Kaiserslautern Groove regiert die Welt
Ganz lapidar ist das gerade erst erschienene Album der Band Federkeil De-Jazz „Blau“ betitelt. Die RHEINPFALZ hat schon mal in den „Bläuling“ des renommierten saarländischen Schlagzeugers Elmar Federkeil reingehört, der als Absolvent des berühmten P.I.T. in Los Angeles/USA schon seit über 20 Jahren auch Mitglied der Stephan Flesch/Markus-Ziegler-Band ist und damit von kommendem Montag bis Mittwoch wieder in der Kammgarn mit der Knecht Rupprecht Band zugange ist.
Das Album ist genau zum 25-jährigen Dienstjubiläum des Drummers herausgekommen und bezeichnet nicht etwa einen menschlichen Zustand. Es gibt äußerst selten Alben, bei denen nach wenigen Sekunden klar ist: Dies ist was ganz Besonderes. Die CD ist nicht nur witzig, sie ist mit ihren zehn Titeln bei 62 Minuten außergewöhnlich originell. Fünf Gründe gibt es, die belegen, dass sie in keinem Plattenschrank fehlen darf. Erstens: Schon das Cover ist außergewöhnlich – wunderschön himmelblau, zeigt es Federkeil mit seinen beiden langjährigen musikalischen Freunden, wie sie sich mit ihren Instrumenten auf dem Erdglobus postieren. Zweitens: Die deutsche Sprache im Jazz ist nicht neu, aber die selbst geschriebenen Texte sind originell, witzig, besinnlich und mindestens so ansprechend wie die von Andreas Bourani. Drittens: Die Klänge und Linien reiben sich aneinander und geben der Musik einen ekstatischen Charakter. Viertens: Die Melodik ist polyphon, verschiedene Melodien legen sich oft übereinander, und Kai Werth (Mainz), der seine Stimme mit dem legendären Fender-Rhodes-Sound der 1970er Jahre verschmilzt, hat die Texte unglaublich melodisch und virtuos umgesetzt. Das klingt oft stark unterkühlt. Werth überzieht sie jedoch auf dem metallisch klingenden Piano mit einer zusätzlichen Schicht dünnen Eises, das die Wirkung wie der Iglu eines Eskimos entfacht – wärmend und Leben spendend. Fünftens: Der Rhythmus hat einen umwerfenden Groove. Dem Trio ist es gelungen, dem „Bläuling“ ein Höchstmaß an Lebendigkeit zu verleihen. Zwischen Abstechern in den Funk-Minimalismus, Uptempo, Latin oder Jazz-Pop brodelt und zischt es gewaltig, ergreifend, aber ganz ohne Pathos. Ihre Power wirkt nicht durch den Lärm der Rockmusik, sondern durch Raumtiefe, Fülle und sich überlagernde Komplexität der Sounds. Es dominiert eh die Kunst der Reduktion. Entschlackt von üppigem Beiwerk, gibt es Passagen von purer Essenz. Die sparsam instrumentierten Stücke verbindet aber ein imaginärer Fluss, gestützt von der Hauptsäule ihrer Sound-Philosophie: den kompakten, auf festen rhythmischen Strukturen beruhenden leisen Songs. Federkeil hat die afrikanische Polyrhythmik verinnerlicht. Einerseits trommelt er wie gewohnt hart und dicht, oft aber belebt er die Stücke mit einer virtuosen, feinst verwirbelten Percussion mit Auslassungen und Andeutungen. Mit seinem Partner Andrew Lauer (Köln), der auf dem Bass mit stilistischen Tricks wie Popping, Slapping, Tapping und Hammering brilliert, versteht er sich so gut, dass durch winzige Verschiebungen im Rhythmus der beiden eine Art Schwebezustand entsteht. Mit dem letzten Titel „Feuerwerk“ ist aber noch lange nicht Schluss. Fünf Minuten und zehn Sekunden lang herrscht absolute Stille (wie beim letzten e.s.t.-Album „Leucocyte“), bis die Band mit Trommelschlägen wieder einsetzt und sich zu einem wahren Feuerwerk steigert. Da kann man mit dem Titel Nr. 8 nur sagen: „Der Groove regiert die Welt“. CD-Tipp: Elmar Federkeil: „Blau“; beziehbar im Amazon-Download, im I-Tunes-Store und über www.federkeil.eu.