Kaiserslautern
Heiko Schulz mit dem Rad auf der „Grün Kap“-Tour nach Rügen
„Ich komme euch mal mit dem Rad besuchen.“ Das hat Heiko Schulz aus Asselheim vor einigen Jahren zu seinen Schwiegereltern gesagt. Und die wohnen nicht gerade um die Ecke, sondern auf der Insel Rügen – rund 860 Kilometer entfernt. Am 21. Juni wird der 47-Jährige das Versprechen einlösen. Und das verbindet er mit einem guten Zweck. Profitieren von seiner „Tour de Grün Kap“ auf dem Drahtesel von Grünstadt nach Kap Arkona wird die Grünstadter Hans-Zulliger-Schule. Von dort startet er heute (11 Uhr) seine Tour.
Wie kommt ein kinderloser Kfz-Sachverständiger auf diese Idee? Er habe eine Familie in seinem Bekanntenkreis, deren Sohn die Einrichtung mit Förderschwerpunkt Ganzheitliche Entwicklung besucht, erzählt Schulz. „Und ich wollte nicht einfach nur so just for fun losfahren.“ Purer Spaß ist das sowieso nicht. Der gebürtige Altleininger muss für sein Vorhaben sehr hart trainieren. Allerdings ist er daran gewöhnt. Heiko Schulz hat Ende der Neunzigerjahre mit dem Radrennsport angefangen. Seit 2007 ist er Triathlet des 1. FC Kaiserslautern, hat an Ironman-Wettkämpfen in Frankfurt und Köln teilgenommen. „Um dafür fit zu sein, muss man rund ein Dreivierteljahr bis zu 18 Stunden pro Woche laufen, schwimmen und Rad fahren“, erläutert er. Auf sein bevorstehendes Projekt bereitet er sich seit Januar vor, tritt wöchentlich 500 Kilometer in die Pedale. Im April hat er zudem 15 Tage lang auf Mallorca unzählige Höhenmeter auf zwei Reifen überwunden
Radlastiger Trainingsplan
„Mein Triathlon-Coach Tobias Alt, der sich Tobinature nennt, hat für mich kostenlos einen radlastigen Trainingsplan erstellt“, so Schulz, der auch regelmäßig zum Pilates beim TuS Sausenheim geht. Damit er den Plan trotz seiner Berufstätigkeit und auch bei mitunter unpassendem Wetter abarbeiten kann, hat er sich einen Rollentrainer für daheim gekauft. Dieser wird an den Laptop angeschlossen, über den das Gerät den wöchentlich variierenden Trainingsplan lädt. Das Fahren damit sei ziemlich authentisch, sagt der sportbegeisterte Pfälzer. Da seien Teilstrecken dabei, die sich anfühlten, als würde man im Windschatten eines Lkw radeln, und dann wieder Etappen, bei denen es steil bergauf gehe.
Schon mal 15 Stunden im Sattel
Das Gros des Trainings absolviert Schulz an den Wochenenden. „Samstags und sonntags sitze ich schon mal 15 Stunden im Sattel.“ Dabei schaue er entweder durchs Fenster in die Weinberge oder auf dem Monitor ein Video. Manchmal unterhält er sich auch einfach mit Musik. Das hört sich locker an, aber Schulz tritt 230 bis 280 Watt als Dauerbelastung. „Das werde ich noch steigern“, blickt er auf die kommenden drei Wochen, die die entscheidenden sein werden.
Anschließend wird er sich nach ein paar Erholungstagen aufs Rad schwingen und gen Norden aufbrechen. 250 Kilometer hat er sich pro Tag vorgenommen. Dabei wird er Abstriche machen müssen, zumindest in den Kasseler Bergen, die er nicht umfahren kann und die sicherlich sehr anstrengend werden. „Den Harz kann ich aber östlich liegen lassen“, freut er sich, „und weiter nördlich wird es flach.“ Die Tour wird sich live übers Internet verfolgen lassen.
Schulz hat alles bis ins Detail durchgeplant, überlässt nichts dem Zufall. „Mein Schwiegervater und meine Frau Anne werden mich im Wohnmobil begleiten.“ In dem Fahrzeug wird alles transportiert, was der 47-Jährige braucht: Verpflegung, ein zweites Rad, das speziell für die Berge geeignet ist, und ein ganzes Ersatzteillager. „Ich will unabhängig von Geschäften entlang der Strecke sein“, erklärt er. Und auch auf Übernachtungsbetriebe, die er zu bestimmten Zeiten ansteuern muss, ist er nicht angewiesen.
„Das Geld fließt komplett an den Förderverein der Hans-Zulliger-Schule“, betont der Asselheimer, der besonders gern früh morgens in die Pedale tritt: „Das ist Freiheit pur, wenn man an der frischen Luft unterwegs ist, Rehen begegnet und die Vögel zwitschern hört.“ Und nach dem Absteigen sei es ein tolles Gefühl, sich sportlich betätigt zu haben.