Sportlehrer an der Dokkyo Junior & Senior High School tätig war und der seine Reisen im Auftrag des Kodokan weitgehend aus eigener Tasche bestritt, ließ anklingen, dass es sich um eine letzte große Tour durch die Judohallen außerhalb Japans handele. Aber die Türen des Kodokan stehen in Japan offen. So hatte etwa der JSV Kaiserslautern bereits im Jahr 2015 den Sensei an seiner sportlichen Wirkungsstätte in Japan besucht, um zu verinnerlichen, was laut Motosuke wirklich hinter Judo steckt: Disziplin, Körper- und Selbstbeherrschung, der sanfte Weg, Siegen durch Nachgeben, vor allem aber Höflichkeit und Respekt.