Kaiserslautern Hacke – Spitze – Wechselschritt

Die Jim Everett Band aus dem Hunsrück beeindruckte am Samstagabend im Ramsteiner Haus des Bürgers 250 Country-Fans mit authentischen Instrumenten und Musikern, die ihr Handwerk verstehen. Rund 200 Line-Dancer aus der ganzen Region tummelten sich dabei auf der Tanzfläche. Mehr als drei Stunden lang wirbelten und tanzten sie zur Musik.
Schick sind sie angezogen, die Line-Dancer: Stiefel an den Füßen, Gürtel mit dekorativer Schnalle, Bolotie – das ist eine Cowboy- oder Schnürsenkel-Krawatte – und breitkrempiger Cowboyhut. Sogar aus Frankreich kommen die Country-Fans in die Westpfalz, um zu tanzen. Rechter Fuß tipp, tipp, tipp, linker Fuß tipp, tipp, tipp und Hacke – Spitze – Wechselschritt. Und das alles mit einer bewundernswert raschen Geschwindigkeit. Eine unsichtbare Hand scheint die Schrittfolgen der Tänzer zu lenken, denn alle tanzen sie (fast) synchron. Dabei sieht alles so lässig aus. Ganz ungezwungen und leger lehnen die Herren ihre Hände an die Hosentaschen. Zu jedem Song gibt es dabei offensichtlich eine andere Schrittfolge, die der Bandleader von der Bühne aus ansagt. Jim Everett mit seinem farbigen Symbol auf dem Rücken seiner Westernjacke sieht aus wie ein echter Cowboy. Und erst seine Stimme! Seine sonore Patriarchenstimme klingt mal raubauzig, mal rauputzrau und hat Blues-Intensität. Durch über hundert Auftritte hat sich der in Georgia (USA) geborene und in Mississippi aufgewachsene Musiker mittlerweile von Idar-Oberstein bis Dubai einen Namen gemacht. Als 17-jähriger GI kam Everett durch die Army nach Deutschland, wo es ihn nach Idar-Oberstein verschlagen hat. Seit 1983 ist er Frontmann der hochmotivierten Countryband „Iron Wells“, die ein Jahr später als „Southern Blend“ firmierte und nach zehn erfolgreichen Jahren in Jim Everett Band umbenannt wurde. Im Programm hat die Band querbeet alle Stilrichtungen, darunter so bekannte Songs wie „Ghost Riders“ von Peter, Paul und Mary, „Truck Drivin’ Man“ von Terry Tell, „Folsom Prison Blues“ von Johnny Cash, „Lonesome Me“ von Don Gibson oder „On The Road Again“ von Willie Nelson. Aber auch moderner Country-Rock steht auf dem Plan. Oft beziehen sich die Texte auf die amerikanische Lebensverhältnisse, beschreiben persönliche Erfahrungen oder kommentieren aktuelle Ereignisse, nicht selten humorvoll. Dabei musiziert die Band mit einer Non-Stop-Virtuosität, die spüren lässt, die Jungs spielen aus Spaß drauflos. Ein erregendes Wechselspiel ergibt sich zwischen Everetts scharfkantigem Splitterspiel auf der Rhythmusgitarre und den gedehnten Klängen von Harry Landsraths Leadgitarre. Dazu liefert Tom Greinert am Schlagzeug einen derart komplexen Rhythmusteppich, dass Hermann Dauphin sich mit seinem energetisch pulsenden Bass oft dem Duo-Spiel der Gitarren anschließen kann. Am interessantesten aber ist die Pedal Steel Guitar, auf der der Saarbrücker Alf Breuer agiert. Sie besteht aus zwei Hälsen zu je zehn Saiten, die in einem tischartigen Gestell eingebaut sind. Der Spieler sitzt auf einem Hocker hinter dem Instrument und bedient mit dem Fuß die an Metallstangen angebrachten Pedale, mit dem Knie die unter dem Rahmen angebrachten Kniehebel. Mit Hilfe einer Stahlkappe über dem Finger gleitet er über die Saiten, die dann ähnlich wie eine Hawaiigitarre klingen. Das gibt der Musik eine ganz besondere Note. Die Line-Dancer sind an dem Abend unermüdlich und tanzen mehr als drei Stunden lang, bis die Sohlen glühen.