Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Gospelnacht in der Fruchthalle mit Emotionen und viel Bewegung

Ein Trio mit Begeisterung und Leidenschaft: Malcom Chambers , Alexandra Dietz und Gabriel Vealle (von links).
Ein Trio mit Begeisterung und Leidenschaft: Malcom Chambers , Alexandra Dietz und Gabriel Vealle (von links).

Am Schluss sind alle erschöpft. Muskelzucken in Händen und Beinen vom Klatschen und ständigen Aufstehen, Herzrasen. Dennoch waren die rund 350 Besucher am Samstagabend in der lediglich zur Hälfte besetzten Fruchthalle von dem einzigartigen Spirit der Gospelmusik verzaubert. Wenn auch bei der Großen Gospelnacht statt der angekündigten 100 Stimmen lediglich 35 auf der Bühne standen.

Die Sängerinnen und Sänger betreten die Bühne. Die Spannung steigt. Emotionen sammeln sich. Alexandra Dietz vom SWR entpuppt sich nicht nur als charmante Moderatorin, sondern auch als Sängerin mit schmiegsamer, kultivierter, sensibler Stimme. Die Chorleiter Malcolm Chambers aus Schweden und der gebürtige Ghanaer Gabriel Vealle („Gabby“) geben mit „You Deserve It“ gleich ein Zeugnis ab von ihrer emphatischen, leidenschaftlichen Sangeskultur. Und schon fällt der Gospelchor ein.

Die ständigen Wiederholungen, die ausgeprägte Rhythmik, verstärkt durch Schlagzeug, Klavier, Keyboard und Bass, erzeugen eine ekstatische Atmosphäre, der sich kaum jemand entziehen kann. Und bald pflanzen sich die „Jumpers“ und „Rollers“ im Saal fort, bis alle Besucher vom Rhythmus angesteckt sind und sich der ganze Saal im gleichen Takt wiegt. Die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne singen aber auch aus vollem Herzen und singen alles heraus, was sie fühlen. Malcolm Chambers und Gabriel Vealle kitzeln aus jedem Teilnehmer das Beste heraus. Jede Menge neue Songs haben die beiden Musiker dabei: zum Teil Eigenkreationen, zum Teil der neueste Trend aus Schweden und den USA, aber auch afrikanische Gospel, die in ihrem Wechselgesang zwischen Vorsänger und Nachsingen (Call and Response) und mit ihrer besonderen Klangfarbe, dem Timbre, herausragen. In „Siyabonga Jesu (Wa Hamba Nathi)“ wird sogar Samba getanzt, wozu Alexandra Dietz in ihrem extravaganten bodenlangen, grünen Kleid elegant mittanzt.

Gospel-Sänger aus ganz Deutschland

Aus ganz Deutschland seien die Sängerinnen und Sänger gekommen, berichtet Alexandra Dietz, um bei der ersten Westpfalz-Gospel-Week mitzumachen, die mit der Großen Gospelnacht ihren Abschluss findet. Teilweise seien sie mehr als 300 Kilometer gefahren. Gabriel Vealle, der seit 30 Jahren als Gospel-Workshop-Leiter, Komponist, Sänger, Motivationstrainer und als Choreographie-Trainer durch die USA, London und Deutschland reist und schon mit bekannten Gospelsängern wie Edwin Hawkins auf der Bühne stand, ist ein begnadeter Musiker. Der Ausdruck, den er in seine Stimme legt, alles, was an Seele und Herz und Tiefe in jedem Ton mitschwingt, reißt die Choristen einfach mit. Zudem begeistert er mit seiner ansteckenden Art, animiert sowohl Chor als auch Gäste mimisch und mit ausgeprägten Gesten, während seine Augen blitzen. Da fliegen die Hände hoch, schwenken hin und her, stoßen wie Boxer nach vorn und verschränken sich auf der Brust.

„He’s Got The Whole World“: Aus abgrundtiefem Bass hebt „Gabbys“ Stimme leise an. Er versteht es, seine ungemein flexible Stimme vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufzuschrauben, bis er im Falsett aus Freude am Leben jubiliert. So kommt mitreißende Bewegung in den Chor, wobei der Workshop-Leiter mit grellen Rufen und improvisierenden Zwischen-Gesängen immer weiter antreibt. Der Schweiß fließt in Strömen. Der Beifall des Publikums steigt frenetisch an. Wer hier einen gemütlichen Konzertabend erwartet hat, sieht sich getäuscht. Angesagt ist mitklatschen, bis die Hände glühen. In „Goodness Of Good“ weiß „Gabby“ seine Stimme anschwellen zu lassen bis zum Fortissimo, um dann immer leiser zu werden, bis seine Stimme, bei einem dankbaren Blick nach oben, in den Himmel, im Nichts verklingt.

Chambers zelebriert Gospel auf Schwedisch

„Öffnet eure Herzen“ singt Malcolm Chambers und zelebriert damit die schwedische Version des Gospelgesangs. Dieser Song kommt mehr aus der Singer-/Songwriter-Ecke, ohne gewisse jazzige Elemente zu verschweigen. Fürs Publikum Zeit zum Ausruhen und Genießen. Der ehemalige Musikdirektor bei einer der beliebtesten Musiksendungen Schwedens, der schon mit Grammy Gewinner Kirk Franklin auf der Bühne stand, versteht es, in diese Ballade Blues-Intensität hineinzutragen und andererseits mit der Raffinesse des modernen Jazz zu singen. Seine Stimme zeichnet sich durch musikalische Feinfühligkeit, emotionale Direktheit und ungekünstelte Intensität aus.

Selbst nach dem 22. Titel ist das Publikum vor Begeisterung nicht zu halten und fordert im Stehen mit „Oh Happy Day“ und „Happy“ zwei Zugaben heraus.

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