Kaiserslautern Immer zwischen Flughafen und Studio

Immer auf dem Sprung: Kelvyn Colt im Kammgarn-Club.
Immer auf dem Sprung: Kelvyn Colt im Kammgarn-Club.

Ein durchweg ehrlicher Rapper ging am Freitagabend im Cotton Club an den Start: Der deutsch-nigerianische Musiker Kelvyn Colt ist nur selten in der deutschen Heimat unterwegs, dafür umso öfter in seiner Wahlheimat London. Doch für die „Mind Of Colt Pt. 1“-Platte hat er es sich nicht nehmen lassen, die dazugehörige Tour auch nach „Good Old Germany“ zu verlegen. Die Fans waren startklar für internationalen Rap ohne gängige Rap-Klischees.

Kelvyn Colt ist ein Rapper, der nicht so recht in moderne Schubladen und die Raster der internationalen Hip-Hop-Szene passen will. Er ist ein Kind der Globalisierung und macht Musik, die ohne ethnische oder stilistische Schranken auskommen will. In der Nähe von Wiesbaden aufgewachsen und mittlerweile in London wohnhaft, steht der Rapper und Sänger auf großen und kleinen Bühnen in Berlin, New York, Los Angeles und München, immer zwischen Flughäfen und Studios. Die Kennzeichnung des One-Way-Flugs von Frankfurt am Main nach London vor vier Jahren, „LH 914“, hat er auf dem Cover seiner gleichnamigen Debüt-EP verewigt. Der Umzug bescherte seiner Musik das angestrebte internationale Flair, fernab vom thematisch zeitweise ausgeleierten Deutsch-Rap folgen seine Songs dem amerikanischem Modell – zwischen Hip Hop, R’n’B und Trap, inspiriert von Vorbildern wie Tupac, Eminem und Kid Cudi. In die USA wollte er aber – erstaunlicherweise – nicht, obwohl er dort auch Familie hat. Denn Colt wusste schon da: Die Konkurrenz in den Staaten ist groß. Ohne eine entsprechende Fanbasis in Europa braucht man sich als deutschstämmiger Musiker gar nicht erst auf den amerikanischen Musikmarkt blicken zu lassen. Und die baut sich Colt nun seitdem kontinuierlich auf – sowohl in Deutschland, als auch auf der britischen Insel. Bei seinem Auftritt im Cotton Club war die Fan-Schar zwar noch etwas dürftig – mit nur einem halb vollen Raum. Die gute Stimmung zündete dennoch gut in den Reihen. In seinen durch und durch amerikanisierten Titeln – vom basslastigen Rhythmus zu den schnell ladenden Hooks – wirft er nicht nur einen Blick auf die oft chaotische Jetzt-Gesellschaft, sondern vollzieht auch einen Schwenk zurück in seine persönliche Vergangenheit. Ein Kind der Straße war Colt nie. Er machte brav sein Abitur und ergatterte ein Stipendium für eine Ausbildung an einer angesehenen Law und Business School in London – die er jedoch sehr schnell wieder geschmissen hat, um sich seiner ersten Leidenschaft, dem Rap, zu widmen. Statt Unternehmensgründung geht Colt den wackeligen Weg der Musikbranche – sein Vater hat den Kontakt zu einem Produzenten hergestellt – und machte aus dem Traum eine Karriere. In dem jüngsten Album „Mind Of Colt Pt.1“ entführt er die Fans auf eine Reise durch seine Gedankenwelt – zwar mit nur wenigen, dafür aber prägnanten Tracks. Die Lautrer Menge ging schon seit dem ersten gut ab, dank makelloser Flows und herausragendem Fingerspitzengefühl für Tempo und unterschiedliche Facetten. „Hucci“, eine Nummer außerhalb des Albums, hält da als gutes Beispiel in Sachen Technik und Tempo her. Inhaltlich ging es von emotionsgeladenen Worten an seine Mutter („Mama“) bis zur selbstverherrlichenden Ode („Waited On Me“). Aber auch Selbstzweifel kennt Kelvyn Colt und hat keine Angst davor, diese in musikalischer Form preiszugeben. Egal welche Thematik oder welcher Beat, zwischen den Songs wirkte der Musiker immer echt und greifbar – ob er nun in englischer Sprache zu seinem Publikum redete oder in deutscher. Seine tief schürfende Stimme holte ihm scheinbar die Seele aus dem Leib – ob bei Hilfeschreien nach wahrer Liebe statt endloser Wochenend-Affären („Weakend“) oder bei teilweise politischen Lyrics wie in „Aqua“. Am Ende zählt doch nur der Glaube an einen selbst, Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl und das Verfolgen der eigenen Träume. Und wenn „Mind Of Colt Pt.1“ eines überzeugend darstellt, dann das.

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