Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Iraner in Kaiserslautern zur Lage im Heimatland: Hoffnungen liegen auf Trump und Pahlavi

Iraner protestieren vor dem US-Generalkonsulat in Frankfurt für ein Ende des Regimes in Teheran. Viele setzen auf den Schah-Sohn
Iraner protestieren vor dem US-Generalkonsulat in Frankfurt für ein Ende des Regimes in Teheran. Viele setzen auf den Schah-Sohn Reza Pahlavi.

Proteste gegen das Regime im Iran werden mit extremer Gewalt niedergeschlagen. Wie beurteilen Iraner in Kaiserslautern die Lage? Ihre Meinung ist erstaunlich einheitlich.

Schon viele Jahre lang lehnt sich das Volk im Iran gegen das totalitäre Regime auf. Seit Beginn dieses Jahres haben die Proteste einen neuen Höhepunkt erreicht – und vor allem die Gewalt, mit denen das Regime sie niederschlägt. Von bis zu 10.000 oder gar 20.000 Toten ist in westlichen Medien bereits die Rede. Für Exil-Iraner ist es nicht leicht, zu erfahren, wie es ihren Angehörigen und Freunde im Heimatland geht, da das Regime das Internet am 8. Januar fürs Volk komplett abgeschaltet hat. Seit einer guten Woche ist sehr begrenzt wieder Kontakt nach außen möglich.

„Vor ein paar Tagen konnte ich endlich meine Familie und ein paar Freunde erreichen“, berichtet Morteza M. der RHEINPFALZ. „Ein Freund wurde verhaftet – und niemand weiß, was mit ihm geschehen ist.“ Seine Schwester habe Angst, zur Arbeit zu gehen, denn niemand sei vor Verhaftung sicher. „Und sie können nicht so offen über die Situation sprechen“, denn auch die Telekommunikation werde abgehört.

Morteza M. ist als einziger seiner Familie vor sechs Jahren ins Ausland gegangen. Im Iran hat er seinen Bachelor gemacht, hat in Kaiserslautern als Bauingenieur angefangen zu arbeiten und macht nun seinen Master.

Da die Proteste im Iran mit so unglaublicher Gewalt niedergeschlagen werden, glaubt Morteza M. nicht daran, dass das Volk aus eigener Kraft das Regime überwinden kann. „Das ist überhaupt nicht zu schaffen. Alle warten auf einen Eingriff von außen.“ Eine Perspektive für einen friedlichen Regierungswechsel sehe er nicht.

Von Trump nicht überzeugt, aber „einziger Weg“

US-Präsident Donald Trump hatte mit eskalierender Gewalt davon gesprochen, im Iran militärisch einzugreifen. „Ich bin von Trumps Politik nicht überzeugt. Aber ich sehe es als einzigen Weg für den Iran, dass er einmarschiert“, meint Morteza M. „Sanktionen bringen nichts“, hätten die Erfahrung gezeigt. Denn schon seit über 25 Jahren lebten die Iraner mit Sanktionen. Auch mit Gesprächen oder Verhandlungen komme man nicht weiter. Europa sieht er als „völlig passiv“. Immerhin hat die EU die iranische Revolutionsgarde am Donnerstag als Terrororganisation eingestuft.

Dass es nach einem Einmarsch von US-Truppen zu einer ähnlichen Situation wie in Afghanistan kommen könne, befürchtet Morteza M. nicht. „Der Iran ist mit Afghanistan nicht zu vergleichen. Die Iraner sind nicht so religiös.“

Doch wie könnte nach einem Sturz des Oberhaupts Ali Chamenei und seinen Gefolgsleuten eine neue, stabile und vor allem demokratische Regierung entstehen? Wer kann das Volk dahin führen? „Reza Pahlavi!“, kommt es aus Morteza M. geschossen. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi lebt seit 48 Jahren im Exil, derzeit in den USA, hat sich jedoch immer wieder zur politischen Lage im Iran geäußert. Seit den jüngsten Protesten ist er vermehrt zu hören, er rief auch zu den Protesten auf. „Ich glaube, dass er uns für den Übergang hilft“, ist Morteza M. überzeugt. Er sei derzeit „die einzige Hoffnung“.

„Die westlichen Länder sollten Reza Pahlavi eine Chance geben“

Das glaubt auch Maryam A. Die Datenanalystin und KI-Forscherin, die 2017 zum Studium nach Kaiserslautern kam, sieht Pahlavi als geeignetste Führungsperson derzeit. „Er hat einen Plan für die Transformationsphase: Er will die Reform einleiten und dann das Volk eine Regierungsform wählen lassen.“ Die Iraner „wünschen sich, dass die westlichen Länder ihm eine Chance geben, ihm zuhören“.

Damit es dazu kommen kann, sieht auch sie als einzige Hoffnung derzeit Trump. Auch sie sei politisch nicht auf dessen Ebene, der Ruf nach ihm sei „irrwitzig – aber er ist ein Macher“, konstatiert sie. Europa hingegen tue nichts. Die Sanktionen hätten nur das Volk getroffen, aber das Regime verschont. „Die Abstände zwischen den Protesten werden immer kürzer, es gibt immer mehr Tote und Hinrichtungen. Lieber Trump einmarschieren lassen, als dass es so weitergeht“, ist sie überzeugt, dass das Mullah-Regime ohne Hilfe von außen nicht zu stürzen sei.

Kritik übt sie nicht nur an der europäischen Politik, sondern auch den Medien. „Es hat lange gedauert, bis in Deutschland über die Proteste berichtet wurde. Und dann werden sogenannte Experten eingeladen, die über den Iran sprechen: Doch diese sind vom Regime finanziert, haben mit dessen Unterstützung in Deutschland studiert“, sagt sie. Sie selbst habe die „Gehirnwäsche lange, bis ich 20 war, gar nicht bemerkt. Politik war Tabu für uns.“

„Das iranische Regime versteht nur die Sprache der Gewalt“

Ebenso wie Morteza M. und Maryam A. hat auch Matin Minouei, der vor fünf Jahren zum Studium nach Kaiserslautern kam, erst vor einigen Tagen wieder von seiner Schwester in Teheran und seinen Eltern gehört: „Sie haben Angst.“ In Anbetracht der vielen Toten sei der Iran „bereits in einer Kriegssituation“. Verhandlungen und Diplomatie reichten nicht, „das iranische Regime versteht diese Sprache nicht“. Deshalb sei Trump jetzt der Richtige, denn „er will gewinnen“.

Beim letzten großen Protest vor drei Jahren „hatte das iranische Volk noch keine starke Stimme, jetzt ist Reza Pahlavi die beste Opposition“. Die Verzehnfachung seiner Follower seitdem auf zehn Millionen sieht er als Zeichen für die wachsende Zustimmung. Vor allem die jungen Leute setzten auf ihn. Dass Pahlavi nicht hält, was er verspricht und selbst die Macht an sich reißen will, glaubt er weniger, denn „Betrug kann er sich heute nicht leisten“.

Zwar habe Matin Minoue auch Sorgen, was nach einem militärischen Eingriff der USA passieren könnte. „Das Regime könnte unsere Leute töten und die US für schuldig erklären. Aber wir haben keine Alternative, sind schon ,walking dead’.“ Bevor die Menschen zu den Protesten gingen, „schreiben sie bereits ihren letzten Willen auf“.

Anruf vom Regime an den Vater im Iran: Wir werden deine Tochter verhaften

Von viel Angst im Volk spricht auch der seit fünf Jahren in Kaiserslautern lebende Saeed Rezaee, der sich zuvor an Protesten im Iran beteiligt hat. „70 bis 80 Prozent meiner ehemaligen Mitschüler sind ausgewandert.“ Seine Freundin, die er hier kennengelernt hat, gehöre der schon lange verfolgten Glaubensgruppe der Baha’i an. „Ihr Vater hat gestern einen Anruf vom Regime bekommen: ,Wir wissen, was deine Tochter in Deutschland macht’, sagten sie und drohten, sie zu verhaften, wenn sie in den Iran kommt.“ Sicherheit gebe es im Iran nicht mehr, jeder könne einfach so verhaftet oder getötet werden.

Mit Blick auf die viele Jahre andauernden, in Wellen aufkommenden erfolglosen Proteste sieht auch er als einzige Lösung den Einmarsch der USA und Pahlavi als Übergangsführung. „Die einzige Sprache für Freiheit sind Waffen“, meint er. In Grenznähe würden sich schon Menschen bewaffnen. Und so sieht er die Gefahr einer Zersplitterung der Opposition in konkurrierende Gruppierungen.

„Das ist ein Massaker, ein Holocaust“

Zarah M. hat den Iran mit ihrem Mann schon Ende der 1970er verlassen. Was im Iran derzeit passiere, sei „ein Massaker“, sagt sie, „es ist wirklich ein Holocaust“. Auch ihre Hoffnung liegt auf Reza Pahlavi: „Er lügt nicht. Und er ist kein Diener des Westens“, meint sie. Vielmehr habe er 40 Jahre lang Zeit gehabt, sich vorzubereiten und nun ein Programm ausgearbeitet. Zudem habe er ein gutes Team. „Wenn er die Führung übernimmt, wird es keine Anarchie geben.“ Die Menschen im Iran rufen seinen Namen, „und Pahlavi ist wie ein Ausdruck für Freiheit, Fortschritt, gutes Leben“. Dass Pahlavi die Regierung übernimmt, wünschten sich die Iraner nicht, „das können sie selbst“, aber der Westen sollte helfen, das Regime zu stürzen.

Die Menschen warten auf Unterstützung von außen, meint auch Zarah M. Aber sie legt sich nicht auf Trump fest. Sie sei keine Politikerin, betont sie. Die Iraner bräuchten so etwas wie den Marshall-Plan, mit dem Deutschland von den Amerikanern nach dem Krieg geholfen wurde, um eine stabile Demokratie aufbauen zu können.

*Die Namen der befragten Personen wurden zu deren Schutz auf eigenen Wunsch teils anonymisiert.

x