Kaiserslautern Glanzleistungen und ein furioser Schluss

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Die Kombination aus klassischem Kammerkonzert, Liederabend und Salonmusik machte am Mittwoch in der Stadthalle Landstuhl den Reiz einer Veranstaltung unter dem Titel „Cantabile a sei“ aus. Leicht hätte dabei die Vielzahl von Programmpunkten zwei Konzerte ergeben können.

Der apollinische Gedanke von Klarheit, Durchsichtigkeit und (spielerischer) Reinheit drängte sich bei den kammermusikalischen Interpretationen in gemischter Besetzung mit Streichern und Flöte auf. Mozarts Quartett für Flöte (Stefan Engel), Violine (Wilfried Gödde), Bratsche (Harald Paul) und Violoncello (Hans-Rolf Hauck) bildete den Auftakt und zwar mit einer ans Rokoko erinnernden, grazilen und ornamentalen Satzweise, die das Ensemble im lichten Glanz und nicht mit romantisierendem, dickem Pathos gestaltete. Im zweiten Satz klangen die drei pizzicato arpeggierenden Streicher zusammen wie eine Harfe und boten ideale klangliche Voraussetzungen für die in lyrischen Kantilenen sich verströmende Flöte. Dies mündete in ein vor lebhafter Spielfreude nur so sprühendes und im Feinschliff funkelndes Rondo. Trat die Flöte hier noch in einen Dialog mit der Geige, dann war sie bei Albert Roussels Trio (mit Bratsche und Cello) dominant, und Mozarts Gedanke einer mitreißenden Spielfreude erfuhr hier in kapriziösen Läufen eine weitere Vertiefung. Der französische Komponist lotet in impressionistischen Klangfarben, Harmonien und grifflich heiklen Figurationen mehr die Extreme aus. Allerdings wirkte diese Aufführung gemäßigt, mehr geglättet und weniger die mitunter skurrilen Wirkungen betonend. Besonders gut getroffen war hier der wie eine Burleske oder Arabeske wirkende Finalsatz, der in seiner gleichsam mit dem Hörer kokettierenden Diktion wie ein Beethovensches Scherzo anmutete. Nach diesen beiden wirklich gelungenen und sehr ansprechenden kammermusikalischen Aufführungen avancierte das Flöten-Quartett von Johann Christian Bach zum überzeugendsten Klangbeispiel der ausgewählten Flöten-Kammermusik. Da wurden jeder thematische Gedanke und jede spielerische Episode im Tonfall getroffen und alles mit gestalterischem Nachdruck zelebriert. Schon im ersten Konzertteil mit klassischen Werken verdiente sich der Geiger Wilfried Gödde als Primarius und auch als Solist ein Sonderlob. Der ehemalige Konzertmeister in Gelsenkirchen und dann beim hiesigen SWR-Orchester ließ etwa bei Mozarts Arienbegleitung aus „Il rè pastore“ aufhorchen. Von seinem gestochen klaren Part gingen die meisten Momente musikalischer Faszination und Inspiration aus. Eine Inspiration, die sich auch spürbar auf den Pianisten Heribert Molitor und die Sopranistin Daniela Schick übertrug. Mit lockerem Anschlag folgte der Pianist dem vorgegebenen Ideal, beim ansprechenden Gesangspart störte ein tremolierendes, zu breit schwankendes Vibrato und ein Überbetonen der sogenannten stimmhaften Konsonanten. Andererseits fiel bei der Liedauswahl von Mozart, Schubert, Schumann und Brahms dann ein hoher stimmlicher, gestalterischer Einsatz auf. Dennoch gelang der Sopranistin bei dem nach der Pause präsentierten Vortragsblock mit Salon- und Caféhausmusik im Wiener und ungarischen Kolorit eine interpretatorische Steigerung. Vor allem Nico Dostals Klangbeispiel aus der Operette „Die ungarische Hochzeit“ („Spiel mir das Lied von Glück und Treu“) avancierte in der Besetzung mit Violine, Cello und Klavier mit den bereits genannten Interpreten zu einem Höhepunkt an Ausstrahlungskraft. Der exzellente Geiger Gödde mehrte den künstlerischen Ertrag, einmal mit der in pastosen melodischen Linien gleichsam zelebrierten Meditation von Jules Massenet. Und schließlich als furioser Schlusspunkt „all ungarese“, als er den Solopart von Montis Czardas in bestechender Präzision und Brillanz meisterte. Eine Glanzleistung!

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