Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Große EM-Emotionen im Biergarten des Hotel-Restaurant Fröhlich in Dansenberg

Die Zuschauer im Biergarten des Hotel-Restaurant Fröhlich bejubeln den Ausgleichstreffer der deutschen Nationalmannschaft gegen
Die Zuschauer im Biergarten des Hotel-Restaurant Fröhlich bejubeln den Ausgleichstreffer der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien in der 89. Minute.

Etwa 100 Zuschauer verfolgten am Freitagabend im Biergarten des Hotel-Restaurant Fröhlich in Dansenberg das EM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Spanien. Großem Jubel, folgten Wut und schließlich Enttäuschung.

Das Sommermärchen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erlebte Maximilian Fröhlich noch als kleiner Junge, mittlerweile leitet er den traditionsreichen Familienbetrieb, das Hotel-Restaurant Fröhlich, im Kaiserslauterer Stadtteil Dansenberg und organisierte nun für die Heim-Europameisterschaft 2024 das Public Viewing: „Bei der WM 2006 hatten wir nur eine kleine Leinwand, jetzt für die Heim-EM haben wir gesagt, wir machen was, haben tief in die Tasche gegriffen und uns einen hochklassigen XXL-LED-TV besorgt, den wir auch bei Regen draußen stehen lassen können. Das ist von der Qualität etwas ganz anderes als 2006. Wir wollten den Leuten ein schönes Public Viewing bieten, da wir überzeugt waren, dass es ein Sommermärchen 2024 werden kann.“

Die Investition hat sich gelohnt, das Gasthaus Fröhlich übertrug alle EM-Partien, besonders bei den Deutschland Spielen waren aber natürlich die meisten Leute da: „Die Stimmung bei den Deutschlandspielen war mega, es war richtig was los“, freut sich Maximilian Fröhlich über die hohe Frequentierung seines Biergartens. Dabei trotzten die fußballbegeisterten Dansenberger auch dem unbeständigen und teils schlechten Wetter der letzten Wochen: „Auch bei schlechtem Wetter waren wir gut frequentiert, da haben wir mit Zelten reagiert“, erklärt Fröhlich.

Gespanntes Mitfiebern

Nachdem im dritten Gruppenspiel gegen die Schweiz aufgrund des Wetters und der sportlichen Irrelevanz etwas weniger los war, strömte bereits für die Achtelfinalbegegnung gegen Dänemark eine Vielzahl an Fans in den Biergarten, ehe die Zuschauerzahl am vergangenen Freitag für das Viertelfinale gegen Mitfavorit Spanien ihren Höhepunkt fand. Etwa 100 Fans verfolgten das Spiel in Dansenberg live, darunter auch zwei Jugendmannschaften aus dem Taunus und aus Frankreich, die für die „Pfalz-Cup-Mini-EM“ angereist waren, die am Wochenende in Kaiserslautern stattfand, und die im Hotel Fröhlich übernachteten.

Neben den Nachwuchsfußballern sorgten insbesondere auch die Nachwuchshandballer des TuS 04 Dansenberg für gute Stimmung. Sie fieberten gespannt mit und stimmten immer wieder „Deutschland vor noch ein Tor“-Fangesänge an. Maximilian Fröhlich sah vom Spiel selbst nicht viel, er ackerte zusammen mit seinem Vater, Bruder und anderen Helfern in der Küche des Biergartens, denn die 100 Zuschauer wollten natürlich auch verköstigt werden. Insbesondere die hausgemachten Flammkuchen waren ein echter Kassenschlager, das Team hatte Mühe den dutzenden Bestellungen hinterherzukommen: „Dennoch habe ich die tolle Stimmung mitbekommen, das war mega. Darüber habe ich mich sehr gefreut“, erzählt Fröhlich.

Riesenjubel beim späten Ausgleich

Bereits früh in der Partie sorgte das Foul von Toni Kroos an Pedri für Aufregung in Dansenberg, der Konsens: Dafür hätte Kroos Gelb bekommen müssen. Im weiteren Verlauf der Begegnung machte sich Optimismus breit. Die von nicht wenigen im Vorfeld als geradezu übermächtig eingeschätzten Spanier taten sich schwer, Deutschland war gut im Spiel über weite Strecke sogar tonangebend. Doch ein Problem tat sich wie schon gegen Dänemark erneut auf: die schlechte Chancenverwertung. Insbesondere Kai Havertz, der erneut eine unglückliche Figur als „falsche Neun“ machte erntete viel Kritik. Großes Unverständnis gab es darüber, warum Niclas Füllkrug nicht von Beginn an spielen durfte. In der Pause herrschten beim Stand von 0:0 gemischte Gefühle, die Befürchtung, Spanien könnte den Chancenwucher der Deutschen ausnutzen wurde diskutiert – und so sollte es schließlich auch kommen.

Der Führungstreffer durch den Leipziger Dani Olmo lag förmlich in der Luft, bereits als Lamine Yamal zum Dribbling ansetzte vernahm man in Dansenberg den Ausruf: „Jetzt trifft Spanien.“ Große Enttäuschung machte sich breit, das Sommermärchen schien vorüber, die schnelle und energische Antwort der Nationalmannschaft ließ den Biergarten Fröhlich dann aber wieder hoffen. Doch mit jeder verstreichenden Minute legten sich zunehmend bange Blicke auf die Gesichter der Zuschauer, ehe, angeführt von den E-Jugendlichen des TuS Dansenberg lautstarke „Deutschland-Deutschland“-Rufe ausbrachen, die schließlich in den späten, aber verdienten Ausgleichstreffer durch Florian Wirtz mündeten. Großer Jubel, alle sprangen aus ihren Stühlen auf, fielen sich in die Arme, schrien ihre Erleichterung heraus, die Kinder hüpften freudig umher, klatschten sich ab.

Aufregung und Enttäuschung

Der Traum lebte wieder. Dann der größte Aufreger des Abends in der zweiten Halbzeit der Verlängerung. Ein Handspiel von Spaniens Marc Cucurella wurde nicht geahndet, Deutschland der Elfmeter verwehrt. Die Wut und Frustration, die sich gegen Schiedsrichter Anthony Taylor richteten, waren kaum zu bändigen und schlugen nach dem späten Siegtreffer durch Mikel Merino in pure Enttäuschung und tiefe Trauer um. Viele verließen den Biergarten umgehend und wortlos, während andere noch minutenlang ausdrucks- und fassungslos auf ihren Plätzen verharrten. Das Sommermärchen war zu Ende erzählt, der Traum vom Triumph auf heimischem Boden ausgeträumt.

Für das Gasthaus Fröhlich ist die Europameisterschaft allerdings noch nicht vorbei, auch beide Halbfinalbegegnungen, sowie das Finale werden auf dem XXL LED TV übertragen: „Wir freuen uns natürlich, wenn die Leute kommen und das Finale mit uns feiern“, hofft Maximilian Fröhlich, dass trotz des Ausscheidens der Deutschen viele Fußballbegeisterte den abschließenden Höhepunkt der Europameisterschaft in seinem Biergarten verfolgen.

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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