Leichtathletik
Joyce Hüber auf Marathon-Rekordjagd
„Joyce Städtetrip“ nennt sich ein Projekt der Extremsportlerin Joyce Hübner, das sich im ersten Moment nach einem Kurzurlaub in Deutschland anhört, bei dem die Metropolen abgeklappert werden. Dahinter steckt jedoch weit mehr: Die Berlinerin startet einen Marathon-Weltrekordversuch.
Die 37-jährige Joyce Hübner, die auch Buchautorin ist, läuft seit dem 11. Juni 2025 – mit dem Start in Helmstedt – jeden Tag einen Marathon. 495 Tage mit 495 Marathons, 21.312 Kilometer am Stück mit etwa 200.000 Höhenmetern hat sie sich zum Ziel gesetzt. Seit dem 1. April lief die Berlinerin auch in der Westpfalz. Denn Ziel ist es, durch alle 2059 Städte Deutschlands zu rennen.
Quer durch Deutschland
Mitläufer sind ebenfalls erlaubt. Einsteigen kann jeder am Start, aber auch gerne unterwegs und wird dann für die Statistik von Hübner per QR-Code registriert. Ein Teilnehmerarmbad erhält jeder Mitläufer. Mehr als 3500 Personen sind bereits bei den bisherigen Läufen quer durch Deutschland an der Seite von Hübner gelaufen.
Viermal war auch Jonas Hoffmann von der Running-Abteilung des 1. FC Kaiserslautern mit dabei; er begleitete Hübner bei Marathon 305, 306, 307 und 308. Das allein ist bereits eine Mammutleistung, jedoch ein Klacks gegenüber den 495 Marathons, die Hübner in 495 Tagen laufen will. „Es ist ein lockererer und entspannter langer Lauf mit ganz viel Zeit, sich mit ganz vielen unterschiedlichen Läufern zu unterhalten“, beschreibt Hoffmann, der den Citylauf in Kaiserslautern und den Treppenlauf Stairway to Devil am Fuße des Betzenbergs federführend organisiert. „Man hört ganz viel Geschichten über das Laufen, aber auch über alles Mögliche andere. Das Projekt ist echt spannend, da steckt so viel mentale Energie dahinter. Das finde ich faszinierend“, sagt Hoffmann, der in jüngster Vergangenheit vielfältig an Marathon- und Ultralaufveranstaltungen teilnahm.
Verpflegung aus dem Kofferraum
Über Sembach und vorbei am Eselsbachtal streifte Hübner mit ihrer Lauftruppe knapp das Gartenschaugelände bei Etappe 305, die von Marnheim in die Barbarossastadt führte. Weiter ging es einen Tag später von Kaiserslautern aus bis nach Fehrbach. Mehr als fünf Stunden ist der Läufertross dabei täglich unterwegs. Zirka nach acht bis zehn Kilometern steht jeweils eine Pause an, in der sich Hübner kurz verpflegt, meistens mit Nahrung in Form von Gels und kurz etwas trinkt. Dabei ist dann auch ihr Partner, der sie begleitet und mit dem Auto an den jeweilig zuvor festgelegten Verpflegungspunkten wartet. Hübner nennt ihren Partner „Praktikant Sven“, der dann eifrig um sich herum die Läufer registriert, aber auch aus dem „Kofferraum heraus“ die Läufer verpflegt.
Auch bei widrigsten Wetterbedingungen
„In diesem Projekt werde ich nicht nur meine physischen und mentalen Grenzen ausloten, sondern auch dich einladen, mich auf meiner Reise zu begleiten“, schreibt Hübner, die am 7. April beim Marathon 311 von Kübelberg nach Horschbach ihren 38. Geburtstag feiert, auf ihrer Homepage. An eben diese Grenze kam auch Hoffmann, allerdings mehr körperlicher Art. „Morgens um 2 Uhr dachte ich nicht, dass ich laufen kann. Um sechs Uhr ging es dann wieder“, sagt der FCK-Läufer, der mit einem Verpflegungsrucksack auf dem Rücken ausgestattet war und öfter mit der Berlinerin Hübner ins Gespräch kam. Dennoch ging er auch bei der 307. Etappe, also dem dritten Marathon in Folge in drei Tagen an den Start. „Man fragt sich schon, wie viele Male man das selbst nacheinander tun könnte. Aber die Antwort bleibt einigermaßen offen. Denn neben der körperlichen Komponente ist aus meiner Sicht die mentale Härte das größere Thema“, meint Hoffmann, der auch darauf verweist, dass Hübner selbst auch bei widrigsten Wetterbedingungen läuft.
Mit etwas mehr als sechs Stundenkilometern im Schnitt läuft Hübner die Strecke, streut dabei immer wieder Laufpausen ein, um den Puls weit unten zu halten, damit die Belastung nicht zu hoch wird. Für Hoffmann selbst war dann nach Tag vier Schluss. „Ich habe eher logistische Probleme bei den nächsten Etappen, da komme ich wegen der Sperrung der Bahnstrecke nicht mehr so einfach heim“, nennt er einen überraschenden Grund, weshalb er nicht noch den fünften Marathon am fünften Tag dranhängt.