Glosse RHEINPFALZ Plus Artikel Immer schön der Reihe nach – auch bei Google Maps

pfalz google5 kopie

Wenn Ungläubige zu Gläubigen werden – dann ist ein Wunder geschehen. Da uns Corona Demut gelehrt hat, reicht heute schon ein kleines Wunder: In nicht allzu weiter Zukunft wird die Westpfalz kein Bus- und Bahn-Ödland mehr auf Google Maps sein! Hallelujah!

Noch vor wenigen Wochen deutete alles darauf hin, dass es in diesem Jahrzehnt nichts mehr damit wird, auf Google Maps Bus- und Bahnhaltestellen in Kaiserslautern, Kusel oder Kleinbundenbach zu finden. Manch einer mag sich noch an den ersten Teil meiner virtuellen Odyssee erinnern.

Denn was in fast allen Regionen der Welt selbstverständlich ist, sucht man westlich von Ludwigshafen vergebens: Die praktischen kleinen blauen Bildchen von Bus, Tram oder Zug auf Google Maps. Und so steht der Ortsunkundige hilflos mit dem Handy in der Hand an der Straßenecke und fragt sich, ob der Empfang gestört oder sein Gerät kaputt ist.

Stattdessen ist der Informationsfluss zwischen Google Maps und dem hiesigen Verkehrsverbund kaputt. Besser gesagt: Er steckt im Stau. Im Datenstau. Bis ich dies herausfand, hat es allerdings etwas gedauert. Das lag wohl an meiner langen Leitung, die sich unterwegs immer wieder verknotet hatte.

Wo sind die putzigen Busse?

Da der gesamte Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) auf Google Maps Brachland ist, vermutete ich dort die Störung. Doch deren Experten versicherten mir, dass sie alle nötigen Daten auf einer offenen Plattform zur Verfügung stellen. Google Maps brauche sich dort nur zu bedienen. Tut es aber blöderweise nicht – sonst sähe ich ja, wenn ich vor der Mall stehe, die putzigen blauen Busse auf meinem Display und nicht nur an meiner Nase vorbeifahren.

Mit dem Finger über die virtuelle Landkarte fahrend, stieß mein kriminalistischer Spürsinn auf einen Zufall, der keiner sein konnte: In den Straßen des Rhein-Neckar-Deltas drängeln sich die blauen Icons, im gesamten Rest des VRN-Gebietes ist nicht mal ein Reifenabdruck von ihnen zu sehen. Eindeutiger Fall: Das kann nur an der dort tätigen Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) liegen!

Und tatsächlich: Der rnv-Sprecher bestätigt mir, dass das Unternehmen Daten an Google Maps liefere. Na also! Allerdings – wieso landen nur die Daten derjenigen, die auf dem kurzen Dienstweg liefern, auf Google Maps, wenn doch eigentlich Google Maps sie aus dem Zentrallager holen soll?

Google ist schwer zu googeln

Das kann mir wohl am besten das globale Unternehmen selbst sagen. Dachte ich mir. Doch denken bringt nicht immer voran. Denn der Global Player, an dem man im Netz sonst nicht vorbeikommt, versteckt sich gut darin. So sehr ich Google auch googelte – ich fand es nicht. Jedenfalls keinen Ansprechpartner. Lediglich eine Mail-Adresse, die mich ein Schwarzes Loch vermuten ließ. Aber ich stieß auf eine deutsche Firma, die die Pressearbeit für den amerikanischen Konzern übernimmt.

Yippie! Doch selbst innerhalb Deutschlands sind die Wege manchmal lang. Und verworren. Nach einigen Mails und Telefonaten und Verweisen von Person A zu B nach C bleibe ich erstmal einsam zurück. In diese Funkstille sticht plötzlich eine Mail mit dem Absendernamen google.com! Allerdings nicht aus dem sonnigen Kalifornien, sondern dem zugigen Hamburg.

Sie beginnt mit einer Entschuldigung wegen der langen Wartezeit und erläutert dann, dass „die Einbindung von externen Verkehrsdaten in Google Maps komplex ist“. Das hatte ich bereits vermutet; offenbar so komplex, wie die Einbindung einer Antwort in eine externe Presse-Anfrage. Schließlich wird es konkret: „Der VRN hat auf dem National Access Point (NAP) zwar Daten entsprechend dieser Formate bereitgestellt, aber (noch) nicht in dem General Transit Feed Specification (GTFS)-Format, das Google direkt in seine Produkte integrieren könnte.“

Hm, aber genau jenes GTFS-Format hatte der VRN-Experte mir doch versichert. Erwartungsvoll bebend greife ich zum Hörer. „Moin!“, meldet sich Absender Philipp Dangschat fröhlich. Tatsächlich: Ein echter Mensch! Und kein Google-Translator. Ich bin begeistert. Meine Begeisterung steigt, als ich – quasi als Lebendbeweis – erzählt bekomme, dass Schnee auf die nur einen Steinwurf entfernte Alster fällt und heute noch der Schlitten zum Einsatz kommt.

Derart freundschaftlich plaudernd werden GTFS und NAP und VRN fast zur Nebensache. Völlig ungezwungen kann ich fragen, warum Google sich so unnahbar gibt. Ich werde aufgeklärt, dass ich auch in Mandarin, Thai oder Hindu an die globale Presse-Adresse hätte schreiben können: Nach Identifizierung der Sprache werde jede Mail ins zuständige Land weitergeleitet. Und das I-Tüpfelchen: Vielleicht schon im nächsten Monat wird Google ein eigenes Pressezentrum in Deutschland haben!

Beschwingt trennen wir uns mit der Vereinbarung, dass der nette Hamburger noch mal intern nachfragt, warum Google sich die vom VRN bereitgestellten Daten nicht holt. Seine simple Vermutung: „Vielleicht ist Google einfach noch nicht so weit.“

Eine schwere Prüfung

Nach drei Tagen bekomme ich ein Update – nein, nicht von der Google-Maps-App auf mein Handy, sondern vom Google-Pressevertreter in meinen Mail-Ordner. „Das Google-Maps-Team wird sich der Sache noch einmal annehmen und prüfen, wie auf die bereitgestellten Daten zugegriffen werden kann.“

Und das Prüfen lohnt sich. Mein Ansprechpartner kann mir anschließend die Erklärung liefern, es könne „aus zeitlichen und kapazitären Gründen etwas dauern, bis externe Verkehrsdaten von Verkehrsbetrieben in Google Maps integriert werden“.

Aha! Also wie vermutet! Auch Google muss sich auf der Landkarte langsam durcharbeiten. „Das ist wie beim Nummernziehen auf dem Arbeitsamt“, bekomme ich erklärt – und ich sehe den völlig übernächtigten VRN mit der Nummer 986 von der Bank rutschen. Doch die frohe Botschaft zum Abschluss lautet: „Ja, es gibt Hoffnung, dass demnächst das gesamte VRN-Gebiet auf Google Maps ist!“ Dass dazu über der Alster die Sonne lacht, muss nicht erwähnt werden.

Mal wieder hat sich bewahrheitet: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

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