Kaiserslautern In zwei Ländern zu Hause

Nobelpreisträger Professor Wolfgang Ketterle (links) im Gespräch mit Professor Michael Fleischhauer.
Nobelpreisträger Professor Wolfgang Ketterle (links) im Gespräch mit Professor Michael Fleischhauer.

In der vollbesetzten Rotunde der Technischen Universität Kaiserslautern drängten sich am Donnerstagnachmittag über 150 Zuhörer, um einen Nobelpreisträger der Physik einmal hautnah zu erleben. Wolfgang Ketterle sprach über seine Forschung an ultrakalten Atomen. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler war auf Einladung des Fachbereichs Physik gekommen.

Den gebürtigen Heidelberger hatte es zum Studium der Physik an die Technische Universität München gezogen. Dort promovierte er an der Ludwigs-Maximilian-Universität und setzte seine Laufbahn am Max-Planck-Institut (MPI) für Quantenoptik in Garching bis 1988 fort. Es folgte ein Forschungsaufenthalt an der Physikalischen Chemie in Heidelberg, bevor er 1990 als Gastforscher an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, ging. Assistenzprofessur, ordentliche Professur und die John D. MacArthur Professur für Physik bezeichneten Ketterles steile wissenschaftliche Karriere, die 2001 mit der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung, dem Nobelpreis, gekrönt wurde. Ketterle hatte als einer der ersten Wissenschaftler das sogenannte Bose-Einstein-Kondensat erzeugt und über grundlegende Eigenschaften von Kondensaten geforscht. Seit 2006 ist er Direktor des Center of Ultracold Atoms am MIT und dort stellvertretender Leiter des Research Laboratory of Electronics. Was ihn zum Studium der Physik gebracht hatte? „Es hat mich einfach interessiert. Naturwissenschaften und Mathematik – ich habe alles in der Schule gern gemacht“, sagt Ketterle. Als nach der Promotion ein Stellenwechsel anstand, sei er neugierig auf die Kultur eines anderen Landes gewesen. Eigentlich hatte er geplant, nach zwei bis drei Jahren USA wieder nach Deutschland zurückzukehren. Die Grundlagenforschung am MIT habe ihm allerdings große Freiheiten eröffnet. „Ich hatte die völlige Freiheit, Physik so zu machen, wie ich wollte.“ Obwohl nach dem Nobelpreis aus München das Angebot kam, einen MPI-Direktorenposten zu übernehmen, entschied sich Ketterle zu bleiben. Die befreundeten Kollegen und die sehr kollegiale Stimmung am MIT hatten den Ausschlag gegeben. „Das ist der Platz, wo ich sein sollte“, beschreibt der Nobelpreisträger seine Entscheidung. Zuhause fühlt er sich in beiden Ländern, verbringt Zeit in Deutschland auf Konferenzen und bei Familienbesuchen. Auch zwei Forschungsaufenthalte waren schon darunter. „In beiden Ländern lässt sich erfolgreich Spitzenforschung machen. Ich sehe, dass die deutsche Ausbildung hervorragend ist, wenn deutsche Studenten ans MIT kommen“, sagt Ketterle. Deutliche Kritik übt er allerdings an der fehlenden Dauerstellen-Perspektive der Juniorprofessur. „Wenn junge Leute mit 30 Jahren mit Begabung und Ehrgeiz in der Wissenschaft tätig sind, dann weiß man, was sie können. Eine Nicht-Planung der Zukunft wirkt demotivierend.“ Jungen Talenten will er dennoch eine Wissenschaftskarriere empfehlen. Immer noch könne man im Labor neue Entdeckungen von großer Tragweite machen: „Wir brauchen euch.“ Neben der Wissenschaft ist ihm der Ausgleich wichtig. Ketterle, der zum zweiten Mal verheiratet ist und fünf Kinder hat, treibt täglich eine Stunde Sport. Als Bastler bezeichnet er sich ebenfalls – an seinen fünf Fahrrädern, darunter ein Faltrad, ein Klapprad und ein Tandem, baut er gern individuelle Komponenten ein.

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