Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Grobschnitt feiern im Kulturzentrum Kammgarn ihr Debüt

Traten zum ersten Mal in der Kammgarn an: Grobschnitt.
Traten zum ersten Mal in der Kammgarn an: Grobschnitt.

Die Band Grobschnitt gibt es nun schon seit über einem halben Jahrhundert. Dennoch war sie noch nie in Kaiserslautern zu Gast.

Das änderte sich am Samstagabend, als Grobschnitt im gut besetzten Kasino der Kammgarn 55 Jahre nach ihrer Gründung nun auch endlich ihr Lautrer Debüt gab. Und das war an diesem Abend noch längst nicht alles an Bemerkenswertem. Zum einen: Es war freilich nicht mehr das Original-Line-Up der sich schon früher häufig veränderten Formation. Von den Gründungsmitgliedern ist bei den aktuellen „Acoustic Party“-Konzerten nur noch Leadsänger/Gitarrist Stefan Danielak, Künstlername Willi Wildschwein, und Gitarrist Gerd Otto Kühn, genannt Lupo, mit dabei. Zusammen mit des Frontmanns Sohn Stefan Danielak jr. alias Nuki (Gitarre) bildete man nun also ein akustisches Trio.

Das führte zweitens dazu, dass man an jenem Abend zwar all die bewährten Titel wie „Vater Schmidt’s Wandertag“ (eine beißende Kritik an der Technikgläubigkeit) quer durch die Jahrzehnte ihrer Entstehung präsentierte, sie aber eben jenseits der einstigen gravitätischen Kraut-, Deutsch- und Progressive-Rock-Fundamente in neuem Gewand interpretierte – ohne Bass, ohne Keyboard, ohne Schlagzeug (aber streckenweise immerhin gekonnt mit hinreichender Percussion gestützt von Nuki).

Der Geist früherer Zeiten

Es spricht für die Fähigkeiten der drei Musiker, dass sich dabei dennoch ein dezidiert dichter Sound entwickelte, der den Geist der frühen Zeiten durchaus zu reanimieren im Stande war. Mehr noch: Die aktuelle akustische Form ermöglichte jetzt bisweilen auch neue, noch feiner ziselierte Formen des anspruchsvollen, von langen Soli und komplexen Melodien geprägten Ausdrucks.

Und es gab (zum Dritten) schon aus Personalgründen keine aufwendige Show mehr mit bunten Kostümen und großer Pyrotechnik. Aber es erschienen als Reminiszenz an frühere Zeiten mehrfach dichte Nebelschwaden, die fast das gesamte Kasino ausfüllten, und bunte Scheinwerfer-Lichtfinger, die sich durch sie hindurch ihren Weg über die Köpfe des weitgehend begeisterten Publikums hinweg bahnten. Ein bisschen Luftschlangen-Flitter flog zum Ende des Konzerts dann doch noch von der Bühne herab. Auch das zeigte die Fähigkeit der alten-neuen Band, nun mit anders gelagerten Mitteln eine Verbindung zwischen dem Einst und dem Jetzt herzustellen.

Kryptische Texte

Die mal englischen, mal deutschsprachigen Titel an sich hatten ohnehin nichts von ihrer grundlegenden Faszination eingebüßt – sei es wegen der erkennbar kritischen Inhalte (wie im erwähnten „Vater Schmidt's Wandertag“) oder wie in „Traum und Wirklichkeit“ der zum Teil kryptischen Texte wegen. Hervorzuheben sind hier und in der Kammgarn insbesondere das extra-lange Werk „Rockpommel’s Land“ mit seiner märchenhaften Geschichte und das zum Ende des Konzerts hin gebotene, nicht minder überbordende „Solar Music“ (auch „Sonnentanz“ genannt), das sich massiv und nachhaltig in Gehörgänge und Gemütslage bohrte. Dabei konnten sich ganze Film-Sequenzen und komplexe Gefühlswelten im Innern der intensiv zuhörenden Fans aufbauen – welch eine Melange aus Klang und Inhalt.

Das noch mit manch launigen Ansagen und Erinnerungen an frühere Auftritte angereicherte Konzert endete passenderweise mit dem Stück „Der Weg nach Haus“, verdientermaßen mit stehenden Ovationen und publikumsnah mit dem Verteilen von original unterschriebenen und eben nicht nur simpel bedruckten Autogrammkarten von der Bühne herunter. Es war ein guter Abend, den man wie mit netten, alten Bekannten verbringen durfte: anders als in vergangenen Zeiten natürlich, aber irgendwie doch vertraut wirkend und ein gutes Gefühl hinterlassend.

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