Kaiserslautern „Hört ja net uff“

Das 17. International Burg-Jazz-Festival auf dem Nanstein ist geschafft. Fünf Bands mit Musikern aus Frankreich, Polen, USA und Deutschland verbreiteten eine Stimmung wie selten zuvor. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Walter Falk bilanziert Peter Agne, Vorsitzender des ausrichtenden Unnerhaus Kulturclubs, die beiden Festivaltage.
Nun gut, im Verhältnis zu den letzten fünf verregneten Festivals können wir einen kleinen Aufwärtstrend verbuchen. Aber man hätte ja immer gern noch ein bisschen mehr. Gott sei Dank hat uns der Regen diesmal verschont, obwohl ringsum Gewitter niedergingen, hatten wir Glück. Doch das schlechte Wetter in Kaiserslautern hat dennoch etliche Besucher abgehalten. Wir müssen zufrieden sein, wenn man die schlechten Jahre zuvor betrachtet. Musikalisch gesehen war es ja eines der Top-Festivals... Das ist richtig. Sowohl die Bremer Fireballs als auch das polnische Jazz Band Ball Orchestra waren allererste Sahne. Viele Besucher haben mir auf die Schulter geklopft und priesen die gute musikalische Mischung, die vom New Orleans und Dixie über den reinen Swing bis hin zu Blues, Funk und Shuffle viele Jazzrichtungen enthielt. „Hört ja net uff“, haben viele gesagt. Der Besuch war ja mit rund 300 Leuten pro Abend auch nicht schlecht... Es könnte besser sein, aber wir sind zufrieden. Wir hatten wieder Gäste aus Mainz, Koblenz, Ludwigshafen, viele Saarländer waren da und auch Vorderpfälzer, und was mich am meisten freut: Etwa die Hälfte der Besucher am Freitagabend waren Amerikaner, am Samstag waren es etwas weniger. Nur aus Landstuhl und Umgebung kommen leider wenige. Sogar ein Ehepaar aus Zürich beehrte uns – und ein Jazzfan aus England. Die Konkurrenz von Stadtfesten mit kostenlosem Eintritt wird außerdem immer größer. Das Festival wurde von drei auf zwei Tage abgespeckt. Wie kam das an? Viele Leute haben mich auch darauf angesprochen und zeigten sich sehr zufrieden mit der neuen Struktur. Falls wir weiter machen, werden wir auf jeden Fall bei diesem neuen Konzept bleiben: zwei Bands pro Abend, wobei eine Band der Top-Act sein soll. Am Nachmittag schon anzufangen, das war für alle – sowohl für uns und unsere Helfer als auch für die Besucher – viel zu stressig. Und es kostete uns ’ne Menge Geld mehr. An der After-Show-Party im Batterieturm werden wir auf jeden Fall festhalten. Da herrschte wieder eine unglaubliche Stimmung. Manche Besucher kommen eigens deswegen zu uns auf die Burg. Wenn’s richtig dunkel wird, herrscht ja auch eine unglaubliche Atmosphäre auf dem Nanstein. Haben Sie schon finanziell Bilanz gezogen? Im Moment kann ich noch nicht abschätzen, wie wir über die Runden kommen. Wir kalkulieren ja immer so, dass wir mit den Sponsorengeldern – vielen Dank an alle – die Bands finanzieren können. In diesem Jahr haben wir wegen der Polen und Franzosen immens hohe Übernachtungskosten. Hinzu kommt, dass die Nebenkosten in jedem Jahr immer höher werden. Der Kran ist sehr teuer, dazu kommen Gema, Werbung, Druckkosten für unser Heft, die Flyer, die Plakate, Security, die Beschallung und und und. Ihren Worten ist zu entnehmen, dass Sie nächstes Jahr trotz allem weitermachen wollen? Im Moment bin ich nur platt und müde. Wenn du beim Vorbereiten bist, der Schweiß an dir runterläuft und du um Helfer betteln musst, fluchst du: Nie wieder! Wenn das Festival aber gut läuft und wir Anerkennung erhalten, denkt man: Vielleicht doch wieder. Mal sehen. Jetzt lehnen wir uns erst mal zurück, rechnen durch. Wir sind einfach reif für die Insel. Eine Idee beschäftigt mich aber in letzter Zeit: Vielleicht könnte man Jazzreisen mit Bussen aus weiteren Regionen zu unserem Jazzfestival organisieren. Übernachtungsmöglichkeiten haben wir in Landstuhl genügend. Ich danke fürs Gespräch. (fk)