Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Walzer stellt sein „Dispyria“-Projekt in der Kammgarn vor

Große Show, tolles Konzert: „Dispyria“ im Kammgarn-Kasino.
Große Show, tolles Konzert: »Dispyria« im Kammgarn-Kasino.

War es ein Konzert? Oder eher eine „tolle Show“? Nein, keins von beiden allein. Sondern beides zusammen plus noch eine ganze Menge mehr. Was als „Dispyria-Timelines“ im Kasino der Kammgarn über die Bühne ging, war ein gelungenes, dicht gepacktes Rockoper-Multimedia-Spektakel voller Musik, Bewegung und Licht, mit eindrücklichen Bildern und markanten Worten. Langeweile? Fehlanzeige!

„Dispyria“: Das ist die vielschichtige, fantasie- und „fantasy“-volle Geschichte um Josh Devon und seinen Kämpfen mit inneren Geistern, manifestiert in der Gestalt der dämonischen Aelyrea. Umgesetzt als Rockoper, erschien vor knapp zehn Jahren zunächst der erste „Dispyria“-Part „A Dream Therapy“, 2019 dann „The Journey To Aelyrea“. Zwei abschließende weitere Teile sind geplant. Einzelne Titel aus dem bisherigen Werk sind zwar schon live aufgeführt worden, aber bislang noch nie (fast) alle Songs zusammen am Stück. Das war erst jetzt mit „Dispyria – Timelines“ der Fall.

Erst jetzt dürfte dadurch so manchem klar geworden sein, welche enorme Kraft und welch innerer Zusammenhalt sowohl in der Geschichte als auch in der abwechslungsreichen Musik steckt. Vom Opener „My Hell“ aus dem ersten Album bis zu „Abyss“, dem letzten Titel der ersten Fortsetzung, reichte das bis dahin schon schlüssige Programm des Abends. Dazwischen erklangen entsprechend zur jeweils passenden Stimmung unter anderem das trotzig-rasende „Here I Am“, das nicht zufällig rhythmisch gespannte „Ain’t Gonna Stand In Line“ (im Sinne von „gegen den Strom schwimmen“) und das hoch emotionale „Tears Of An Angel“. Da passte alles wie in einem Puzzle sauber zusammen.

Eine kompetente Truppe

Und ganz gleich, welche emotional, spieltechnisch oder textlich schwierige Facette da nun aufleuchtete – die fähigen „Dispyrians“ um „Macher“ Jürgen Walzer (Gitarre/Gesang) meisterten sie in der Kammgarn allesamt souverän: Stephan Hugo, Daniel Ott, Sabrina Roth und Manuel Lothschütz (die beiden letzteren bei „The Flame“ sogar noch ausdrucksstärker als im Video zum Song) bildeten eine wuchtig-präsente Vokalisten-Reihe, dahinter positionierten sich stützend und treibend Gitarrist Patrick André, Bassist Sven Sommer, Keyboarder Michael Weickenmeier und Schlagzeuger Nils Sievers. Eine ziemlich kompetente Truppe, die allenthalben für eine gute Atmosphäre sorgte.

Kein Wunder, dass das begeisterte Publikum, darunter viele Musiker aus der regionalen Szene, von Anfang an mitging. Nur ein einziges Mal wurde es still im Kasino, als nämlich der (lange vor der Pandemie geschriebene) Titel „Virus“ unbeabsichtigt einen bitteren Realitätsbezug herstellte.

Ununterbrochene Hochstimmung

Ansonsten indes: ununterbrochene Hochstimmung. Zeit zum Atemholen blieb da auf beiden Seiten der Bühne kaum. Neben der reinen Musik mit ihren komplexen Rhythmen, epischen Melodiebögen und präzisen mehrstimmigen Gesangs-Phasen gab es in der programmatischen Metal-Opera hier und da aufhorchen lassende akustische Tupfer wie etwa orientalische Klänge und militärisch anmutender Trommel-Sound, ein lyrisches Querflöten-Solo von Sabrina Roth und zwischen alledem immer mal wieder diverse Geräusche zwischen dumpfen Glockenschlägen, heftigem Regenprasseln, schwerem Atmen und gruseligem Gelächter. Unterhaltsam bis ins Detail eben.

Mit am aktivsten war an diesem Abend Daniel Ott, der trotz Erkältung seinen Part sowohl als Sänger als auch als Kommentator souverän meisterte. Zu den titelgenau eingeblendeten Zeichnungen des Künstlers Timo Würz verlas er zur Erläuterung des Geschehens selbst geschriebene Texte in Reimform. Es endete fast so, wie es begonnen hatte: mit dem Song „The Blue Mirror“ aus dem kommenden dritten „Dispyria“-Album „The Story Of Marion Dust“. Anfangs in Form des exklusiv gezeigtem Videoclips von Christian Esche, nun noch einmal live mit allen Mitwirkenden. Ein schöner Erfolg für die „Dispyrians“ und besonders für den Ideengeber, Gitarristen, Sänger und Komponisten Jürgen Walzer. Bleibt die Frage, ob man das Ganze nicht vielleicht einmal als Musical umsetzen könnte. Das Potenzial dazu ist da. Schließlich war das da am Freitagabend schon mal deutlich mehr als „nur“ ein Konzert...

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