Kaiserslautern
„Jazzfreunde lieben die Vielseitigkeit“
Das 24. Kammgarn Jazzfestival war nach Meinung der meisten Besucher das beste der vergangenen Jahre – oder vielleicht sogar das beste überhaupt. Spitzenmusiker aus Schweden, Frankreich, Israel und Deutschland demonstrierten, wie breit gefächert der moderne Jazz ist, setzten deutliche Akzente und lösten Begeisterungsstürme aus. Kammgarn-Chef Richard Müller bilanziert im Interview mit Walter Falk das dreitägige Festival.
Herr Müller, Ihr erster Eindruck des Festivals?
Superlative liegen mir, eigentlich, nicht: immer besser, größer, erfolgreicher! Aber unser 24. Kammgarn International Jazzfestival war, in vielerlei Hinsicht, bemerkenswert: sehr gute Besucher-Resonanz, hohe Qualität und Neuentdeckungen, die auf direktem Weg nach oben sind oder sich dort bereits befinden, wie etwa 4 Wheel Drive. Ein Festival soll ja unterschiedliche Strömungen eines Genres – hier: des Jazz – aufzeigen. Und es soll der nachwachsenden Generation offenstehen - wie zum Beispiel Shalosh aus Israel. Ich bin zufrieden und unser Publikum auch, denke ich.
Wie sieht die finanzielle Seite aus?
Finanziell haben wir eine hundertprozentige Deckung erreicht – dank unseren Partnern, dem Kultusministerium Rheinland-Pfalz und der Stadtsparkasse Kaiserslautern. Um es deutlich zu sagen: Ohne diese langjährige Partnerschaft gäbe es kein Festival – deshalb nochmals unser Dank für diese Unterstützung.
Wie wird ein solches Festival geplant?
Die Programmplanung erstreckt sich über das ganze Jahr. Dabei ergeben sich Veranstaltungen, die gesetzt werden: Wenn eine Weltklasse-Formation wie 4 Wheel Drive zusagt, ist der Termin gesetzt. Und der Abend der Stadtsparkasse ist, seit 19 Jahren, Tradition. Hier erwarten wir immer ein Publikum, das offen ist für innovative Jazzkonzerte. In diesem Jahr hatten wir mit Vincent Peirani einen französischen Akkordeon-Spieler, der in Frankreich schon Kultstatus besitzt. Jazz aus dem Norden pflegen wir ja seit Jahrzehnten. Und der Jazz der 20er Jahre war Programm des Moka Efti Orchestra, der original Big Band aus dem Film Babylon Berlin. Zugegeben, das war ein harter Cut zum anschließenden Konzert des Emil Brandqvist Trios, aber Jazzfreunde sind tolerant und lieben die Vielseitigkeit.
Wie steht die Kammgarn als Festival-Veranstalter da?
Unser Haus wird von den nationalen und internationalen Künstlern sehr geschätzt. Unsere Technik ist state of the art, und unser Team besteht durchweg aus extrem motivierten und hoch professionell arbeitenden Menschen, die mit Herzblut bei der Sache sind. Auch ihnen ein riesengrosses Dankeschön! Die Künstler lieben und loben die Atmosphäre in der denkmalgeschützten Kammgarn sehr. Unser Kasino und der Kammgarn Cotton Club sind ideale Konzerträume. Die Stadt und die Region können sich glücklich schätzen, ein solches Haus zu haben – das darf man ruhig mal erwähnen. Die Politik, die uns trägt und unterstützt; die Sponsoren, die unsere Partner sind; das Publikum, das zuhauf unsere Veranstaltungen besucht und die Künstler, die die Kammgarn lieben – all das ist so selbstverständlich nicht.
Irgendeine kleine Besonderheit am Rande?
Solch ein internationales Festival ist natürlich auch ein Treffen von Musikern. So gab es zum Beispiel auf einem Bahnsteig unseres Hauptbahnhofs am Freitag ein großes Hallo zwischen den Künstlern von 4 Wheel Drive, die mit dem TGV abfuhren, und den Musikern des Vincent Peirani Quintet, die mit demselben ankamen. Der Zug ist dann verspätet abgefahren.
Ihr Fazit zum diesjährigen Festival?
Hat gepasst!