Kaiserslautern „Gluten verursacht die Beschwerden“

„Es ist eine Autoimmunerkrankung“, sagt Gabi Langer.
»Es ist eine Autoimmunerkrankung«, sagt Gabi Langer.

«Ramstein-Miesenbach.» Rund 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter der Autoimmunerkrankung Zöliakie. Um Betroffenen aus Kaiserslautern und Umgebung ein Forum zum Austausch und der Information zu bieten, hat Gabi Langer eine Selbsthilfegruppe gegründet. Das erste Treffen findet am 8. April im Mehrgenerationenhaus Ramstein-Miesenbach statt. Tatkräftige Unterstützung erfährt sie seit Kurzem von ihrer Stellvertreterin Irina Wiege, die ebenso Kontaktperson der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft ist.

Frau Langer, was hat Sie veranlasst, die Zöliakie-Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen?

Ich wohne in Pirmasens, dort leite ich bereits eine Selbsthilfegruppe für Erwachsene und in Ramstein eine überregionale Kindergruppe, beide zum Thema Zöliakie. Da die Nachfrage von Erwachsenen auch hier im Raum groß ist, habe ich mich dazu entschieden, ihnen ebenfalls ein Angebot zu machen. Sind Sie denn ebenfalls von der Erkrankung betroffen? Ja, bei mir hat man vor fünf Jahren Zöliakie diagnostiziert. Ich hatte anhaltend Bauchschmerzen. Nach einer Magenspiegelung lag der Befund vor. Auslöser war wahrscheinlich eine heftige Stresssituation, in der ich mich damals befunden habe. Was genau ist Zöliakie eigentlich? Es ist eine Autoimmunerkrankung. Die Beschwerden werden durch das Klebereiweiß Gluten verursacht. Es ist in Getreide wie etwa Weizen, Roggen und Gerste enthalten. Wird es mit der Nahrung aufgenommen, führt es zu einer Entzündung des Dünndarms, die Dünndarmzotten bilden sich zurück und können nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen. Die Folge sind unterschiedlich starke Mangelerscheinungen. Welche Symptome sind typisch? Das ist schwierig zu sagen. Denn Zöliakie hat viele Gesichter und wird deshalb als Chamäleon unter den Krankheiten bezeichnet. Bauchkrämpfe und Durchfall gelten zwar als die klassischen Symptome, treten aber längst nicht bei allen auf. Manche leiden unter Verstopfung, andere unter Schlaflosigkeit und Depressionen. Kein Krankheitsfall ist wie der andere, die Beschwerden sind unterschiedlich stark ausgeprägt, das erschwert die Diagnose. Worauf müssen Betroffene achten? Auf absolut glutenfreie Ernährung. Selbst Kontaminationen müssen vermieden werden, das heißt: Betroffene sollten sicherheitshalber beispielsweise nicht dasselbe Brett benutzen, auf dem vorher glutenhaltiges Brot geschnitten wurde. Nur beim strikten Gluten-Verzicht kann sich der Darm regenerieren, und die Beschwerden verschwinden in den meisten Fällen nach einigen Wochen. Was bietet die Selbsthilfegruppe? In der Selbsthilfegruppe möchte ich Betroffenen Hilfestellung in vielerlei Hinsicht geben und ihnen zeigen, dass Verzicht auf Gluten nicht unbedingt Verzicht auf Genuss bedeutet. Denn es gibt mittlerweile viele glutenfreie Produkte. Trotzdem muss man wissen, wo sich das Klebereiweiß sonst noch verstecken kann. Das ist besonders für Menschen mit einer frischen Diagnose nicht einfach. Deshalb kläre ich darüber auf, komme auch bei Bedarf zum Einkaufen mit, um zu zeigen, wie man Zutatenlisten auf Verpackungen richtig liest. Ich gebe Infos zu Neuheiten auf dem Markt, bin bei der Arztsuche behilflich und stehe für Fragen rund um die Erkrankung zur Verfügung. Außerdem soll die Selbsthilfegruppe ein Forum zum gegenseitigen Austausch über Erfahrungen und Tipps sein. Wie haben Sie selbst ihr Wissen über Zöliakie erworben? Mein Dachverband ist die Selbsthilfeorganisation Deutsche Zöliakie-Gesellschaft. Dort habe ich ein mehrtägiges Seminar zum Thema absolviert, nehme an Weiterbildungen teil und werde von der DZG regelmäßig mit den neuesten Informationen versorgt. Des Weiteren gibt es eine tolle Facebook-Gruppe namens Zöliakie-Austausch. Dort bekommt man auch viele Informationen und Hilfestellungen und erfährt oft schon, dass etwas Neues auf den Markt kommt, noch bevor es im Laden erhältlich ist. Wie oft trifft sich die neue Selbsthilfegruppe? Der erste Termin ist am 8. April um 18.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus Ramstein. Weitere Treffen sollen alle drei Monate stattfinden. Um besser planen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme kostet pro Kopf einen Euro. Kontakt Informationen per Mail an zoeliakie.westpfalz@gmail.com oder unter Telefon 0176/20145782.

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