Kaiserslautern
Gründungszentrum Bic fast voll belegt: Lauterer Startups trotzen der Krise
Schwächelt die Wirtschaft, haben es Startups besonders schwer. Denn wenn die Industrie eine Bremsung macht, trifft das zuerst ressourcenschwache Unternehmen, erklärt Dennis Steininger. Er ist seit Dezember 2024 als Nachfolger von Stefan Weiler Geschäftsführer des Business and Innovation Centers (Bic) in der Trippstadter Straße, das Gründerinnen und Gründer in den ersten Jahren unterstützt. Zumal die Überlebensquote von Startups ohnehin nicht gerade rosig ist. „Nach fünf Jahren gibt es 70 bis 80 Prozent der Startups nicht mehr“, sagt Steininger. Die Firmen im Kaiserslauterer Bic, das derzeit etwa 20 junge Unternehmen beherbergt, bilden da eine Ausnahme. Hier überleben 70 bis 80 Prozent der Startups – oder sogar mehr – die ersten fünf Jahre, sagt der Geschäftsführer – selbst in der aktuell angespannten Wirtschaftslage.
Herausragende Forschung, wenige Gründungen
Steininger hat seit 2021 die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Entrepreneurship, an der RPTU Kaiserslautern-Landau inne, hat selbst bereits mehrere Firmen gegründet. „Ich verstehe mich als gründenden Forscher und forschenden Gründer“, sagt der 46-Jährige. Mit der Übernahme der Bic-Geschäftsführung soll die Zusammenarbeit der Universität und des Gründungszentrums weiter vertieft werden. Sein Vorgänger habe ihm ein gut und selbstständig arbeitendes Team übergeben – inklusive Steininger arbeiten 15 Menschen in Teil- und Vollzeit im Bic. Er könne sich auf die strategische Geschäftsführung konzentrieren. So hat er seit seinem Amtsantritt einige Kernpunkte identifiziert, entlang derer er das Bic und die Kaiserslauterer Startup-Landschaft weiterentwickeln möchte.
In Europa, besonders auch in Deutschland werde „herausragende Grundlagenforschung, auch angewandte Forschung betrieben“, konstatiert Steininger. Diese münde aber nicht in eine Gründung. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zum einen beiße sich das deutsche Sicherheitsbedürfnis mit den vorgenannten Zahlen zur Überlebensquote von Startups, teils fehlten aber auch notwendige Strukturen oder die Kapitalgeber. US-amerikanische Universitäten haben dafür eigene Venture-Studios angedockt, erklärt Steininger. Diese Einrichtungen analysieren fortwährend die laufende Forschung nach möglichen Gründungen. Solche systematischen Scoutingprozesse, die Ausgründungen kanalisieren, würde er sich auf lange Sicht auch in Kaiserslautern wünschen.
Startups benötigen am Anfang Kapital
Zunächst gehe es darum, vorhandene Initiativen und Programme in Prozesse einzubinden, Hochschulen, Institute, aber auch Schulen und Bic enger zu verzahnen. Bereits jetzt werden beispielsweise Schüler von „Jugend forscht“ an die Uni eingeladen. Studierende sollen sich für deren Erfindungen dann marktgängige Konzepte überlegen. Mit dem Wettbewerb „1,2,3 go“ werden Jahr für Jahr vielversprechende Gründungsideen gefördert und prämiert. Laut Steininger ein echtes Flaggschiff: „Alles, was Rang und Namen hat, ist durch diesen Wettbewerb gegangen.“ Junge Firmen finden zudem bei sogenannten Support-Camps Unterstützung im Bic. Investoren finanzieren dabei Unternehmen ihr erstes Jahr im Center, geben regelmäßig Feedback. All diese Ansätze, auch die Arbeit des Gründungsbüros, möchte Steininger in klare Strukturen und Prozesse einbinden. So könne noch sehr viel Potenzial gehoben werden, ist er sicher.
Ein zentraler Faktor für den Erfolg von Startups sei zudem das Kapital. Gerade in den Anfangszeiten brauche es Investoren, die die Ideen der Startups unterstützen. Sein Lehrstuhl hat dazu gemeinsam mit dem Bic bereits 2023 Venture-Dates eingeführt, eine Plattform, bei der Gründer und Investoren zusammenfinden sollen, so der Geschäftsführer.
Industrie und Gründer zusammenbringen
„Sichtbarkeit ist für Startups ganz zentral“, betont Steininger zudem die Bedeutung einer Vernetzung mit der Industrie. Es gibt Firmen, die haben eine ganz konkrete Problemstellung, und es gibt Startups, die die passende Lösung dafür haben, aber oftmals wissen sie nichts voneinander, skizziert Steininger ein Problem, dem er beispielsweise mit der Kooperation mit der Innovationsagentur des Landes oder dem Format „Mittelstand meets Startups“ begegnen will.
Zudem wolle das Bic eine gute Heimat für die Startups sein, ihnen Unterstützung bieten, aber auch finanziell Luft zum Atmen lassen. Acht Jahre dürfen Startups im Bic bleiben, das rund 2100 Quadratmeter Fläche hat. Die Miete ist gestaffelt, nähert sich mit der Zeit immer mehr marktüblichen Preisen. Die Nebenkosten versuche man, für die Mieter so gering wie möglich zu halten. So wurde die gesamte Beleuchtung auf LED-Technik umgerüstet. Eine weitere PV-Anlage soll künftig in den Morgen- und Abendstunden mehr Strom liefern. Die Plätze im Bic sind begehrt. Aktuell ist die Fläche fast komplett vermietet. Anfragen lohnen sich dennoch, betont Steininger, schließlich ziehen immer wieder Firmen aus, andere müssen aufgeben.
Stadt profitiert von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen
Dass die Anzahl dieser Ausfälle in Kaiserslautern so gering ist, führt Steininger auf das Zusammenspiel aus Unterstützung, Förderung und Austausch unter den Startups im Bic zurück, aber auch auf die Nähe zu Instituten, Hochschule und Universität, aus denen etwa 80 Prozent der Startups im Bic kommen. „Wer aus dem universitären Bereich kommt, ein Stipendium kriegt und das Netzwerk nutzt, der hat einen großen Startvorteil. Diesen Effekt sehen wir im Bic“, sagt Steininger.
Der Stadt bringe das letztlich Arbeitsplätze, auf längere Sicht auch Steuereinnahmen und die nächste Serie an Unternehmen. „Sind wir ehrlich: Es gibt Unternehmen, die sind 100 oder 200 Jahre alt, aber die durchschnittliche Lebensspanne von Unternehmen ist nicht unendlich“, betont Steininger mit Blick auf den Strukturwandel. „Wenn die Automobil- und Zulieferindustrie wegbricht, von was wollen wir denn leben?“, fragt der Wissenschaftler. Deshalb sei es wichtig, Startups wie die aus Kaiserslautern auf „Flughöhe zu bringen“.