Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jan Garbarek Group mit fulminantem Startschuss zum Jazzfestival

Exklusiv für den Jazzfestivalauftakt eingeflogen: Die Jan Garbarek Group begeistert in bester Spiellaune ihr rund 700-köpfiges P
Exklusiv für den Jazzfestivalauftakt eingeflogen: Die Jan Garbarek Group begeistert in bester Spiellaune ihr rund 700-köpfiges Publikum.

Was für ein Auftakt! Jan Garbarek und seine Group eröffneten das Kammgarn-Jazzfestival im Pfalztheater mit einem furiosen Auftritt.

229 Jahre stehen da im Trio auf der Bühne: Jan Garbarek ist 79 Jahre alt, Pianist Rainer Brüninghaus 76, Schlagwerker Trilok Gurtu 74. Nur der Benjamin der Truppe, Bassist Yuri Daniel, „verdirbt“ mit seinem Jahrgang 1966 den Schnitt und enthebt die Jan Garbarek Group des Status’ einer veritablen Rentnerband. Doch wenn das Quartett erst einmal loslegt, ist Alter eh kein Thema mehr. Die Vier drehten am Mittwochabend zur Eröffnung des 31. Kammgarn International Jazzfestivals im Pfalztheater mächtig auf. Weitaus mächtiger noch als bei ihrem vorherigen Gastspiel 2018 in der Barbarossastadt.

Einem großen Publikum bekannt wurde der norwegische Saxophonist in den 80er und 90er Jahren. Seine kühlen Klangepen, publiziert (bis heute) bei Manfred Eichers Münchner Edel-Label ECM, atmeten den Geist seiner nordischen Heimat und verschmolzen Jazz mit Folklore. Mit dabei schon damals Tastenmann Brüninghaus, am Bass der Ausnahmemusiker Eberhard Weber. In der epochalen Produktion „I Took Up The Runes“ von 1990 etwa vereinen sich skandinavischer Tonfall und nordische Jazzwelten zum ruhig fließenden, mitunter meditativen Klangstrom. Stromschnellen selbstverständlich inklusive. Noch beim erwähnten, vormaligen Auftritt in Kaiserslautern, Ende November 2018 im Kulturzentrum Kammgarn, hatte Garbarek vor allem mit diesen großen Hymnen des hohen Nordens sein Publikum in den Bann geschlagen.

Eine Klasse für sich

Nun, acht Jahre später, sind Garbarek und seine Mitstreiter einen erheblichen Schritt weiter. Zunächst einmal treten sie mit einem Mutwillen an, dessen Energiepotenzial beachtlich ist. Vor diesem Hintergrund lösen sie die Harmonie des einstigen Wirkens mit Leidenschaft auf. Gebrochen wird der frühere Wohlklang, an die Stelle des Erwartbaren tritt die Überraschung. Harmoniefremde Töne und Wendungen fordern den Hörer über weite Strecken des gut eindreiviertelstündigen Konzertes (ohne Pause).

Daneben ist das Tempo erstaunlich, das die Group an diesem Abend vorlegt. Selten sind die Momente der Entspannung, selbst die weiten solistischen Strecken, die jeder der Vier ausreizt, wirken überaus energetisch. Etwa wenn der Frontmann seine weit ausschwingenden Linien auf dem Sopran- und ferner dem Tenorsaxophon in extreme Höhen treibt oder Yuri Daniel seinen bundlosen Tieftöner akkordisch beackert und knallen lässt wie einen Funk-Bass. Oder wenn Rainer Brüninghaus einen groovenden Ragtime in Clusterwolken überführt und die Klangballungen dann wieder im Nichts auflöst. Und Trilok Gurtu ist sowieso eine Klasse für sich.

Humor mit stoischer Miene

Wie ein Irrwisch rotiert der Inder hinter seiner Percussionburg und benutzt auch abstrusteste Klangerzeuger wie einen gefüllten Wassereimer, in den er auch mal seine Gongs taucht, virtuos als Instrument. In einer „Battle“ mit Garbarek schaukeln sich die beiden zu einem solchen Klangexzess hoch, dass dem Schlagwerker glatt zwei seiner Becken wegfliegen. Und doch sind auch die heftigsten Ausbrüche stets gekennzeichnet von höchster Präzision im Zusammenspiel, was das außergewöhnliche Niveau der hochkomplexen Arrangements beweist.

Am Ende präsentieren sich Garbarek und seine Group so spielfreudig wie selten. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, etwa wenn das Quartett Latin-Rhythmen einwebt oder überraschende Breaks einstreut. Wobei nur Daniel und der heftig grimassierende Gurtu sich den Spaß auch anmerken lassen, Brüninghaus und Garbarek agieren dagegen mit stoischem Understatement. Und zum guten Schluss, in der Zugabe, finden sie dann sogar noch zum ruhigen Wohlklang der Vergangenheit zurück. Man darf gespannt sein, wohin die Reise der musikalischen Mannschaft noch geht.

Das Festival

Heute, Freitag, 10. April, gibt es beim Festival drei Konzerte: Um 20 Uhr spielen Michael Wollny und Emile Parisien im Kasino, es folgen um 22 Uhr parallel Mammal Hands im Cotton Club und die JA!ZZevau Session Band in der Schreinerei. Karten für Kurzentschlossene unter www.kammgarn.de und an der Abendkasse.

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