Kaiserslautern In drei Minuten vor Ort

Wichtiges Glied in der Rettungskette: First Responder wie Michael Koll (links) und Franz Zirkel helfen, bis der Notarzt eintriff
Wichtiges Glied in der Rettungskette: First Responder wie Michael Koll (links) und Franz Zirkel helfen, bis der Notarzt eintrifft und retten so manchmal auch Leben.

Wenn sein Melder piept, verliert Michael Koll aus Reichenbach keine Zeit. In Windeseile schnappt er sich seine Ausrüstung und fährt zum Einsatzort, falls nötig auch mit Blaulicht. Denn jetzt zählt jede Minute. Das weiß der 37-Jährige nur zu gut. Seit 2005 ist er als First Responder beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) tätig. Es ist eine ehrenamtliche Aufgabe, die ihm am Herzen liegt. „Im Landkreis gibt es 50 bis 60 First Responder. Sie sind ein zusätzliches Glied in der Kette zwischen Erster Hilfe durch Laien und rettungsdienstlicher Versorgung. Je schneller qualifizierte Maßnahmen durchgeführt werden, desto besser ist es für den Patienten“, sagt Koll. Dass Zeit eine entscheidende Rolle spielt, unterstreicht auch Franz Zirkel, First Responder des DRK in Queidersbach. „Bis der Notarzt eintrifft, vergehen in der Regel zehn bis 15 Minuten, wir dagegen sind meist in drei Minuten vor Ort und verkürzen dadurch das therapiefreie Intervall. Das sind wertvolle Minuten, die lebensrettend sein können und die die Heilungschancen des Betroffenen verbessern.“ Deshalb werden die Helfer von der Rettungsleitstelle in Kaiserslautern auch gleichzeitig mit dem Notarzt verständigt. Die Notfälle, zu denen sie gerufen werden, sind unterschiedlicher Art. „Zu den häufigsten zählen Herzinfarkt, Atemnot, Unterzucker und Schlaganfall, aber auch Verletzungen und Verkehrsunfälle sowie Kinder mit Fieberkrämpfen oder einer allergischen Reaktion“, erklärt Koll. Entsprechend umfangreich ausgerüstet sind die First Responder – vom Verbands- und Schienenmaterial, über Beatmungsbeutel und Absaugpumpe bis zu einem Gerät zum Messen der Sauerstoffsättigung. Etwa 40 Mal im Jahr ist Franz Zirkel in Queidersbach als First Responder im Einsatz. Auf ähnliche Zahlen ist auch Michael Koll schon gekommen. „Aber seit Schwedelbach, das neben Kollweiler und Reichenbach zu meinem Ausrückegebiet gehört, eine neue Rettungswache hat, haben sich meine Einsätze reduziert.“ Um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können, müssen First Responder entsprechend qualifiziert sein. „Sie machen eine Ausbildung, die mindestens 80 Stunden umfasst und einen Sanitätskurs, ein Reanimationstraining und das Mitfahren im Rettungswagen beinhaltet“, erklärt Zirkel. Darauf konnte der 52-Jährige wie auch sein Kollege verzichten, denn beide sind durch ihren Beruf bestens für das freiwillige Engagement gerüstet. Koll arbeitet als Krankenpfleger im Nardini-Klinikum Landstuhl und ist ehrenamtlicher Rettungssanitäter beim DRK Kaiserslautern-Land im Ortsverein Reichenbach-Steegen. Im Westpfalz-Klinikum Kusel ist Zirkel als Krankenpfleger tätig. Außerdem verfügt er über eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und ist stellvertretender Vorsitzender im DRK Ortsverein Queidersbach. Wie wichtig die qualifizierten Helfer sind, kann auch Dr. Michael Stetzenbach bestätigen. Er ist Funktionsoberarzt in der Anästhesie am Nardini-Klinikum Landstuhl und erfahren in Notfallmedizin. „First Responder können einen entscheidenden Beitrag in der Notfallrettung leisten. Die ehrenamtlich qualifizierten Helfer sind in der Lage, die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens beziehungsweise Notarztes durch eine zielgerichtete Erstbehandlung zu überbrücken und damit in lebensbedrohlichen Situationen die Wahrscheinlichkeit des Überlebens und der vollständigen Genesung des Patienten signifikant zu erhöhen“, betont der Mediziner, der auch leitender Notarzt und Ärztlicher Leiter Notarztstandort Landstuhl ist. Wichtig sei jedoch, dass der Einsatz von professionellen Ersthelfern nicht die Pflicht ersetze, auch als Laie in Notfallsituationen Erste Hilfe zu leisten. Bei Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand sollten sie zumindest eine Herzdruckmassage durchführen. „Helfer, die trainiert und in der Lage sind zu beatmen, sollen Herzdruckmassagen und Atemspenden durchführen. Daher können First Responder in bestimmten Situationen einen wichtigen Beitrag zur Erstversorgung übernehmen“, so Stetzenbach.

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