Kaiserslautern „Improvisation kann man nicht lernen“

91-76255277.jpg

„Ich bin nicht zum Jazz gekommen, der Jazz war in mir“, sagt der Pianist und Keyboarder Wolfgang Dauner, der heute seinen 80. Geburtstag feiert. „Es ist wie mit dem Ball-Gefühl – man hat es oder man hat es nicht.“ Und mit diesem Gefühl für den Jazz, Dauner nennt es „seinen Urschrei“, ist er zu einem Musiker internationalen Formats geworden.

Seine Improvisationen, seine stilistische Vielfalt, die gleichermaßen den Pianisten wie den Komponisten Wolfgang Dauner auszeichnet, seine eigene, ganz persönliche Spielweise und nicht zuletzt seine Fähigkeit, in den unterschiedlichsten Kontexten auch als Ensemblespieler Eigenes einbringen zu können, zeichnen Dauner aus. Schon in den Anfängen seiner Karriere gehörte Dauner zu denen, die sich jedweder puristischer Sichtweise verweigerten. Er erkannte die Möglichkeiten des Synthesizers für den Jazz und wurde einer seiner Wegbereiter, genauso wie er Rock-, Rock-Funk- und klassisches Material mit dem Jazz zu verbinden wusste. Jazz war und ist für Dauner immer eine Form der Freiheit, die nur in der Kreativität ihre Grenzen findet. Und immer wieder fällt dabei das Wort Improvisation – „die kann man nicht lernen“, und, so Dauner weiter, „Noten lenken nur ab“. Diese Liebe zum freien Spiel begann schon im Kindesalter, als er bei einer Tante klassischen Klavierunterricht erhielt. „Schon da habe ich den Drang verspürt, auch bei diesen Stücken zu improvisieren. Das war noch kein Jazz, hat aber ganz ähnlich funktioniert“. Wolfgang Dauner, der nach einer Schlosserlehrer – „auch hier musst du improvisieren können“ – an der Musikhochschule im heimischen Stuttgart Trompete und Komposition studierte, war zu Beginn seiner Profi-Laufbahn in den 50er Jahren Begleiter von Marika Rökk und Zarah Leander. „Das war natürlich Unterhaltungsmusik, aber auch die musst du erst mal spielen können.“ In den 60er Jahren sprengte er die Grenzen des Jazz hin zum Geräusch, zur Elektronik, zu Tanz und Happening, womit er in der erstarrten Jazz-Gemeinde kontroverse Diskussionen über die Grenzen des Jazz und der Musik allgemein auslöste. In den Siebzigern vertrat Wolfgang Dauner mit den German All Stars Deutschland im Ausland und wurde mit dem United Jazz And Rock Ensemble, dessen heimlicher Leiter er war, zum Popstar des Jazz. Daneben hat er für Film, Fernsehen und Hörspiel komponiert, zwei Jazz-Opern geschrieben – eine übrigens mit dem Titel „Der Urschrei“ – und zahlreiche internationale Künstler begleitet von Chick Corea bis Albert Mangelsdorff. Dabei gewinnt Dauner auch immer wieder neues Publikum für den Jazz, zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit dem Liedermacher Konstantin Wecker. Wolfgang Dauner hat seine Musik jedoch stets ganz pragmatisch gesehen – als Möglichkeit, sich und seine Familie zu ernähren. „Damit“, so erinnert er sich, „habe ich mir aber auch viel Ärger eingehandelt. Als ich mal die Musik für einen Courths-Mahler-Film geschrieben habe, hätten mich meine Freunde beinahe in der Luft zerrissen. Dabei war es doch nur ein Job.“ Die wirtschaftliche Seite der Musik hat ihn schon immer interessiert, „denn dass ich in einem tollen Haus wohne und es mir gut geht, kommt nicht vom Jazz allein.“ Wolfgang Dauner könnte sich also guten Gewissens zur Ruhe setzen, seine Spuren in der Musik sind unüberhörbar. Dafür ist er im September auch mit dem Sonderpreis für sein Lebenswerk beim Landesjazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Doch Wolfgang Dauner ist weiter umtriebig – inzwischen an der Seite seines Sohnes Flo, dem Schlagzeuger der Fantastischen Vier, der sich mit seinem erfindungsreichen Spiel als gleichwertiger Partner seines Vaters erweist.

x