Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jazzfestival im Kulturzentrum Kammgarn bringt Stars auf die Bühne

Internationale Combo: das Tingvall Trio, am 7. April in der Kammgarn. Steven Haberland
Internationale Combo: das Tingvall Trio, am 7. April in der Kammgarn. Steven Haberland

Acht internationale Jazzgrößen geben sich ab 7. April beim Jazzfestival in Kaiserslauterns Kulturzentrum Kammgarn die Klinke in die Hand. Stars wie der israelische Bassist Avishai Cohen oder der schwedische Pianist Martin Tingvall mit seinem Trio haben sich angesagt. Doch auch nationale und regionale Spitzenkünstler treten in den drei Spielstätten des Festivals an.

Ein neues Raumkonzept hat Kammgarn-Chef Richard Müller, „Erfinder“ und Impresario des pfälzischen Traditionsfestivals, für diese 27. Ausgabe erdacht: So teilt sich das Publikum nach einem gemeinsamen Hauptkonzert im Kasino auf den Cotton Club und die neue zweite Nebenspielstätte in der Schreinerei auf. „Im Kasino finden 450 Zuschauer Platz, die können wir danach ja nicht alle im Cotton Club unterbringen. Daher bieten wir dann im Club etwas heftigeren Jazz und parallel dazu in der Schreinerei eher ruhigeren Kammerjazz. Wir hoffen, dass wir damit Gedränge im Cotton Club vermeiden“, so Müller. Was die Hygieneregeln betrifft, so findet das Festival unter der 3G-Vorgabe statt; bei bestuhlten Konzerten entfällt die Maskenpflicht, bei Stehveranstaltungen dagegen gilt sie weiterhin.

Da das Tourneegeschäft noch immer darniederliegt, musste Müller die meisten Künstler des Festivals für Einzelkonzerte einkaufen, was das Publikum in den Genuss exklusiver Auftritte bringt. Dabei fällt eine Dominanz des Genres Klaviertrio ins Auge: Gleich vier davon treten an, drei „klassische“ und eins, das den Bass durch ein Saxofon ersetzt. Doch der Reihe nach.

Startschuss mit Jazzlegende

Eine deutsche Jazzlegende eröffnet das Festival am 7. April: Gitarrist Sigi Schwab kommt mit seiner Camerata Bavarese ins Kasino. Das Kaiserslauterer Publikum konnte sich zuletzt 2008 in der Kammgarn von den Qualitäten des inzwischen 81-jährigen, gebürtigen Ludwigshafeners überzeugen. Der seit vielen Jahren in München lebende Schwab bringt diesmal mit der Camerata Bavarese Klaus Hampl an der Klarinette und eine Rhythmusgruppe mit. Seit 2015 verwendet Schwab mit dieser Formation Harmoniemodelle aus der Renaissance und dem Barock als Grundlage für die Improvisationen.

Der erste Abend, der komplett im Kasino stattfindet, bringt im Anschluss eines der angesagten Klaviertrios unserer Tage: Das international besetzte Tingvall-Trio mit dem schwedischen Pianisten Martin Tingvall, dem kubanischen Kontrabassisten Omar Rodriguez Calvo und dem deutschen Schlagzeuger Jürgen Spiegel beeindruckte mit seinem feinsinnigen Spiel, das sich zu kraftvollen Klanggebirgen auftürmen kann, in Kaiserslautern zuletzt 2016.

Wilde Klänge am zweiten Tag

Den zweiten Festivaltag (8. April) eröffnen im Kasino die wilden Österreicher von Shake Stew: 2016 gründete Lukas Kranzelbinder das Ensemble mit einer aussagekräftigen Instrumentierung – ein Trompeter, zwei Saxofonisten, zwei Bassisten und zwei Schlagzeuger bilden das außergewöhnliche Septett. Schalldruck und Rhythmus satt dürften also zu erwarten sein.

Danach präsentiert sich die Region in der Kammgarn-Schreinerei: Der in Tschechien geborene und in Homburg lebende Gitarrist Sammy Vomacka spielt mit seinem Trio Jazz mit deutlichem Ragtime- und Blueseinfluss. Parallel tritt im Cotton Club das englische Klaviertrio Mammal Hands an – eben jenes Trio, das den Bass durch ein Saxofon ersetzt. Die Gruppe integriert verschiedene Einflüsse in ihr Spiel von spirituellem Jazz über indische Musik bis zu Folk und Klassik.

Weltklasse am dritten Tag

Den dritten Festivaltag (9. April) eröffnet passenderweise das dritte Klaviertrio des Festivals: Die Formation des israelischen Weltklassebassisten Avishai Cohen mixt zeitgenössischen Jazz mit Musiktraditionen des Nahen Ostens – eine hypnotische Mischung. Nach diesem Konzert im Kasino geht es in der Schreinerei mit Klaviertrio Nummer vier weiter, nämlich dem des Norwegers Helge Lien. Dabei ist – wie bei Martin Tingvall am Eröffnungstag – nordische Klangmagie angesagt. Wer’s zum Festivalfinale „heftiger“ will, ist mit der bis zu 20-köpfigen Jazzrausch Bigband aus München, die zeitgleich im Cotton Club auftritt, gut bedient. Sie verbindet akustischen Techno mit House, Hip-Hop und Soul und konnte sich mit dieser seltenen Mischung sogar als Hausband in einem Techno-Club (Harry Klein, München) etablieren.

Eine Begleitausstellung mit den Schwarzweiß-Jazzfotos des renommierten Fotografen Heinz-Jürgen Rippert wird am 7. April, 18 Uhr, in der Schreinerei der Kammgarn eröffnet.

Info

7. April: Sigi Schwab (Kasino, 19.30 Uhr), Tingvall Trio (21 Uhr, Kasino). 8. April: Shake Stew (20 Uhr, Kasino), Sammy Vomacka Trio (21.45 Uhr, Schreinerei) , Mammal Hands (21.45 Uhr, Cotton Club). 9. April: Avishai Cohen (20 Uhr, Kasino), Helge Lien Trio (21.45 Uhr, Schreinerei) und Jazzrausch Bigband (21.45 Uhr, Cotton Club). Karten und Infos gibt’s auf der Kammgarn-Homepage www.kammgarn.de und an den bekannten Vorverkaufsstellen.

Spitzenjazzer aus Israel: Avishai Cohen, zum Festivalfinale in Kaiserslautern.
Spitzenjazzer aus Israel: Avishai Cohen, zum Festivalfinale in Kaiserslautern.
Vertritt die Region beim Festival: Sammy Vomacka am 8. April.
Vertritt die Region beim Festival: Sammy Vomacka am 8. April.
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