Kaiserslautern Gute Ansätze

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„Doppelt genäht hält besser“, sagt der Volksmund. Was aber, wenn sich zu zwei Darstellern wie Lokalmatador Eckhard Richter und seinem Podiumskollegen Achim Pauli noch eine weitere Attraktion in Gestalt von Liedermacher Luca Tarantini gesellt? Im wieder dicht besetzten Foyer der Landstuhler Stadthalle schienen daher die Voraussetzungen optimal, um in der Reihe „Schön gehört“ am Mittwoch für Schlagzeilen – im gewollten Sinn – zu sorgen.

Ein verspäteter Beginn, dazu mit einer technischen Panne der Beschallung und ein sich im gemütlichen Plauderton zunächst in Plattitüden verlierender Achim Pauli als Conférencier führten zunächst die Dringlichkeit des Liedes „Wir müssen reden – wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht wir, wer dann?“ scheinbar ad absurdum. Eilig hatten es die Drei nicht, auf den Punkt zu kommen. Am Besten punktete da der Sänger und Gitarrist Tarantini mit gekonnt geschlagenen Akkorden auf der Gitarre im mitreißenden Rhythmus bei guter Stimme. Abtasten, Suche nach Zugang zum Publikum und zunächst wenig Substanzielles – das klingt nach flachem Beginn. Und doch könnte man es, positiv gestimmt, auch anders interpretieren. Denn: Das Programm nahm zunehmend Fahrt auf, segelte auf gesellschaftliche, politische Widersprüche, Ungereimtheiten zu, erhob Banalitäten und fragwürdige moderne Errungenschaften zum Paradoxon, anstelle sie zu würdigen. So war die Auflistung der Jubiläen gepaart von Widersinn und Hintersinn: 150 Jahre Bahnhof Ramstein – klingt nach Würdigung. Näher betrachtet, ist der ehemalige Bahnhof aber ein Szene-Bistro mit dem Namen Paradox. Nomen est Omen, denn Bahnhöfe an Nebenstrecken haben nicht mehr die einstige Bedeutung und Nutzung. Ob der seit 50 Jahren aufgestellte Geldautomat ein Segen ist? Die Protagonisten rissen solche Fragen und Themenfelder an, kamen aber zu wenig auf den Kern. Sie nutzten nicht immer die Chance der gedanklichen Weiterführung, Zuspitzung oder Karikatur. Schließlich betraten sie die politische Bühne, hinterfragten den Sinn eines Ressorts wie das Heimatministerium. Eckhard Richter sinnierte: „Heimat ist da, wo der Mensch daheim ist. Braucht er dafür einen Minister?“ An diesem Punkt erklärte Pauli das „Spiel Deutschland“ mit dem Grundgesetz als Spielregeln und der Spielaufteilung in Bundesländer. Und wenn man so wollte und weiter dachte mit einer Aufteilung nach Lastenausgleich. Ein interessanter Vergleich (an Monopoly erinnernd), der aber in Streiflichtern bei weiteren Abschweifungen stecken blieb. Anstelle eines geschärften Blickes auf politische Konstellationen ergab sich ein eher diffuses Bild. Zurück zum Anfang: Die angedeutete Leere und möglicherweise für manche auch Langeweile könnte auch als Hinweis auf den Zeitgeist verstanden werden. Menschen, die sich in einem angedeuteten Sketch über Facebook und weiteren Netzwerken mit Banalitäten beschäftigen, sich nichts mehr zu sagen haben, agieren in dieser Charakterisierung des Trios lustlos und empathielos. Nach der Pause hätte das Programm mit der Umweltproblematik punkten können. Gute Ansätze dazu gab es in Hülle und Fülle. Die Verkleidung Paulis als Biene lockerte zwar auf, dennoch verflachte auch wieder diese Episode, wenn auf Stammtischniveau Fragen gestellt und beantwortet wurden. Beispiel: „Warum summt eine Biene? Weil sie den Text vergessen hat.“ Immerhin löste der italienische Schnellkochtopf als „Garibaldi“ so en passant als Gag eingeschoben Lachsalven aus. Und das Kapitel künstliche Intelligenz mit selbstfahrenden Autos, kochendem Thermo Mix und selbst steuernden Teppichreinigern zeigte zwar, dass der Mensch seinen Alltag zunehmend der Technik überlässt. Was fängt er aber mit der gewonnenen Freiheit an? So betrachtet könnte die Veranstaltung zum eigenen Nachdenken anregen!

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