Kaiserslautern
Hamdy Reda zeigt seine Fotografien in der Kaffeerösterei
Wie zeigt man eine Ausstellung, wenn die Türen verschlossen sind? In den Schaufenstern und durch die Schaufenster an den Wänden. So geschehen in der „Kaffeerösterei in der Steinstraße. Kein geringerer als Hamdy Reda, der international bekannte, Kairoer Fotograf und Wahllauterer zeigt dort seine neue Serie „Underwater Flowers“ unter dem Ausstellungstitel „Look Down“. Teile davon waren zuvor schon bei Thomas Brenners Aktion „Kunst bleibt“ zu sehen.
Sollte der Titel „Look Down“ eine humorige Anspielung auf den Lockdown sein? Sicher, wenn man das verschmitzte Lächeln des Ägypters kennt. Und Humor ist ja bekanntermaßen, wenn man trotzdem lacht. Wer sich also per pedes oder auf dem Rad in Richtung Steinstraße 27 macht, wird durch brillante, ideenreiche Fotografie belohnt. Die Zartheit und Zerbrechlichkeit dünner Blütenblättchen wird durch das Fotografieren auf dem Boden eines Schwimmbassins ins fast Unwirkliche übersteigert. Sie könnten schier aus einem Märchen stammen, diese Unterwasserblüten. Aus einem mit vergifteten Prinzessinnen und waschechten Schönlingen als Prinzen.
Chormusik ist gefragt
Die von Natur aus schon bezaubernden und betörenden Farben der Gartenblumen erfahren durch die Unterwasserfotografie eine mächtige Überhöhung, die schon fast sakral wirkt. Man bräuchte wirklich die Stimmen von vielköpfigen Chören, um sich eine passende Begleitmusik einfallen zu lassen. Der immer gleiche wasserblaue Hintergrund mit sich gedämpft spiegelndem Sonnenlicht verleiht dieser Art Naturfotografie zusätzlich einen betörenden Zauber. Dass es sich dabei um einen profanen Schwimmbadanstrich handelt, darauf kommt in der gerne mal leicht abgedrehten Kunstwelt sicher keiner. Entsprechende Spekulationen im Rahmen einer Vernissage könnten da sicher für Erheiterung sorgen. Tut aber nichts zur Sache, denn entscheidend ist ja, was hinten rauskommt.
Weiter ist Reda an der Programmplanung für Lauterns kleinste Galerie namens „Brownian Motion“ beschäftigt, die er mit seinem Künstlerfreund Jörg Heieck in der Medicusstraße betreibt. Dazu ist er mit verschiedenen jungen Fotografen, etwa aus Ägypten oder Deutschland, in Kontakt. Die RHEINPFALZ berichtet, sobald die Umstände es erlauben und das „Brownian Motion“ wieder an den Start geht.
Ideen sind gefragt
Mit seiner doch mehr als unüblichen Schau in der „Kaffeerösterei“ ist Hamdy Reda nun ein weiterer Künstler, der sich in diesen Zeiten etwas einfallen lässt. Das Publikum wird es ihm sicher danken. Schön wäre es, würde die Kaffeerösterei wenigstens einen Teil der Abendstunden das Licht einschalten. Denn noch findet ja nicht jeder Zeit vorm Dunkelwerden. Wenn’s sein muss, kann ja ein Spendenkässchen helfen.