Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hämatom spielt zu Halloween im Kulturzentrum Kammgarn

Horror auf der Bühne: Hämatom.
Horror auf der Bühne: Hämatom.

Der letzte Tag im Oktober. „Halloween“ für die meisten, die an diesem Abend unterwegs sind. Auf dem Weg zur Kammgarn Gruppen von gruselig verkleideten Kindern, die an Türen klingeln und Süßes fordern. Im Hof des Kulturzentrums ein eigens aufgestellter, mit zahllosen düsteren T-Shirts beladener Merchandise-Wagen der an diesem Abend aufspielenden Gruppe Hämatom.

Drinnen im Foyer dann eine dicht gedrängte Menge erschröcklich gewandeter und geschminkter Zombies und sonstiger Grusel-Gestalten. Sogar ein aufwändig gestalteter großer „Marshmallow-Mann“ aus dem ersten „Ghostbusters“-Film ist kostümmäßig dabei. Es ist Halloween, es ist die Zeit des Gruselns, es ist die Nacht der zumindest inhaltlich passenden Musik. Headliner Hämatom und ihre Supporter Zombiez sollten in dieser Nacht den passenden Live-Soundtrack liefern.

Zunächst also die Zombiez. Maskierte Horrorcore-Rapper, die zu meist schleppenden Beats ihre stil- und interpretationsbedingt oft schwer zu verstehenden, deutschsprachigen und harten Texte mit Wucht ins Publikum schleuderten. So richtig mitreißen konnten sie damit allerdings nicht. Die Begeisterung und der Applaus hielten sich drinnen im Kasino im Rahmen, ein guter Teil der Besucher hielt sich während des Auftritts ohnehin draußen im Vorraum auf. Übel war der Auftritt indes nicht. Etliche rasante Speed-Parts etwa und präzise Einsätze auch bei komplexen Vokalpartien konnten ordentlich beeindrucken.

„Pommesgabel-Hände“ inklusive

Dann also Hämatom, eine an mehreren Varianten des Stils gleichermaßen gut orientierte Metal-Band aus Franken mit mittlerweile 20-jähriger Bühnenerfahrung – und nicht zum ersten Mal vor Ort. Sie zeigte sich erneut und erwartungsgemäß oft deftig in der Ausdrucksweise ihrer ebenfalls deutschsprachigen Titel und nicht minder hart in ihrem straighten, mitreißenden, eruptiven, auf Ohr und Beine einwirkenden Hämatom-Personalstil – beständig gereckte „Pommesgabel-Hände“ inklusive.

Das alles wirkte. Und wie es das tat. Vom ersten Moment an, nachdem der große Bühnenvorhang gefallen war, ging bei den meist nach Himmelsrichtungen benannten, unter anderem als Pest-Doktor und Freddy Krueger maskierten und kostümierten Bandmitgliedern der Metal extrastark ab. Und auch die manchmal recht deutlichen Texte von Hämatom haben es in sich.

Wer ist Gott?

Mit ihnen prangerten Sänger „Nord“, Gitarrist „Ost“, Schlagzeuger „Süd“ (in der aktuellen Kammgarn-Besetzung allerdings in Person eines Ersatzmannes für den zwar anwesenden, aber verletzten Original-Drummer) und die neu zur Band gekommene Saiten-Frau „Rose“ gesellschaftliche Missstände an, zeichneten endzeitliche Szenarien („Leichen pflastern unsern Weg“), haderten mit dem für sie existierenden Gott wegen des Schicksals ihres im August letzten Jahres verstorbenen Bassisten „West“. Später, gegen Ende des Konzerts, stellte man indes fest: „Wir sind Gott“. Was kein Widerspruch sein muss, wenn man zwischen die Zeilen der Lied-Texte hört.

Überhaupt bot die Band an diesem langen Abend im komplett ausverkauften Kasino – nicht nur, aber oft textmäßig – so manche positive Überraschung. Das anrührend-nostalgische, auch musikalisch etwas zurückgenommene „Lichterloh“ über die vergangenen (Jugend-)Zeiten gehörte etwa dazu. Da wurde denn sogar, wohl als Zeichen der Besonderheit des Augenblicks, die lange Vogelmaske des Pest-Arztes „Nord“ abgenommen. Hinzu kamen an oft unerwarteter Stelle ungewohnt Folkoristisches und schnelle Rap-Passagen, im letzten Drittel des Auftritts ein erhöht gespieltes Intermezzo mitten im Publikum, dazwischen zweimal Funkensprühen und ein Papierschnipsel-Regen.

Es war die Nacht des Grauens, zweifellos. Aber in Sachen Musik in der Kammgarn wurde man über weite Strecken hinweg angenehm dazu passend und so gar nicht grauenvoll unterhalten.

x