Kaiserslautern „Hier oben ist ein Paradies“
„Wir wohnen in einem Vorort von einem Vorort von Kaiserslautern“, brachte es Thomas Stehr gestern Morgen augenzwinkernd auf den Punkt und spielte damit auf den Gersweilerhof als Ortsteil des Stadtteils Erlenbach an. Was ihm nicht gefällt, sind die Autos, die zu schnell durch den Ort fahren. Eines der elektrischen Schilder, die anzeigen, wie schnell man fährt, könnte da doch Abhilfe schaffen, findet er. „Das könnte das Trara rund ums schnelle Durchfahren eindämmen“, findet er. Auch Ulrike Reichardt und Lotti Gäthje sind die Raser ein Dorn im Auge. Eine wie von Thomas Stehr vorgeschlagene Anzeige ist den beiden zu wenig. „Ein Starenkasten in der Ortsdurchfahrt, das wäre doch mal was“, fordern die beiden und machen sich für einen fest installierten Blitzer stark. Reichardt, die sich schon lange für Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt stark gemacht hat, ist noch etwas aufgefallen, ein „Schildbürgerstreich“, wie sie es nennt. Fährt man vom Gersweilerhof in die Stadt, mahnt kurz vor der Brücke und vor einer Kurve ein Schild zu Tempo 70. „Das ist viel zu schnell, da müsste eher ein 50er-Schild stehen oder gar ein Tempo-30 -Schild“, mahnt Reichardt. Heinz Stalter kehrt die Straße nur sonntags. „Ansonsten ist es zu gefährlich“, berichtet der Pensionär, der 42 Jahre in Diensten der RHEINPFALZ stand, als Setzer gearbeitet hatte. Zu schnell führen die Autos in der Ortsdurchfahrt. Er machte sich für ein Durchfahrtsverbot für Lkw stark. „Da fahren welche durch, die sind 18,5 Meter lang.“ Horst Liebrecht pflichtet Stalter bei. Normalerweise seien nur Lastwagen bis 7,5 Tonnen erlaubt. „Hier fahren aber auch 40-Tonner durch“, hat er beobachtet. Eigentlich gefällt es Marion Buhrs auf dem Gersweilerhof. „Ich liebe es, hier zu sein“, sagt sie. Allerdings, so fürchtet sie, könnte es mit Ruhe und Natur bald vorbei sein, wenn Windräder nahe der Ortslage gebaut werden. „Davor haben alle Angst. Hier oben ist ein Paradies, es ist wunderschön, wir müssen nur aufpassen, dass es nicht zerstört wird“, sagt sie. Hans-Werner Ciukalo treibt das Thema sichtlich die Zornesröte ins Gesicht. „Dieser Gigantismus mit 200 Meter hohen Windrädern, das macht mich aggressiv“, sagte er. Martin Alt befasst sich ebenfalls mit dem Thema Windkraft. Er wünscht sich, dass die Verantwortlichen bei ihren Überlegungen nicht nur die Rentabilität einer solchen Windkraftanlage im Blick haben. „Keiner spricht davon, dass für ein Windrad viel Wald gerodet werden muss und dass es zu Lärmbelästigung kommen kann“, ist ihm aufgefallen. Wilfried Scherner dagegen treiben die geplanten Windräder nicht so sehr um. „Ich habe kein Problem mit Windrädern hier, wir müssen weg vom Atomstrom“, sagte er am RHEINPFALZ-Stand. „Unsere Verkehrsprobleme sind viel größer.“ Damit spielte er unter anderem auf den fehlenden Gehweg zwischen Gersweilerhof und Erlenbach an, ein Ärgernis insbesondere für die Busnutzer im Ort: Die Bushaltestelle liegt in Erlenbach und um dahin zu gelangen, müssen die Leute die Straße benutzen. Der gefährliche Fußweg – auf der Straße, weil der Gehweg fehlt – treibt auch Manuela Uebel um. Sie findet insbesondere den Rückweg von Erlenbach nach Gersweilerhof riskant. „Da kommen die Autos über die Kuppe, das ist schon gefährlich“, hat sie beobachtet. Zumal nicht nur sie selbst den Weg zu Fuß geht, sondern auch ihre Kinder. Gut findet Uebel dagegen das Ruftaxi. Allerdings sei dessen Nutzung mit Kindern „schwierig zu organisieren“. „Sehr zufrieden“ ist auch Ilse Kleine-Möllhoff mit dem Ruftaxi. Sie nutze es sehr oft, wünscht sich aber auch eine Verbindung am Samstagvormittag. „Dann könnte ich damit auch auf den Markt fahren“, regt sie an. Isabell Giehl findet das Ruftaxi auch an sich eine gute Sache, wünscht sich aber, dass der Fahrplan öffentlich ausgehängt wird. „Dazu haben wir im Ortsbeirat schon längst einen Antrag gestellt, passiert ist aber bisher noch nichts“, sagt sie. Zudem findet sie es bedauerlich, dass während der Sommerferien die Busse nicht fahren. Am Ende, als der RHEINPFALZ-Stand schon fast abgebaut war, erhitzte das Thema Windräder noch einmal die Gemüter. Karlheinz Weinmann, Dieter Römer und Eberhard Beier bewiesen große Ausdauer und bezogen auch Ortsvorsteher Fritz Henrich mit ein in die Diskussion. Am Wochenende war im Ortsteil ein Flugblatt der Initiative Pro Natur und Mensch in KL-Nordost verteilt worden. Darin steht, dass die Planung für Windräder auf dem Gersweiler Kopf „im Verborgenen“ laufe und die Stadtwerke weiter an Plänen für Windräder arbeite. In der RHEINPFALZ stand gestern nun das Gegenteil, was die Bürger erregte. „Weichel muss klar Stellung beziehen“, forderte Weinmann den OB auf. Und dafür erntete er in der Runde keinen Widerspruch. (bld)