Kaiserslautern Idee mit Wiederholungswert

Gerd Forster und Christiane Fritzinger gestalteten am Mittwoch den musikalischen Part der „Chaussee“-Präsentation.
Gerd Forster und Christiane Fritzinger gestalteten am Mittwoch den musikalischen Part der »Chaussee«-Präsentation.

„PA-LA-LA-TINA“ prangt auf dem Titelblatt der aktuellen „Chaussee“-Ausgabe. Da klingen schon beim Lesen „La-la-la“-Gesänge mit. Tatsache ist, dass die Zeitschrift für Literatur und Kultur der Pfalz Musik zum Thema hat. Nicht zuletzt deswegen hatte der Herausgeber, der Bezirksverband Pfalz, für Mittwochabend in die Pfalzbibliothek eingeladen, um das Heft literarisch und musikalisch vorzustellen.

Diese literarisch-musikalische Begegnung taugte zudem bestens dafür, das 20-jährige Bestehen der „Chaussee“ zu feiern. Zeichnete sich von 1998 bis 2002 der Edenkobener Geißler-Verlag verantwortlich, so übernahm ab 2003 der Bezirksverband Pfalz Redaktion und Herausgabe. Der Modus mit jährlich zwei Exemplaren, jeweils einem Thema gewidmet, gilt bis heute. Etwa 20 Autoren füllen rund 140 Seiten, darunter fallen sowohl Gedichte wie literarische Neuerscheinungen, Nachrichten aus der Buchwelt und Biografisches zu den beitragenden Texturhebern. Die Redaktion ist derzeit mit Regina Reiser, Ruth Ratter und Theo Schneider besetzt. Und so war es am Mittwoch auch Reiser, die den Besuchern im Namen des Bezirksverbandes eine kurze Einführung gab und darauf hinzuweisen hatte, dass erstmals der Heftpreis erhöht werden musste: statt fünf kostet eine Ausgabe jetzt 7,50 Euro. Nach dieser Pflicht kamen die Künstler zu Wort, Spiel und Gesang. Es rezitierten eigene Werke Gerd Forster und Bernd Ernst. Es konzertierten passend dazu Christiane Fritzinger und Forster. Der Beitrag des 83-jährigen Forster beschränkte sich auf einen Auszug aus seiner Erzählung „Besuch beim alten Casanova“, der sich auf den Sänger Giuseppe Lolli und die Uraufführung von Mozarts Oper „Don Giovanni“ in Prag bezieht. Denn der „berühmte“ Casanova, der ganz nah als Bibliothekar arbeitete, habe das Ereignis miterlebt. Tatsächlich klappte eine Begegnung der beiden Landsmänner. Der Zuhörer wurde Zeuge eines Dialoges der Signores über das Flanieren vorbei an Ortsansichten oder Bauwerken, wie etwa die Florianssäule oder Nike-Statue, bevor sie sich zur Oper äußern. Und das führt dann zu einem überraschenden Geständnis des Sängers Lolli (zum Weiterlesen ab Seite 58). Mit von der Partie sowohl auf der Opernbühne als auch im Zwiegespräch ist Zelina. Von deren „zärtlichen Arien“ trug Fritzinger, von Forster am Piano begleitet, „Wenn Du fein artig bist“ vor. Ihre ebenso warme wie feste Stimmlage dominierte nicht nur die erzählende Liedweise. Der Autorenwechsel vollzog sich nicht nur personell, sondern auch musikstilistisch. Konkret hieß das: von Amadeus zu Jimi, oder genauer: von Mozart zu Hendrix. Forster griff in die Tasten und rockte groovig-unscharf sozusagen als Ouvertüre zu Ernsts Textlesung: „Ein Album für Bob.“ Der Pirmasenser lässt die Zuhörer an einer Nacht im Leben eines einsamen, schwermütigen, einstigen Rockstars teilnehmen. Es ist zehn Jahre her, dass seine Frau Mary verstarb. Doch für ihn ist sie da. Für ihn hört sie zu: „Nicht wahr, Mary?“ Es passieren seltsame Szenerien. Dinge liegen da, wo sie vorher nicht waren. Der Rohling einer CD. Eine Stimme darauf sagt: „Das ist für dich, Bob. Dein Album.“ Er hört sich selbst und nimmt erstmals nach Marys Tod seine Gitarre in die Hand (Seite 69). Die Lesung der Lektüren erlebten die Zuhörer mit Genuss. Vor allem in der Kombination mit Musik, die ja die „Chaussee“-Zeitschrift nicht mitliefert. Eine Idee mit Wiederholungswert.

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