Kaiserslautern Heißer Soul statt Humba Täterä

Ganz in Weiß: Die famose zehnköpfige Kult-Band, in der alle Musiker Fred Kellner heißen.
Ganz in Weiß: Die famose zehnköpfige Kult-Band, in der alle Musiker Fred Kellner heißen.

Seit 31 Jahren ist sie nun schon auf der Bühne, und ihre Spielfreude ist größer denn je: die Fun-Band Fred Kellner. Seit das Kulturzentrum besteht, seit 1988, feiert die Kammgarn an Rosenmontag mit dem Kölner Kult-Act die alternative Faschingsparty. Devise: Disco-Fieber statt „Humba Täterä“, die „famose Soulsister“ statt schlüpfrige Frauenwitze. Funk- und Soulsongs, die man mit den Beinen hören konnte. Und das zweieinhalb Stunden lang ohne Pause. Rund 300 Anti-Fastnachter waren aus dem Häuschen.

„Wir müssen morgen Mittag wieder in Köln sein“, rief Fred Kellner (Bassist und Gründungsmitglied Ralf Günter), der Einpeitscher. „Deswegen verzichten wir auf lange Ansagen.“ Schon mit dem ersten Song brodelte der Saal, lief der Motor auf Betriebstemperatur. Die zehnköpfige Band, in blütenweißen Kostümen im Stil der 1960er und 1970er Jahre, tobte sich in ununterbrochenen Explosionen aus und nahm die Zuhörer ins Dauerfeuer. In Hochform die „Horny Horny Horns“. Der Saxophonist spielte eine brandheiße Kanne. Der Trompeter blies schneidende Riffs und peitschenartige Linien. Und wenn der Posaunist die Posaune an die Lippen setzte, vereinte sich die Jazzgeschichte in seinem Instrument: Frech und rotzig wie in den besten Zeiten in Chicago bellte sie los. Die Musiker karikierten dabei jeden Song und parodierten das amerikanische Stargehabe mit humorvollen Übertreibungen: lautstarke Ankündigungen immer neuer Höhepunkte und Sensationen. Stereotypen aus Auftritten anderer Künstler wurden überspitzt zitiert: so die Ankündigungen des „Sexy-Soulman“, „The Grandfather of Soul“ oder des „Hardest Working Man in Show Business“. „Und jetzt kommt der Agnostiker unter den Soulmans. Er ist heute Abend hier“, kündigte der Animateur an und schrie sich die Seele aus dem Hals. Was die Amerikaner nicht beherrschen: Fred Kellner versteht sich zu klonen. Am Schlagzeug: Fred Kellner; an den Kongas: Fred Kellner; Fred Kellner an Bass, Gitarren, beiden Keyboards. Die Musiker mit den uniformen Namen sangen sich zungenakrobatisch in Ekstase, kreischten mit den Gitarren, flankiert durch brodelnde Bassfiguren, während „The Kellner Horny Horny Horns“ mit rasanten Staccati messerscharfe Bläsereinwürfe in das heiße Gemenge stießen. Ruckzuck war alles in Bewegung. Und dann kam der „very special surprise act“: die „famooose Souououlsister“. Susanne Engelke, deren Schwester Anke seit vier Jahren nicht mehr mit an Bord ist, zelebrierte das hemmungslose Image einer Asphalt-Lady und fragmentierte die Songs auf nahezu enthemmte Weise. Ein weiterer Running Gag: Die Band verbreitete die Legende, dass alle großen Soul-Hits in Wirklichkeit von Fred Kellner komponiert wurden und Verwandte wie „Ike Kellner“, „Earth, Wind & Kellner“ oder „The Kellner Five“ die Songs plagiiert oder billig gekauft hätten. Mit unwiderstehlicher Frauenpower brachten die „Wonder-Women der Soulmusik“, Alana Alexander und Tsega Tebege, Glitzerkleid und mit Perlen besetzter Kopfschmuck, das Stimmungsbarometer endgültig auf den Siedepunkt. Mit melismatischen Sturzflügen, Schreien, die den Himmel aufreißen könnten, und ungezügelter Wildheit brachten die drei Sängerinnen das Publikum zum Kochen. Ihr „Lady Marmelada“ von Christina Aguilera war der Gipfel. Ständig warteten die „Hot-Ten“ mit neuen Überraschungen auf. Da forderten sich Saxophon und Sänger gegenseitig heraus und entflammten mitreißenden Funk, entfalteten der Schlagzeuger mit Bischofsmütze und der Zerberus auf Congas, Timbales, Blech einen wirbelnden Rhythmusteppich, holte der Bassist den letzten Schweinedreck aus dem Gerät. Und „Fred-Gitarrero“ gab mit Jaul- und Splitterklängen die Rampensau. Sahnehäubchen inklusive Schokoladenstreusel waren die „Super Sonic Silver Strings“, drei junge Geigerinnen, die die reinsten Kunststückchen vollführten. In mitreißendem Stil präsentierten sie moderne Songs international erfolgreicher Künstler mit verblüffender Authentizität und eruptiver Schärfe. Der Brennstoff der „Kellners“ schien nicht auszugehen.

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