Kaiserslautern
Heinrich-Heine-Gymnasium bereitet sich auf Schulstart vor
„Wir gehen am Montag unvorbereitet in den Tag“, ärgert sich Ulrich Becker, Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums, maßlos. Dabei war die Welt bis Mittwoch noch in Ordnung – soweit das während der Corona-Pandemie überhaupt möglich ist. Die Planung für den Schulstart am Montag war gemacht, die Hygienevorgaben umgesetzt. Beim Gespräch mit der RHEINPFALZ war Becker positiv gestimmt, die Vorfreude auf den Schulstart deutlich zu spüren. Am Donnerstagmorgen um 10.29 Uhr war es damit vorbei – das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz hatte die fünfte Fassung des Hygieneplans Corona an Schulen verschickt, zwei Tage vor Schulbeginn.
Der neue Plan mache vielfache Änderungen von Info-Materialien, Aushängen und schuleigenen Plänen erforderlich, schildert Becker. „Die Arbeit der vergangenen Woche ist in vielen Teilen Makulatur“, ärgert sich der Schulleiter. Wie er die Pläne unter zeitlichem Druck ändern und kommunizieren soll, wisse er nicht.
Schulleitung ist verantwortlich
Was Becker zudem stört: Bei allen Vorgaben sei es immer der Schulleiter, der die endgültige Verantwortung trage, ganz gleich, wie kurzfristig die Vorgaben einträfen. Da fühle er sich vom Land völlig alleingelassen. „Am liebsten würde ich Montag und Dienstag die Schule geschlossen lassen und mir die Vorgaben in Ruhe ansehen und die schulischen Pläne und Regelungen überarbeiten“, sagt er. Die neuen Regelungen ließen sich nicht einfach übers Knie brechen. So sehe der neue Plan beispielsweise vor, dass Türgriffe, PC-Tastaturen, Mäuse, Kopierer oder Lichtschalter mehrmals täglich gereinigt werden müssten – was bisher keine Vorgabe gewesen sei. Um diese und andere Regelungen zu erfüllen, bräuchte es eine Vorlaufzeit, betont er.
Enttäuscht über Vorgehen
Mittlerweile habe er Informationen von der Homepage genommen, weil diese nicht mehr aktuell seien. Nicht nur er allein, alle rund 1500 Schulleitungen in Rheinland-Pfalz seien von diesen kurzfristigen Änderungen betroffen. „Dass man so mit uns umgeht, hätte ich nie erwartet“, ist Becker fassungslos. Bei den Lehrern, Schülern und Eltern führten die kurzfristigen Änderungen zu dem Eindruck, als würde an den Schulen Chaos herrschen. „Dabei sind die Schulen das letzte Glied in der Kommandokette. Das ist wirklich deprimierend“.
Bisher hatte Becker Verständnis für die kurzfristigen Änderungen, im Moment stünden schließlich alle unter Druck. Dennoch waren viele Vorgaben vor allem davon gekennzeichnet, dass sie sehr spät kamen – oder gar nicht. Manche Änderungen erführen die Schulen schneller aus der RHEINPFALZ als aus dem Ministerium: etwa, in welcher Taktung gelüftet werden soll. Dies führe dazu, dass an der Schule bereits Anfragen eingehen, bevor eine offizielle Anweisung des Ministeriums vorliege, schildert Becker. Gleiches gelte für die Aussage des Bildungsministeriums, dass Sportunterricht möglich sei – welche Bedingungen hierfür gelten sollen, sei den Schulen allerdings nicht mitgeteilt worden. Unklar sei weiter, was mit den Schülern sei, die mit Risikopatienten in einem Haushalt lebten. Im Zweifel werde Fernunterricht für einzelne angeboten werden, vermutet Becker.
Drei Szenarien in Planung
Aktuell planten die Schulen für drei Szenarien, was auch ohne kurzfristige Änderungen einen hohen Arbeitsaufwand bedeute, so Becker. Szenario eins sieht den regulären Schulbetrieb vor, bei dem die Schüler in ihren Klassenräumen ohne Abstandsregelung und ohne Masken unterrichtet werden.
Bei Szenario zwei soll der Unterricht in einer Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht bestehen, und die Schüler müssten – wie vor den Ferien – in den Schulen die Abstandsregeln auch in den Klassensälen einhalten.
Szenario drei sieht eine komplette Schließung der Schulen und reinen Fernunterricht vor. Laut Bildungsministerium Rheinland-Pfalz sollen die Schulen in der Lage sein, nahtlos zwischen den drei Szenarien zu wechseln – eine Vorgabe, die Becker für utopisch hält. Ein Flyer, der den Lehrern Tipps gibt, wie sie ihren Fernunterricht gestalten können, kam in der letzten Ferienwoche.
Was bei all der Corona-Planung eher nebenher laufe, sei die eigentliche Schulentwicklung, schildert Becker. So werde ein elektronisches Klassenbuch eingeführt und für 50.000 Euro Endgeräte, genauer 50 IPads angeschafft. Sollte die Schule wieder auf Fernunterricht umstellen müssen, könnten die Schüler, bei denen die technische Ausrüstung fehlt, ein IPad erhalten. Dies mache allerdings einiges an Organisation notwendig, so müssten Verträge aufgesetzt werden, in denen das Ausleihen geregelt werde und auch die Software müsse aufgespielt werden. Sollten alle Eltern und Schüler einwilligen, sei es möglich, Fernunterricht nach Stundenplan über das Konferenzsystem zu machen – allerdings läge diese Einwilligung derzeit bei 15 Prozent der Schüler noch nicht vor.
Weiter erhalte die Schule 350.000 Euro aus dem Digitalpakt des Landes, mit denen die digitale Infrastruktur verbessert, Whiteboards für alle Klassensäle und 120 IPads für alle Lehrkräfte und Klassenunterricht gekauft werden sollen.