Kaiserslautern
In Ramstein lassen es die „Original Böhmischen Musikanten“ auch mal richtig krachen
Die traditionelle böhmisch-mährische Blasmusik hat noch immer eine riesige Anhängerschar, hat sich gegen Cross-Over, Big-Band-Anklänge und Strömungen der sinfonisch-konzertanten Blasmusik behaupten können. Dies wurde am Samstag im Ramsteiner Congress Center eindrucksvoll beim Konzert der 1982 gegründeten „Original Böhmischen Musikanten“ einmal mehr bewusst.
Der bei den Egerländern unter dem legendären Ernst Mosch als Posaunist mitwirkende, aus Queidersbach stammende Elmar Wolf war in dieser Ära ein Glücksfall für die Pfalz. Er rief nicht nur diesen am Samstag zu hörenden Klangkörper ins Leben, er gründete auch den in Queidersbach ansässigen EWOTON-Musikverlag und trug auch so zur Verbreitung einer anspruchsvollen Blasmusik-Literatur bei.
Am Samstag profitierte von dieser glanzvollen Ära der jetzige Leiter der „Böhmischen“, Martin Neu, der wiederum den Taktstock von Markus Rebehn übernommen hat. Wie Rebehn hat Neu auch eigene Titel komponiert, die neben den traditionellen zu hören waren.
Die „Böhmischen“ überzeugen durch Solidität, Stilisierung und Charakterisierung
Ob Polka, Walzer, Ländler, Konzert- oder Liedermarsch: die „Böhmischen“ überzeugten durch spieltechnische Solidität, treffende Stilisierung und Charakterisierung: Uneingeschränkte Zustimmung gebührt den präzisen Abläufen, den gestochen klaren Einwürfen und exakt getimten Nachschlägen. Die Tempi wirken schlüssig und in sich stimmig, die Einsätze kommen auf den Punkt und die Übergänge (etwa beim Trio im Marsch) wirken organisch fließend. Auch praktiziert Neu keine „maschinenmäßige“ Abfolge, sondern setzt auf lebendige Agogik.
So weit so gut. Allerdings fordern diese Klangkörper auch Vergleiche heraus: Mosch war ein Klang-Ästhet, der die sangliche Note, den runden, weichen, durchsichtigen Klang bevorzugte. Die melodischen Linien sollten anregen, aber nicht aufregen. Ohne es bewerten oder gar abwerten zu wollen: In Ramstein ließen es die „Böhmischen“ auch mal so richtig krachen, setzten auch mal kraftvolle Akzente und lieferten Dynamik im Überschwang. Der dicht besetzte Saal geht begeistert mit.
Zarter lyrischer Schmelz eines elfjährigen Gesangssolisten
Mit der Lupe betrachtet, ist der Orchesterklang etwas basslastig und die Klanghölzer kamen nur wenig und sporadisch zur Geltung. Jede Klanggruppe scheint mehr für sich zu spielen – die klangliche Balance gelingt weder am Mischpult, noch am Dirigentenpult. Strahlende Trompeten- und Flügelhornklänge, runde Kantilenen der Tenorhörner und akkurat agierende Posaunen könnten noch subtiler auf das „Holz“ abgestimmt werden – und schon wäre man da, was der erst elfjährige Gesangssolist Jona Neumann aus Nanzdietschweiler vorgab: Einen solch zarter lyrischer Schmelz, eine Walzerseligkeit oder ein Klarinettengezwitscher in Polkastimmung hörte man zu selten.
Moderator Harry Reith definierte seine Rolle mehr als Spaßmacher, anstatt zum Programm hinzuführen. Seine Analogien wie etwa Cellospiel und „Cellulitis“ wirkten etwas an den sprichwörtlichen Haaren herbeigezogen. Ein Sonderlob gebührt Martin Neus gefühlvollen Gesangseinlagen.