Hintergrund
Handball-Duelle der Barbarossastädte
Deutschlandweit gibt es nur fünf Städte, die die amtliche Zusatzbezeichnung „Barbarossastadt“ tragen dürfen. Am vergangenen Wochenende kam es zum Duell der Handballvereine aus Kaiserslautern und Gelnhausen. Das sind eben zwei der Städte, die nach dem legendären deutsch-römischen Kaiser Friedrich I. aus dem Hause der Staufer benannt sind. Dabei teilen der TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg und der TV Gelnhausen nicht nur eine gemeinsame Stadtgeschichte, sondern auch die Vereine selbst haben eine interessante Vergangenheit miteinander.
Ende der 1980er-Jahre hatten beide Vereine aufstrebende Mannschaften, die in ihren Regionalliga-Staffeln um den Aufstieg in die zweite Handballbundesliga kämpften. So kam es 1988 zum Duell der beiden Teams in den Endspielen um den Aufstieg in die Zweite Liga. Das Dansenberger Team um Erfolgscoach Thomas Woll reiste zunächst nach Gelnhausen wo der TuS in einer prall gefüllten und mit Zusatztribünen erweiterten Halle vor mehr als 2500 Zuschauern einen 16:13-Auswärtssieg einfuhr.
Ein Tor gibt den Ausschlag
Der TV Gelnhausen reagierte, indem er am Montag darauf seinen Trainer entließ und für das eine Woche später stattfindende Rückspiel einen neuen Trainer engagierte. Torhüterlegende und Rekordspieler Ulrich „Ulli“ Schaus, der damals für Gelnhausen zwischen den Pfosten stand, erinnert sich: „Nach der Niederlage im Heimspiel musste eine Notmaßnahme her, um unsere Chancen im Rückspiel zu erhöhen. Mein ehemaliger Trainer vom Bundesligisten TV Hüttenberg ist dann eingesprungen und hat uns eine für eine Woche trainiert.“ Am Samstag darauf reiste der TV nach Dansenberg, wo er in einem nervenaufreibenden Spiel einen 15:11-Sieg und den damit verbundenen Aufstieg in die Zweite Liga erringen konnten. Schaus erzählt von den dramatischen Schlusssekunden: „Die Partie war schon abgepfiffen, doch Dansenberg bekam noch einen direkten Freiwurf. Dieser sprang vom Innenpfosten wieder raus.“ Hätte der TuS Dansenberg zum 12:15 getroffen, wäre er anstelle von Gelnhausen aufgrund der Auswärtstorregel aufgestiegen.
Drei Jahre später gelang dann auch dem TuS Dansenberg, nach mehreren gescheiterten Anläufen, der Aufstieg in die Zweite Liga, sodass es vier Jahre später, in der Saison 1992/93, dann zum Wiedersehen in der Zweitligastaffel Süd kam. Am Ende dieser Saison stand für beide Mannschaften der Abstieg. Allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Während der TV Gelnhausen als abgeschlagener Letzter den Gang zurück in die Regionalliga antreten musste, schloss der TuS Dansenberg die Saison sportlich solide auf dem achten Tabellenplatz ab, meldete aber seine Mannschaft aus der Liga ab.
Langes Warten auf erneutes Duell
Gelnhausen gelang 2002 erneut der Aufstieg in die Zweite Bundesliga, in der sich der Verein bis 2007 halten konnten. Nach dem letzten sportlichen Aufeinandertreffen in der Saison 1992/93 sollte es fast 30 Jahre dauern, bis der TuS 04 und der TVG erneut aufeinandertrafen. In der Ligapokalrunde der Saison 2021/22 wurden beide Teams der gleichen Vierergruppe zugeordnet. Während Gelnhausen in Dansenberg ein 24:24-Unentschieden holte, gewannen die Pfälzer in der „Rudi-Lechleidner-Halle“ mit 31:27 und sicherten damit die Qualifikation für den DHB-Pokal.
Seit der Saison 2022/23 sind beide Vereine der Dritten Liga Staffel Süd-West zugeteilt. Das Duell am Samstag in der hessischen Barbarossastadt konnte der TVG mit 33:23 deutlich für sich entscheiden.