Kaiserslautern
Hoftheater: Heymann-Schlager-Abend mit Günther Fingerle
Heymann war einer der erfolgreichsten Filmkomponisten im Deutschland der Weimarer Republik. Aber seine rhythmisch präzisen, vom hektisch heiteren, vorwärts drängenden Optimismus der „Wilden Zwanziger“ durchwehten Schlager sind zu Evergreens geworden, die noch heute viele Menschen im Ohr haben.
Erinnern wir uns: Für die 1930 produzierte Tonfilm-Operette „Die Drei von der Tankstelle“ steuerte Heymann die Songs „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ bei; für die gleichfalls mit Lilian Harvey und Willy Fritsch besetzte Romanze „Ein blonder Traum“ (1932) schrieb er „Irgendwo auf der Welt“; für Hans Albers die Titel „Hoppla, jetzt komm’ ich“ und „Das ist die Liebe der Matrosen“.
1933 verließ Heymann Deutschland
Aus dem zeitlos beschwingten Klassiker „Der Kongress tanzt“ (1931) schließlich stammen der Ohrwurm „Das muss ein Stück vom Himmel sein“ und die freudig-melancholische Nostalgiker-Hymne „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“. In der Rückschau wirkt der Song wie eine bittere Orchestrierung des Exodus so vieler Deutscher, die ihr Heimatland im Wendejahr 1933 zwangsweise verlassen mussten.
Auch Werner Richard Heymann, der einen jüdischen Vater und einen evangelischen Taufschein hatte, ging außer Landes, zunächst nach Frankreich, dann nach Hollywood. Dort vertonte er Filme des Pfälzers William Dieterle und des Berliners Ernst Lubitsch und verbuchte vier Oscar-Nominierungen. In das Land, das ihm seine Staatsbürgerschaft „aberkannt“ hatte, kehrte er erst in den 1950er Jahren zurück. Er starb vor 60 Jahren, am 30. Mai 1961, in München.
Fingerle zelebriert sein Metier
Wenige Monate später kam Günther Fingerle zur Welt, der seit 1993 am Pfalztheater engagiert ist und hier längst die Sympathien eines aufrichtig verehrten Zugpferds genießt. Auf der großen Bühne war er zuletzt als aufgebrezelter Rokoko-Geck in „Minna von Barnhelm“ zu erleben, anschließend besang er in der Musikrevue „Männer“ ganz allerliebst den „Kleinen Bären mit den großen Ohren“.
Fingerle mag Schlager – also jene eingängigen Gassenhauer, die in schlichten Reimen die gewaltigen Gefühlswallungen besingen. Bereits in mehreren Programmen hat er vor einer enthusiastisch mitsummenden Zuhörerschaft dieses „Festival der Liebe“ zelebriert und dabei ein leuchtendes Feuerwerk der sentimentalen Emotionen abgebrannt.
Mit Anekdoten gespickte Moderation
Darüber hinaus stellte er vergnüglich-nostalgische Hommagen mit den populärsten Songs etwa von Hans Albers und Theo Lingen zusammen, in denen er nicht nur die Musiknummern der Stars von einst anstimmte, sondern auch über deren Leben und Werk plauderte. Ob Film- oder Tralala-Schlager, Chanson oder Rhapsodie: Das Herz seines Publikums lässt ihn allzeit grüßen.
Die verbindenden Texte stellt Fingerle jeweils selbst zusammen. Wenn er jetzt Oldies aus der Feder von Werner Richard Heymann vorstellt, kann er erneut zurückgreifen auf einen reichen Fundus an Reminiszenzen und Anekdoten. Der Meister selbst hat nur fragmentarische Erinnerungen hinterlassen, aber in den Memoiren seiner Interpreten taucht sein Name immer wieder auf (wie auch der seines bevorzugten Textdichters, des Librettisten Robert Gilbert). Überliefert ist außerdem eine Begebenheit, die sich 1957 in München abgespielt haben soll: Als Heymann um die Wiedererlangung der „aberkannten“ Staatsbürgerschaft nachsuchte, musste er – Stichwort Leitkultur – ein deutsches Volkslied singen. Ohne seine Urheberschaft zu erwähnen, stimmte er „Das gibt’s nur einmal“ an – und erhielt die Einbürgerung. Das kommt nicht wieder.