Kaiserslautern „Große Gefahr, dass Qualifizierte gehen“

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„Wir kommen selbst in unseren Gremien nicht mehr hinterher“, sagt Bernd Löffler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern, zu den jüngsten Entwicklungen bei Opel seit der Übernahme durch die französische PSA-Gruppe.

Wie berichtet, sind im Sparplan „Pace“ für das Opel-Werk in Kaiserslautern 200 Stellen vorgesehen, die wegfallen sollen – die tatsächliche Zahl liegt nach Angaben des Betriebsrats allerdings deutlich höher. Fast 600 Beschäftigte hätten sich laut dem Kaiserslauterer Betriebsratsvorsitzenden Lothar Sorger dazu entschieden, Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen anzunehmen. Dazu wollen 100 Opel-Mitarbeiter bis Ende Mai gegen eine Abfindung ausscheiden – weitere Beschäftigte hätten ebenfalls ihr Interesse daran bekundet. Derzeit arbeiten laut Betriebsrat noch rund 2700 Menschen in Kaiserslautern bei Opel. Der Betriebsrat möchte das Abfindungsprogramm stoppen. Derzeit ist es ausgesetzt. Löffler warnt mit Blick auf das Sparprogramm und die ungewisse Zukunft: „Die Gefahr ist groß, dass gerade die qualifizierten Leute weggehen.“ Er fordert ebenfalls umgehend einen Stopp des freiwilligen Ausscheideprogramms – „sonst blutet der Betrieb aus“. Bereits durch die Altersteilzeitregelung sei der vorgesehene Stellenabbau „mehr als dreifach übererfüllt“. Zur Stimmung im Werk sagt IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Stefan Wolf: „Die moralische Stimmung scheint ja offensichtlich, wenn beinahe jeder dritte Beschäftigte im Werk früher oder später geht.“ Es verließen nicht nur Kollegen das Werk, sondern oft auch langjährige Freunde und Bekannte. Löffler berichtet, dass es vor gut vier Wochen eine Veranstaltung mit den noch rund 200 Leiharbeitern bei Opel gegeben habe, um ihnen neue berufliche Möglichkeiten aufzuzeigen. Im April sei man noch davon ausgegangen, dass die Leiharbeit bis Monatsende „auf Null gefahren werden sollte“. Nur einige Tage nach der Versammlung habe die Geschäftsführung umgeschwenkt: Die 200 Leiharbeiter blieben vorerst weiter im Werk, schildert Löffler. Rückendeckung für Betriebsrat und IG Metall gibt es unter anderem von dem pfälzischen SPD-Europaabgeordneten und früheren Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Kaiserslautern, Michael Detjen: „Die Abgänge dürfen nicht mit günstigeren Leiharbeitern ersetzt werden, sondern es müssen qualifizierte Facharbeiter gewonnen werden.“ Löffler verteidigt, dass die Opelaner nicht auf die vor einigen Monaten beschlossene Entgelterhöhung verzichten: „Die Kollegen haben schon unter dem damaligen Besitzer General Motors eine Entgelterhöhung verschoben – im Gegenzug für Produktzusagen.“ Da PSA die Tarifverträge mit übernommen habe, sei es nun an der Arbeitgeberseite, für einen adäquaten Ersatz zu sorgen und die Werke auszulasten. Löffler: „PSA-Chef Carlos Tavares hat den Tarifvertrag beim Kauf explizit unterschrieben.“ Er sei es jetzt den Kollegen bei Opel schuldig zu liefern. Der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft fordert von PSA, endlich konkrete Pläne vorzulegen: „Damit wir etwas zum Verhandeln haben.“ Bisher habe Tavares nur vage Ankündigungen gemacht, statt ein Programm vorzulegen, kritisiert Löffler. Mit Detjen rufen auch die SPD-Landtagsabgeordneten Daniel Schäffner, Thomas Wansch und Andreas Rahm auf: „PSA muss zusammen mit der IG Metall und dem Betriebsrat einen Zukunftsplan für das Opel-Werk in Kaiserslautern erstellen.“ Derweil lobt Opel-Chef Michael Lohscheller in der Betriebszeitung „Opel Post“ das Sanierungsprogramm „Pace“: „Man sieht auf allen Ebenen: Der Plan funktioniert.“ Im selben Interview sagt er zu den Plänen für Kaiserslautern: „Auch für das Werk Kaiserslautern bieten wir Projekte und eine Auslastung an, die über die Laufzeit des geltenden Tarifvertrags hinausgehen.“

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