Kaiserslautern Gewitterblümchen um den Hals
Meisterliches Handwerk, Gebrauchsfähigkeit sowie außergewöhnliche Gestaltung mit künstlerischen Ansätzen vereinen sich in der Ausstellung „Angewandte Kunst und Design“ in der Holzwerkstatt am Martinsplatz. Dort kann man derzeit seine Freude an amüsantem oder gediegenem Schmuck, handfester Holzgestaltung, filigranem oder robustem Brenngut, Papiergestaltung oder gar an Filztaschen finden. Gebrauchsgut, das man in den gängigen Tempeln des Konsums sicher kaum entdecken kann.
Andrea Borst hat Humor. Und diese in unseren Breiten leider nicht allzu verbreitete Eigenschaft schlägt sich in ihren Halsketten nieder. Die lustigerweise etwa „Gemüsebeet“ oder „Gewitterblümchen“ heißen. Und hauptsächlich aus kleinsten Glasteilchen bestehen. Welche fast schon comichafte Formen aus Flora und Fauna haben. Kleine, grüne Kohlblätter oder Gelbrüben, wurzelige Knöllchen und märchenhafte Blütchen wirken wie von Feen hingezaubert. Schön, heiter und leicht. Anne Wagner dagegen setzt eher auf die gediegene, schwere Auslegung des Themas Schmuck. Dabei lässt sie Silber, Gold und Steinen ihren ureigensten Charakter und verfügt die selben zu klaren und ansehnlichen, nie aber protzigen Teilen. Männlich wird das Kunsthandwerk gewohnterweise bei Heinrich Andreas Schilling. Der Stammgast der Holzwerkstatt bietet diesmal vor allem schwere Borde oder Bücherregale aus uralten Fassdauben. Dabei setzt der Drechslermeister auf die Kräfte der Physik, die in Form kegelkugelähnlicher Holzbälle etwa die häuslichen Kochbücher und Romane zusammenhalten. Auch Hausherr Marcel Wiehn zeigt mit der Schau von rustikalen, sauberst verarbeiteten, werthaltigen Möbeln, was er kann. Farbenfrohe, exakt gearbeitete Papierschachteln von Wiebke Steinwedel und recht witzig gestaltete Filztaschen von Barbara Schmitt sind ebenfalls Teil der abwechslungsreichen Ausstellung. Ebenso wie Keramik von Manfred Braun sowie Ingrid und Frank Jung. Braun zeigt vor allem seine findigen Steingut-Weinkühler, die den Chardonnay oder Grauburgunder per Verdunstung in winzigen Öffnungen auf Trinktemperatur halten. Wer eher auf Schnitzel mit Pommes denn auf Ochsenbäckchen in Himbeerjus steht, darf seinen Massenwein natürlich weiter aus der Kühlschranktür holen. Die schweren Becken, Schalen oder Schüsseln der Keramiker-Familie Jung erinnern an Zeiten, als man sich in der rauchigen Bauernstube mit Holzlöffeln bewaffnet noch um den täglichen Getreidebrei schlug. Und das Geschirr dabei noch einiges aushalten musste. So bietet die Holzwerkstatt derzeit einen Fluchtpunkt in der hektischen Betriebsamkeit der Stadt. Wo man sich entspannt ein wenig Anregung abholen kann. Bevor einem draußen wieder die SUVs über die Füße fahren. Ausstellung In der Holzwerkstatt am Martinsplatz 6, montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.