Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Gräfin Mariza“ im Pfalztheater: Zwischen Begeisterung und Kritik

Im Großen Haus des Pfalztheaters feierte „Gräfin Mariza“ am Samstag Premiere. So manche Nuance gefiel nicht jedem Gast – die Ope
Im Großen Haus des Pfalztheaters feierte »Gräfin Mariza« am Samstag Premiere. So manche Nuance gefiel nicht jedem Gast – die Operette erntete aber auch viel Lob und Anerkennung.

Flammender Start von der Bühne bis zum Orchestergraben: Im frisch renovierten, aber nicht ganz ausverkauften Großen Haus des Pfalztheaters hat Emmerich Kálmáns Operette „Gräfin Mariza“ am Samstagabend ihre Premiere gefeiert. Viele Szenen fesselten die Zuschauer auf ihren Sitzen – einige Akte aber kamen gar nicht so gut an.

Erste Eindrücke hat DIE RHEINPFALZ bereits in der Pause nach dem ersten Akt eingeholt. Manuel Steinbrenner, städtischer Beigeordneter und für die Premiere eigens mit seiner Ehefrau aus Heidelberg angereist, hatte als „Operettenneuling“ bis dahin „ein spezielles Format sehr stimmig“ erlebt. Die Inszenierung, das Bühnenbild, der Chor – alles positiv. Amtsvorgänger Peter Kiefer hatte bis dahin eine sehr unterhaltsame, bunte Inszenierung und dabei bei den Stimmen vor allem einen großartigen Chor genießen dürfen. Den beschwingten Geist der 20er-Jahre, dazu insgesamt sehr gute Stimmen hatte Ehefrau Birgit erlebt.

Zugaben, wie sie bei Operetteninszenierungen sonst gerne verlangt werden, gab es auch nach einem längeren rhythmischen Klatschen aus dem Publikum nicht. Bevor sich nach gut zweieinhalb Stunden der rote Vorhang endgültig vor Sängern, Chor und Orchester, dazu den für die Inszenierung Verantwortlichen schloss, dankten ihnen die Premierengäste noch mit ihrem Applaus.

Kritisch beurteilt ein Gast den Bühnensturm von Soldaten

„Eine ganz tolle Aufführung mit ganz tollen Stimmen“, kommentierten Ursula und Peter Gehm aus Landstuhl. Das Paar hatte die Karten als Geburtstagsgeschenk für Traudel Clemens aus Grünstadt erworben und war zusammen mit dieser zur Premiere ins Pfalztheater gekommen. Beeindruckt hatten sie hauptsächlich die Mariza von Arminia Friebe und Alexander Gellers Tassilo. Eher kritisch beurteilte Peter Gehm die allererste Szene, in der eine Truppe Soldaten die Bühne stürmte. Er habe sie nicht zuordnen könne, erklärte er. Dazu war ihm der dritte Akt etwas langatmig. „Verdammt gut gefallen“ hatte die Inszenierung dem Geburtstagskind. Für Traudel Clemens hatte die moderne Inszenierung bestens gepasst.

Obwohl eigentlich keine Operettenfans, hatten Jutta Achtelstetter und Waltraud Hecker einen insgesamt amüsanten Abend erlebt. Die Stimmen auf der Bühne fanden sie fantastisch, dazu beeindruckend die geradezu akrobatischen Sprünge von Multitalenten wie Johannes Hubmer in der Partie des Baron Koloman Zsupán. Als Zuschauer einmal über mehr als zwei Stunden lachen und sich freuen zu dürfen, passe in die heutige Zeit, bilanzierten die Frauen. Eine Operette zu inszenieren, das sei dabei in diesen Tagen bestimmt schwieriger als ein Drama.

„Die Duette mit der Mariza waren wunderbar“

Nach einer „lebhaften Inszenierung“ des ersten Akts hatte eine Besuchergruppe anschließend deutliche Längen erlebt. Lothar Lukoschek und Arnhild Schmalenbach lobten die Ausstattung auf der Bühne. Sowohl im Gesang wie in seinem Spiel hatte ihnen auch Alexander Gellers Tassilo sehr gut gefallen. Der Sänger sei akustisch sehr gut zu verstehen gewesen und habe mit seinem Spiel überzeugt: „Die Duette mit der Mariza waren wunderbar.“ Den Auftritt der reichen Tante gegen Ende der Inszenierung fanden sie dagegen nicht notwendig und den Schluss dann reichlich abrupt. „War das so gewollt?“, blieb für sie die Frage offen. Eine ganz andere Kritik äußerte aus demselben Kreis Bettina Bachem. Das Catering in der Pause habe nicht funktioniert.

Stadtrat Harald Brandstädter hatte die Operette an seine Jugend erinnert. Damals hätten seine Eltern Operetten im Fernsehen geschaut, wodurch bei ihm selbst ganz viele Texte hängengeblieben seien. Er hätte sie sogar selbst singen können, nur halt nicht laut. „Es hat sich gelohnt“, fand Ehefrau Gabi. Die Kostüme auf der Bühne – hell und farbenfroh – hob sie besonders hervor. Diese seien bestimmt nicht aus dem Fundus gekommen, vermutete sie. Stadtrat Raymond Germany war aufgefallen, dass die Texte über der Bühne sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache angezeigt wurden. Die Operette, seine erste überhaupt, hatte er als „sehr kurzweilig und beeindruckend“ erlebt.

Pfalztheater brauche in schweren Zeiten Verbündete

Bei der traditionellen Premierenfeier, zu der trotz fortgeschrittener Stunde viele Theaterbesucher im Foyer geblieben waren, dankte Johannes Beckmann, künstlerischer Direktor des Hauses, ausdrücklich den Abgeordneten aus Stadt, Land, Bund und dem Bezirksverband für deren Erscheinen. Das Pfalztheater brauche Verbündete in allen gesellschaftlichen Bereichen, Menschen, die begeistert seien und Kommunikatoren, die ein Vier-Sparten-Haus nicht in ferner Zukunft in Frage stellten.

Nach der offiziellen Begrüßung gehörte der Abend all denjenigen, die diesen bunten Operettenabend möglich gemacht hatten. Nacheinander durften jetzt Solisten, Vertreter von Chor und Orchester, aus Dramaturgie und Regie auf der Premierentreppe noch einmal ganz viel Beifall entgegennehmen. Vertreter der „Freunde des Pfalztheaters“ überreichten dabei jedem Einzelnen eine blühende rote Rose.

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