Kaiserslautern Helene auf Französisch?
Der Kulturverein Hochspeyer hatte am Mittwochabend den lothringischen „Wiederholungstäter“ Marcel Adam, in Begleitung seines Sohnes Yann Loup, zu einem Begegnungs- und Liederabend in die protestantische Kirche der Paul-Gerhardt-Gemeinde eingeladen. Alle zwei Jahre holt der rührige Verein mit seinem Vorsitzenden Hans Schneider den Sänger nach Hochspeyer.
Ja, ja – zugegeben, Marcel Adam ist ein äußerst attraktiver und eloquenter Mann, der seine charmante Ausstrahlung auf das Publikum, insbesondere das weibliche, geschickt zu nutzen weiß. Hiermit sollte der vielbemühte Verweis auf den Frauenherzen dahinschmelzen lassenden „Womanizer“ erwähnt – und erledigt – sein. „Wir haben wie die Dinosaurier gelebt – ohne Fernseher, Telefon oder Internet“, erzählt der 1951 geborene Adam schmunzelnd und dennoch liebevoll Anekdoten aus seiner Kindheit bei Oma Anna. Das dritte Lied sei immer der Großmutter gewidmet, erklärt der Künstler. Mal sehnsüchtig zurück blickend, mal gespickt mit viel augenzwinkerndem Humor beschreibt er stets respektvoll manche Eigenart seiner Landsleute im französischen Kanton Saargemünd. Adam singt und erzählt, er erklärt Hintergründe zu seinen Liedern und warum sie ihm wichtig sind. Er macht kein Hehl aus seiner politischen Meinung über das Erstarken rechtspopulistischer Strömungen, Fremdenfeindlichkeit und den Parolen der ewig Gestrigen. In dem mit viel Verve vorgetragenem „Kampflied“ von Konstantin Wecker „Sage Nein!“ verdeutlicht er seine Haltung. Weich und berührend interpretiert er bekannte und neuere Lieder aus seinem umfangreichen Repertoire. Bette Middlers „The Rose“ und Bob Dylans „North Country Girl“, übersetzt ins Deutsche oder Französische, sowie Eigenkompositionen oder adaptierte Stücke befreundeter oder bekannter Künstler sprechen die knapp 130 Zuhörer in der gut besuchten Kirche ersichtlich an. Vater und Sohn begleiten sich ausschließlich auf der Gitarre. Im Duett ergänzen sich beide wunderbar. Sie beherrschen ihr Instrument virtuos und bringen die große kreative Bandbreite zum Ausdruck. Sehnsüchtig und dennoch drängend interpretieren sie Liebeslieder an „besondere Frauen“. Sanft, zärtlich und besinnlich wird Adam bei Stücken wie „’s Maria unn de Michel“ oder „Je l’aime à mourir“. Authentisch und mit viel Ausdruck in der warmen Stimme zaubern beide Musiker besondere Momente. Bei vielen Liedern singen Fans des Chansonniers mit. Adam lädt immer wieder dazu ein, mit ihm in Interaktion zu treten. Yann Loup interpretiert auf seine eigene Art den Song „Aline“ aus seinem vor zwei Jahren erschienen Album „Carte de visite“. „Der Text ist blöd, wie bei Helene Fischer auf Französisch“, erläutert er augenzwinkernd. Aus der Musik holt Yann Loup dann jede Menge Ausdruck hervor. Kernig-knackig intoniert, mit jazzigen Elementen unterlegt, stimmt das Publikum beim Refrain mit ein. „So lange ich Musik mache, werde ich dieses Lied zum Schluss spielen“, leitet Adam zu Dietrich Bonhöffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ über. Der protestantisch karge Kirchenraum mit seiner durchaus guten Akustik schafft einen wunderbaren Kontrast zur Emotionalität der vorgetragenen Stücke. Das Publikum dankt den beiden Musikern für diesen bewegenden Abend mit stürmischem Applaus. Infos —Konzert: Marcel Adam & Band am 8. August, 20 Uhr, im Frank Loebsches Haus in Landau. —Buchtipp mit CD: „Kleinkunst ist kein Rock’n’Roll“, Anekdoten aus Marcel Adams Leben als reisender Musiker; im Buchhandel.