Kaiserslautern
Internationale und einheimische Künstler zeigen Werke zum Thema „Westwärts“
Die KWG erweiterte „Westwärts“, das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz , mit „Neuem Kontext“ im Sinn des „Begriffs der ästhetischen Wiederverwertung, der Revitalisierung von Materialien, Ideen, Orten“. Die künstlerische Umsetzung in der vergangenen Symposiumswoche orientierte sich an neuen Bezügen innerhalb bekannter Arbeitsprozesse und Arbeitsmaterialien sowie darin, in zweckentfremdeten Funktionen zu denken.
Was herauskam, ist Thema der gleichnamigen Ausstellung. Alles begann damit, internationale Gäste westlicher Nationen einzuladen und ein Symposium auszurichten. Das wiederum bedeutet, miteinander am Arbeitsplatz Kunstlager 22, zu arbeiten und zu essen sowie im lokalen Rahmen sowie das Übernachten in Ferienwohnungen. Die Stimmung am Ende dieser künstlerisch wie persönlich intensiven Zeit ließ keinen Zweifel: Es hat funktioniert.
Spannende Choreografie
Das gilt auch für die Abschlussarbeiten der KWG-Sparten Musik, Tanz und Literatur wie die einmalig spannungsgeladene Choreografie von Emelie Söderström und Teade Abma, die während ihres Tanzens per Wlan die Musik der Medieninstallation des Stipendiaten Matthias Hassel emotional beeinflussten. Euphorischer Applaus für das Trio.
Weniger spektakulär, dafür schicksalsgeladen kam die Lied-Text-Collage des Musikers Michael Geib beim Publikum an. Sein Thema hieß Migration Richtung „Westen, einer besseren Welt“, dem das Publikum gebannt zuhörte. Autorin Eva Paula Pick arbeitete beim Symposium als tägliche Wortsammlerin und formulierte kleine facettenreiche Essays wie ihr Gedankeninneres „Wenn Dir der Augenblick ins nackte Auge blickt …“ .
Fotos von Reda und Heieck
Entgegen dieser Rückschau, bleiben die ausgestellten Kunstwerke mit Westwärts- und Kontext-Adaptionen beziehungsweise -transformationen bis Ende Juli zu sehen. Sie stammen von den internationalen Gästen sowie von den KWGlern Roland Albert (Objektkunst Pappe), Marie Gouil (Dessous), Klaus M. Hartmann (Bronze), Jörg Heieck (Fotografie), Erika Klos (Pappmaché), Reiner Mährlein (Papierprägung), Edelgard Lösch (Installation Gitter), Veronika Olma (KI-Fotoschau), Hamdy Reda (Cyanotypie), Silvia Rudolf (Installation Bänder), Angelica Steinmacher (Installation Schiefer) und Volker Tinti (Konkrete Kunst).
Jede Kreation für sich ist ein Solitär – trotz Einheitsthema. Wer sich darauf einlässt, kann geografisch oder gedanklich auf Reisen gehen, wie der Begriff „westwärts“ es meint. Etwa angesichts jenes alten Schiefers vom Dach der Martinskirche. Wundersam bemalt mit Gold und Kreide verweist Steinmacher an ehemalig vertraute Abbaugruben in Eifel und Hunsrück. An altes Wissen der Cyanotypie erinnern die Fotografen Heieck und Reda an früheste Jahre der Fotografie.
KI und Müllvermeidung
Im krassen Kontrast dazu lenkt Olma in unbekannt digitale Zukunftsszenarien. Fütterte sie doch KI-Programme mit eigenen Fotos, denen sie die Befehle Bäume, Leitern, Treppen hinzufügte. Die Postum-Schau zeigt „ziemlich erschreckend“ (Olma) außergewöhnlich vollendete Motive. Treppen ganz anderer Art installierte Lösch mit Schneefanggittern mit dem Titel „Quereinstieg“ und dichtete einen rot-gelben „Start des Quereinsteigers“ hinzu.
Müllvermeidung am „eigenen Künstlerleib“ praktizierte Reiner Mährlein für die Exponate „Downcycling“. Er schredderte missratene oder ramponierte Arbeiten, wässerte sie für neue Bildträger, auf dem er seine bekannte Prägeserie fortführte. Insgesamt zeigt das Kunstlager 22 eine anregende Vielfalt ideenreicher Aussagen an „ästhetischer Wiederverwertung und Revitalisierung von Materialien“, so dass so manche Idee von den Besuchern mit nach Hause genommen wurde. Ein idealer Mehrwert in Sachen Nachhaltigkeit!
Info
- Kaiserslautern, Kunstlager 22, Eisenbahnstraße 21, bis Ende Juli, Öffnungszeiten und Infos: kuenstlerwerkgemeinschaft.de.
- 17. Juni, Lange Nacht der Kultur in Kaiserslautenr: 17-21 Uhr: Präsentation von Künstlerarbeiten sowie Ergebnisse von Kursen und Workshops (Bronze, Zeichnungen, Plastiken, Malerei).