Der Lautrer Wochenmarkt RHEINPFALZ Plus Artikel Jürgen Müller bringt Obst und Gemüse aus der Südpfalz nach Lautern

An seinem Obst- und Gemüsestand zeigt Jürgen Müller seine Tomaten aus eigenem Anbau.
An seinem Obst- und Gemüsestand zeigt Jürgen Müller seine Tomaten aus eigenem Anbau.

Vor dem Stand von Jürgen Müller auf dem Stiftsplatz haben sich zwei Schlangen gebildet. Mit Blick auf Tomaten unterschiedlicher Größe warten Käufer, bis sie an der Reihe sind. An der anderen Seite des Eckstandes gedulden sich Freunde des Lauterer Wochenmarktes und erfreuen sich beim Anblick knackiger und zarter Salatsorten.

Unter dem Zeichen von Corona verlangt der Einkauf auf dem Wochenmarkt Gelassenheit und Disziplin. Die Junisonne macht Lust auf frisches Gemüse, auf Kräuter und Allerlei aus dem Garten. Davon hat Jürgen Müller eine große Auswahl aus seinem Gartenbaubetrieb in Hochstadt in der Südpfalz mitgebracht.

Bataviasalat und Eichblattsalat, Kopfsalat und Lollo rosso befinden sich in den Auslagen. Gezackter Rucola und knackige Radieschen, tiefgrüner Brokkoli und weiße Fenchelfrüchte mit zartem Grün, Bündel mit Lauchzwiebeln und frischem Basilikum fallen ins Auge. Kisten mit Schlangengurken und Salatgurken ergänzen die Auswahl. Auf Paprika, auf Müllers farben- und formenfreudige Nachtschattengewächse, müssen sich die Kunden noch etwas gedulden: „Die werden in den nächsten Tagen so weit sein.“

In den Sommermonaten stammt das Angebot von Jürgen Müller fast zu 100 Prozent aus eigenem und biologischen Anbau. So wundert es nicht, dass die Ware bei Käufern sehr gefragt ist. Der Marktbeschicker ist ein Spezialist in Sachen Fruchtgemüse, Gemüsepflanzen, deren oberirdisch wachsende Früchte essbar sind. Dazu zählen auch Auberginen, Kürbisse und Hülsenfrüchte.

Jürgen Müller ist gelernter Gärtner und hat an der Technischen Universität München Gartenbau studiert. Eine Krankheit seines Vaters hinderte den Diplomagraringenieur daran, seine begonnene Dissertation über Tropfenbewässerung zu beenden. „Ich wurde im elterlichen Betrieb gebraucht.“

1993 den Stand von den Eltern übernommen

Seine Eltern Gisela und Theo waren es, die seit Ende der 60er Jahre mit Obst und Gemüse den Kaiserslauterer Wochenmarkt für sich entdeckten. Seit 1993 hat Jürgen Müller den Stand übernommen. Warum sein Fruchtgemüse unter den Kunden in der Stadt so gefragt ist? „Ich baue mein Gemüse in unbeheizten Folientunnels an. Von Frühjahr bis Sommer sind es Tomaten und über 40 Sorten Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen, Melonen und Stangenbohnen.“

Die Bewirtschaftung von zwölf Folientunnels auf einem halben Hektar Land sei sehr arbeitsintensiv und dafür ertragssicher, weiß er seine Früchte besser als im Freiland vor Hagelschauern geschützt. Jürgen Müller arbeitet ohne chemischen Pflanzenschutz und mit Tropfenbewässerung. Bei der Methode werde nur der Boden befeuchtet. „Pilzkrankheiten haben so gut wie keine Chance.“ Kopfsalat und Feldsalat, Rucola und Asia-Salat baut er an. Asia-Salat sei ein Wintersalat, der in den vergangenen Jahren wegen seines kräftigen Geschmacks zunehmend gefragt sei.

Seine Kunden wissen die Eigenerzeugnisse zu schätzen und zahlen für den Mehraufwand an Produktionskosten gerne ein paar Cent mehr für die Ware. Wenn Jürgen Müller Äpfel, Spargel und Erdbeeren zukaufen muss, dann nicht auf dem Großmarkt, sondern im Umkreis von wenigen Kilometern bei Freunden. Einige Hektar Ackerland hat er an seinen Cousin Günter Voltz zum Anbau von Weizen, Zuckerrüben und Mais verpachtet. Dankbar ist Jürgen Müller, dass sein Cousin ihn samstags auf dem Wochenmarkt unterstützt.

„Krankheitsbedingt muss ich seit einigen Jahren kürzer treten“, verweist er auf Bandscheibenbeschwerden, die ihm die Arbeit erschweren. Je nach Jahreszeit hat er neben zwei fest angestellten Mitarbeitern bis zu sechs Minijobber hinter seinem zwölf Meter langen Eckstand beschäftigt.

Mit der Lauterer Kundschaft ist Jürgen Müller sehr zufrieden. „Ich habe Stammkunden und bin oft ausverkauft.“ Gleichwohl ist ihm nicht entgangen, dass mit dem Ausbau von Supermärkten weniger Leute auf den Markt kommen. „Die Supermärkte sind besser geworden und nicht jeder hat die Zeit, auf den Markt zu gehen.“ Gut für den Wochenmarkt wäre es, wenn es mehr Erzeuger auf den Stiftsplatz zöge. „Das ist das, was uns vom Supermarkt unterscheidet. Wir müssen darauf achten, dass der Wochenmarkt nicht zum Supermarkt gerät.“ Seine Entscheidung, den elterlichen Betrieb weiterzuführen, sich auf Fruchtgemüse zu spezialisieren und damit den Lauterer Wochenmarkt zu bereichern, hat Jürgen Müller bis heute nicht bereut.

Bereits in der Serie „Der Lauterer Wochenmarkt“ erschienen:

Der Kaiserslauterer Wochenmarkt ist eine Institution

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