Kaiserslautern Idee der gemeinsamen Sterbeversicherung ist überholt

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Der Bürgersterbeverein Erlenbach ist seit Februar offiziell aufgelöst. Oswald Henrich hielt bis zuletzt die Stellung. Der Kassenwart, der dieses Amt 46 Jahre lang ausgeübt hat, zahlte die Restsumme an die Versicherten aus.

Wer heutzutage das Wort Sterbeverein liest, der denkt vermutlich an eine Vereinigung Gleichgesinnter, die für Sterbehilfe sind oder sie ausüben. Aber noch vor 100 Jahren bedeutete Sterbeverein oder Bürgersterbeverein beziehungsweise Sterbekasse etwas ganz anderes. Nicht zum Tode wurde da Betroffenen verholfen. Sondern nach dem Tod des Erwerbstätigen wurde den Hinterbliebenen ein bestimmter Betrag ausbezahlt. Es war eine Art Versicherung, bevor es Sozialversicherungen gab. Seit dem ersten Februar ist nun ein weiterer Bürgersterbeverein erloschen. 1905 war der Erlenbacher Bürgersterbeverein als Dienst an der Dorfgemeinschaft gegründet worden. „Sinn und Zweck war, dass man Geld für die Beerdigung hatte“, erklärt Oswald Henrich, langjähriges Mitglied. Die Entscheidung, den Versicherungsverein aufzulösen, ist allerdings bereits vor zwei Jahren gefallen. Damals wurde die Auflösung beschlossen, sobald an jedes Mitglied ein Betrag von 800 Euro ausgezahlt werden könne. Dies ist nun alles abgewickelt und der Bürgersterbeverein Geschichte. 184 Mitglieder hat der Verein zuletzt noch gehabt, aber es gab Probleme, die Ämter und auch die Vorstandschaft zu besetzen. In den besten Zeiten seien es mal über 500 gewesen, meint der ehemalige Kassenwart. Seit 1970 hat der Erlenbacher das Amt des Kassenwarts und Schriftführers ausgefüllt, seine letzte offizielle Tat für den Verein war die Auszahlung der Restsummer an alle. „Anfänglich war das so, dass im Sterbefall 1,05 Mark eingesammelt wurde. Die 5 Pfennig waren für den Kassierer“, erinnert sich der 74-Jährige an seine Anfangszeit im Bürgersterbeverein. Jeder, der bezahlt hatte, bekam anschließend einen Stempel in sein Heft. Das ging so bis in die 1970er-Jahre, weiß Henrich noch. Damals macht das Versicherungsamt der Stadt Kaiserslautern die Auflage, dass nun monatliche Zahlungen zu leisten seien. Die haben dann die sogenannten Unterkassierer eingesammelt. Ab 1981 bis in die 1990er-Jahre hat Henrichs Frau Edeltraud diese Aufgabe ehrenamtlich übernommen. Mitglied im Verein war sie da aber bereits seit 25 Jahre. „Meine Mutter hat mich angemeldet, da war ich in der ersten Klasse“, berichtet die heute 67-Jährige. Oswald Henrich ist bei seiner Hochzeit 1967 eingetreten. Anders als in anderen Bürgersterbevereinen gab es in Erlenbach keine Altersbegrenzung für den Beitritt. Doch die Beiträge waren gestaffelt: Zwischen 15 und 19 Jahren belief sich das Eintrittsgeld auf DM 2, zwischen 20 bis 29 Jahren auf das Zehnfache. Ab 30 Jahren musste man für jedes weitere volle Lebensjahr noch einmal DM 10 bezahlen. Dafür wurde zum Beispiel im Jahr 2000 dann ein Sterbegeld von DM 1026,50 ausbezahlt. Nur Erlenbacher konnten dem Verein beitreten. „Aber wenn man vom Ort weggezogen ist, hat man die Mitgliedschaft nicht verloren“, erklärt Oswald Henrich. Und wie zum Beweis legt er stolz eine Sterbeurkunde von 1994 auf den Tisch, die in Calgary, Kanada, ausgestellt ist. Dahin ist nämlich ein Mitglied ausgewandert. Traurig sind die Henrichs aber eigentlich beide nicht über das Ende des Erlenbacher Bürgersterbevereins. Letztlich sei die Idee heute einfach überholt, meint Oswald Henrich nachdenklich. Es lohne sich rein rechnerisch nicht mehr. Heute habe man für diesen Zweck der Absicherung Lebensversicherungen. |cl

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