Kulturzentrum Kammgarn
Gringo Mayer bringt den Saal zum Kochen
Der Mannheimer Musiker, Sänger, Komponist und Lebenskenner Gringo Mayer selbst hätte den strapazierten englischen Begriff vermutlich eher nicht benutzt. Seine Sprachwelt ist im (Kur-) Pfälzischen verortet. Und genau das war mit das stärkste Element in der Basis gerade auch dieses Konzerts. Es war mehr als nur ein Konzert. Das war schon ein richtiges Event.
Songtitel wie „Äni rache“ oder „Ewe longts“ versteht man halt schon bei der Ansage auch in der Westpfalz mühelos, und ins Positivistische gehende Satzpartikel à la „Allahopp“ und „Ahjoo“ – pfälzischer geht es ja kaum – sind genauso vertraut. Das musste beim weitgehend Pfälzer, insbesondere Kaiserslauterer Publikum, ja schon mal besonders gut ankommen. Tatsächlich wurde die Stimmung im Laufe des Abends auch immer ausgelassener.
Nicht nur deshalb. Ein zweites Element des Erfolgs sind die Inhalte der Stücke. Sie sind aus dem Leben gegriffen, dem des Alltags. Oft bleiben die Texte nicht oberflächlich, sondern gehen tiefer und machen nachdenklich – selbst in all dem Trubel eines Livekonzerts. Es geht dann unter anderem um zerbrochene Illusionen wie in „Fabrigg“ und unerfüllte Kindheitsträume wie in „Viel zu arg“. Es geht um persönliche Entwicklungen und Erfahrungen, um schwierige Zeitgenossen, um den Umgang mit älteren Menschen („Wasn los“), um manchmal erst bei näherem Hinhören um tiefgründiger angelegte Themen wie Fußball und Einsamkeit („Alläää“). Mayer hat es drauf, all das musikalisch gut verpackt zielgenau zu formulieren und dann auch im Programm zu platzieren. Das verfehlte seine Wirkung nicht.
Das wäre dann das dritte Element, das diesen Abend gelingen ließ. Zusammen mit der Kegelband, seiner technisch und gerade bei diesem Repertoire auch interpretatorisch verlässlichen Begleitgruppe, schöpfte der 37-jährige Gringo Mayer, selbst ein versierter Gitarrist, mit gutem Gespür aus einer Vielzahl populärer Genre-Quellen, die er dann zu seinem ganz eigenen, bestens ankommenden „Gringo-Mayer-Stil“ vereinigte.
Damit gelang es Mayer gemeinsam mit Fabian Haugg (Gitarre), Martin Fischer (Bass), Jeremy Dhôme (Schlagzeug), Ferdi Klamt (Keyboard) und nicht zuletzt Trompeter Stephan Udri (der mit seinem Instrument während des Auftritts mehrfach für bunte Klang- und Melodie-Tupfer sorgte), das ausgelassen mitgehende Publikum permanent zu mobilisieren und manchmal zu regelrechten Begeisterungsstürmen hin zu reißen.
Und da war dann schließlich der Überbau über dieser mehrteiligen Basis: das Publikum und seine Reaktion, mit dem es das Bühnengeschehen und dann die eigene Stimmung wechselseitig beeinflusste. Da wurden lautstark ganze Strophen mitgesungen, unentwegt gellend zustimmend gepfiffen, öfters zwischendurch ausdauernd skandiert und ermunternd in Richtung Bühne gerufen. Mehrfach wollte man gar nicht mehr aufhören, die eingängigen Refrains der Lieder weiter zu singen und geradezu fordernd nach vorne zu schmettern. Die Band, allen voran Gringo Mayer, der bodenständige, nahbare Musiker mit Botschaften, nahm all das auf und ließ die Atmosphäre immer noch ein bisschen weiter hochköcheln.
So ging es weiter bis zum extralangen Zugabenteil zu später Stunde. Bestens vorbereitet hatte das eine fähige Vorgruppe: Das junge Quartett Yara, geografisch aus der gleichen und musikalisch aus einer vergleichbaren Ecke wie Gringo Mayer kommend, heizte, nein glühte die Stimmung im Kasino insbesondere durch die Leistung des stimmstarken Sängers Jakob Halamoda an dieser Stelle schon mal heftig vor.
Ganz zum Schluss gab’s dann wieder Warteschlangen. Zuerst noch mal an der Theke, schließlich an der Garderobe, sogar draußen ein Stück weit weg von der Kammgarn an der Bushaltestelle warteten an die 20 Mannheimer Musik-Fans auf den letzten Bus Richtung Hauptbahnhof. Das war so außergewöhnlich wie das Konzert. Es war halt ein richtiges Event.